Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- Heft 5 (1.3.1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 foer .Indische Arbeiter Heimweh . . . Was für ein Gefühl war es nun, das uns erfüllte, als wir am vergangenen-Dienstag auf dem Nordbafinhof von unseren Chaluzim, die nach Paiä- : sto'na gingen, Abschied nahmen? Ein Sonderzug aus Polen, dem alten jüdischen Massenzentrinn, vollgepfropft mit jungen Burschen und Mädchen, die nach dem Lande unserer Wiedergeburt wollen. Unsere, uns in jahrelangen gemeinsamen Kämpfen . teuer und lieb gewordenen Genossen und Kameraden schlössen sich an ihre Kameraden aus dem Auslände an und wir mußten mit Tränen kämpfen. Warum fällt uns der Abschied so schwer? Ist es Neid, weil sie eine weite Reise antreten und wir uns dies nicht leisten können? Unsinn! Oder gar vielleicht darum, weil der größte Teil dieses Transportes aktive Mitarbeiter und Aufbauer unserer poalezionistischen Organisationen in Wien war? Mag sein, daß auch dies eine Rolle spielte. Die Hauptursache dieses Gefühls, welches so stark war, daß wir nicht imstande waren, von jedem einzelnen Abschied zu 'nehmen, ist wohl ausschließlich daräi zu finden, daß jeder, der, 'wenn auch mr eine Ahnung, von der Größe und Höhe der Aufgabe eines Chaluz hat, als Zeuge solcher Szenen, wie -sie eben beim Abschicdnehmen von Chaluzim innvermeidlich sind, unwillkürlich mitgerissen wird und auch gern mitfahren möchte, um in Erez Israel seine Pflicht zu erfüllen. H e i m weh nach dem Lande u nserer neuen K o n z e n t r a t i o n, das erfüllte uns.' Und als zum endgültigen Abschied die Fahnen geschwenkt wurden und der lange Zug mit seinen Reisenden diie Halle verließ, da fühlten wir, es iist doch kein e n d g ii 1 t i g e r Abschied, vielleicht, vielleicht sehen wir uns wieder, denn das Heimweh ist doch zu stark ... S a m u H a I p e r n. Literatur. Jung-jiddische Literatur. i. Wenn man offenen Auges den Entwicklungsgang der jiddischen Literatur verfolgt, so kann man leicht feststellen, daß die jiddische Literatur vor einem neuen Aufschwung steht, dessen Anzeichen wohl noch ganz schwache, für einen Fernstehenden kaum bemerkbar sind, für diejenigen jedoch, die das geographisch weiter auseinanderliegende Gebiet •des jiddisch-literarischen Schaffens zu überschauen vermögen, ist es eine feststehende Tatsache. In allen jüdischen Weltzentren, selbst außerhalb des Ostens und den U. S. A., in Wien, Johannisburg und Havanna, leben kleine Gruppen junger, jiddischer Poeten und Prosaiker, die von Zeit zu Zeit mit einer kleinen Sammlung in die Oeffentlichkeit treten, durch eine Einzelausgabe die Aufmerksamkeit auf sich lenken, oder sich in einem periodischen Journal zu sammeln suchen, dann für eine kurze Zeit untertauchen, von der Oberfläche verschwinden, um uns in einem späteren Zeitpunkt wieder mit einer literarischen Gabe zu beschenken. Diese Welle der jungen Generation ist in vielem einer anderen literarischen Welle ähnlich, die kurz nach dem Kriege, den damals seichten See des jiddisch-literarischen Schaffens stürmisch aufpeitschte. Es war die Gruppe, die sich in Warschau um den «Albatros» und um die «Chaliastre» scharte, und in Sowjetrußland um die verschiedenen kommunistischen Ausgaben. Auch jene wurden zuerst jahrelang von der Kritik fast übersehen und blieben der Oeffentlichkeit ganz unbekannt, bis sie eines schönen Tages reif, kräftig, tatenlustig, wie ein Wunder, dastanden. Selbstverständlich wäre es ein verfehltes Beginnen, heute feststellen zu wollen, ob die jetzt junge Generation der jiddischen Literatur, solche Talente wie Markisch, Grünberg, Rawitsch, Singer, Perle u. a. hervorbringen wird, wie es der Fall mit den Nachkriegsdichtern war. Was wir tun können, ist, .den Entwicklungsweg dieser neuen Generation wachsamen Auges zii verfolgen und das Eigentümliche und Charakteristische ihres Schaffens herausheben und erfassen zu versuchen. ' Das wichtigste äußere Merkmal, das sie von der unmittelbar nach dem Kriege einsetzenden literarischen Bewegung unterscheidet, kann man folgendermaßen formulieren: Sie ist quantitativ sehr groß und umschließt alle Länder; jüdischer Massensiedlungen und . insbesondere die über- . seeischen Länder. Während jene Nachkriegswelle hauptsächlich Polen und Rußland umschloß, ist die gegenwärtige viel umfassender. Außer Wien, Lemberg, das ehemalige Russisch-Polen und Rußland sind junge Talente auch in Palästina, Nord-, Mittel- und Südamerika-und Afrika (Johaniiisburg) aufgetaucht, unter denen . manche sehr vielversprechend sind. . Wir werden nun in den folgenden Nummern das Schaffen der einzelnen «Gruppen» eingehend würdigen und hoffen so unseren Lesern den Weg zur modernen jiddischen Literatur zu weisen. Drechsler. Hans k o hn: faärtin Baöer, seh Werk und seine Zeit. 1929, Verl Tg Jakob Hegner in Hellerau. Ein wahrhaft berufener Schüler hat seinem Meister in diesem Werke ein Denkmal gesetzt und damit uns allen einen Dienst erwiesen: denn die Kenntnis der geistigen Entwicklung Martin Bubers, der eine der zentralsten Gestalten des Judentums und der jüdischen Bewegung der Gegenwart ist, sollte ein Element der Bildung des modernen Juden auch dann sein, wenn ihm Bubers religiöse Art der Welterfassung fremd ist, welche Fremdheit heute, da nach Bubers Auffassung Gott nicht mehr Postulat des menschlichen Geistes, nicht mehr höchste Idee, sondern Wirklichkeit ist, von uns stärker empfunden wird als ehedem. Und doch müssen gerade wir, die wir auf dem Boden einer metaphysikfreien Weltauffassung stehen, Bubers Entwicklung von der Religiosität zur Religion als positiv bezeichnen: bedeutet sie doch, daß Buber nun einen Trennungsstrich zieht zwischen sich und jenen literarischen Begriffsjongleuren, die dem Begriff der Religion einen Inhalt unterschieben, der mit der Wirklichkeit der historischen Religionen nichts zu tun hat. In Uebereinstimmung mit dieser religiösen Einstellung hat Buber im Zionismus die Erneuerung der jüdischen Religiosität, und in der Judenfrage ein vornehmlich individualgeistiges Phänomen gesehön: mag auch diese Anschauung von unserer Einstellung grundsätzlich abweichen — dennoch muß festgestellt "werden, daß sie in der Linie der Forderung nach Verinnerlichung des jüdischen Nationalbewußtseins, nach Intensivierung der jüdischen Kulturarbeit liegt, Zielsetzungen, die auch wir bejahen. Hans Kohn hat sich nicht begnügt, den geistigen Aufstieg Bubers vom ästhetisch gerichteten Journalisten zum großen Religionsphilosophen darzustellen: er hat gezeigt, wie das geistige Geschehen: der Zeit eine beispielhafte Verdeutlichung in Bubers Werke fand, und hat uns so eine prachtvolle Geistesgeschichte der europäischen aber auch jüdischen Kulturwelt der letzten Jahrzehnte gegeben, zu der jeder kulturgeschichtlich Interessierte greifen sollte. Doch nicht nur er: auch der «Politiker» wird aus dem Buche manches lernen können. Der durchschnittliche zionistische Politiker hat sich gewöhnt, wenn Bubers Name genannt wird, verächtlich die Achsel zu zucken. Hans Kohn zeigt uns, wie Buber bereits im . Jahre 1919 die wahrhaft realpolitische Forderung stellte, «Schritte und Maßnahmen einzuleiten, die erforderlich sind, um ein dauerndes gründliches Einvernehmen mit den Arabern auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, ja eine umfassende Solidarität herbeizuführen.» Möge das Werk Kohns, das von dem "Ethos Bubers, der ihm diese Forderungen eingab, erfüllt ist, zur Verbreitung des Gedankens einer realpolitischen zionistischen Einstellung beitragen. —"r. Zeitschriftenschau. Im «Archiv für die Geschichte dm Sozialismus und der Arbeiterbewegung» (Herausgeber Karl Grünberg), 1929, 3. Heft, veröffetnliicht L. H. Ad. Geck eine tiefschürfende Arbeit über die «Anbeiterbikhmigisbestrebungen in den Vereinigten . Staaten von Amerika.» und kommt dabei auch ausführlich auf die jüdische Arbeiterbewegung in Amerika, ihre Entstehung, Struktur, Entwicklung und ihre Bildungsarbeit zu sprechen; insbesondere'ist es die Biklungsarbeit .der Gewerkschaften und des jüdischen Arbeiterringes, die zur Darstellung kommen. Im August-Septeni'ber-Heft der in Berlin erscheinenden Zeitschrift <<Der neue Orient» veröffentlichte Fr. W. Onew einen Artikel über «die arabische und jüdische Presse in Palästina». Als Symptom der Oberflächlickeit dieses Aufsatzes sei erwähnt, daß 'unter den hebräischen Tagesblättern zwar dev «Doar ha Jom»K 'nicht aber xiie jüdische Arbeiterzeitung «Dawar» erwähnt wird. Im Jahrgang 1929 der «Mitteilungen der israelitischen Kultu-sgemeih.de Graz» veröffentlicht D. Herzog Urkunden und Regesten zur Geschichte •der Juden in Steiermark. Es handelt sich zum größten Teil um Urkunden familienirechtlicher Natur. Für einen weiteren "Kreis interessant ist vor allem ein von König Maximilian I. erlassener Befehl zur Ausweisung der Juden aus der Steiermark, Wiener- Neustadt und Neunkirchen; noch interessanter abei ist die einer Quittung zu entnehmende Tatsache, daß die steiermärkische Landschaft dem König Maximilian für diese Vertreibung eine hohe Geldsumme zugesichert und bezahlt hat. Chaluzim seien auf, das in der Zeitschrift ,«Islamica» günstig bespfochene.ßuch von E. N. Haddad «Arabisch, wie es in Palästina gesprochen wird» (Jerusalem, Syrisches Waisenhaus, 1927, Vertrieb in Deutschland H. G. Wallmann, Leipzig, Seeburgstraße 100, RM. 5.60) aufmerksam gemacht. Genossen, die sich über die Entstehungsgeschichte der J. S. A. ]\ -und den Umfang unserer Jugendbewegung informieren wollen, seien auf die einschlägigen Broschüren des Genoasen Halpern aufmerksam gemacht. Wiener Organisation« Demnächst erscheint im Verlage der «Zukunft» das Buch: «Die blutigen Ereignisse in Palästina und die sozialistische Internationale». Das Werk wurde von einem Redaktionskomitee, bestehend aus den Genossen Dr. Bernay, Mendel Singer und Dr. Sokal vorbereitet und wird für jeden Freund des arbeitenden Palästina aufschlußreiche Mitteilungen und Dokumente enthalten! Vorausbestellungen sind zu richten an Poale-Zion, Wien, II., Blumauergasse 1. Spenden. Dr. Karpeles S 10.— für P. A. F. federn empfehlen toit /aW 7 Groschen 40 ö. Hellet 'T&meSlatt tk ccid)illu|!cißctß <Iagc03ßjttmo öectüoltung: Wm V, Hcd)te ttKen^ile 97 3n allen 3tttung80ttf$ldß|ietttn ßcrjältlid) JUUUyLgJL^AftJL^^ Die Unzufriedene i das Wochenblatt der Frau! kostet nur 70 Groschen Redaktion und Verwaltung: Wien 5., Rechte Wienzeile P5 Die STEWE zeigt hält empfiehlt führt vermietet Prüf-U.Beratungsstelle der städt. 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