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Der Jüdische Arbeiter · 1930-02-01 · Heft 3 (1.2.1930) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 3 (1.2.1930)
Date
1930-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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v.u. Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Österreichs Erscheint jeden zweiten Freitag , " Redaktion und Administration: Wen, II., Blumauergasse 1/111 Postscheckkonto Nr. 3S.042 Bezugspreis: vierteljährig S 1.20, halbjährig S 2.40 Einzelne Nummer 20 Oroscben Nr. 3. Wien, 1. Februar 1930. 7. Jahrgang. Unseren Chaiuzim zum Abschied. Zum zweiten Male innerlialb der neuen Alijah, die nach den furchtbaren Ereignissen in Erez Israel eingesetzt hat, verläßt in den nächsten 'lagen. eine Gruppe von Chaiuzim Wien und tritt die Reise nach Palästina an. Wir Poalezionisteu nehmen an jedem Geschehnis innerhalb des Hechaluz innigsten Anteil, wir haben uns für das Schicksal der Chaiuzim immer verantwortlich gefühlt und. unsere leider gewiß schwache Kraft - - für die Durchsetzung ihrer Forderungen eingesetzt. Doch die Abreise d i e s er Gruppe erweckt in uns Gefühle besonders;starke»* Anteilnahme: gehört doch die überwiegende Mehrzahl der wegfahrenden Chawerim und Chaweroth der Poale-Zion oder den ihr angegliederten Jugeiidgruppen, der Jüdischsozialistischen" Arbeiterjugend und dem Jugendbund Mischmar haovdim an. So gilt es denn Abschied zu nehmen, 'Abschied von Genossinnen und Genossen, mit welchen wir uns nicht nur verbunden fühlen durch den gemeinsamen Dienst, die gemeinsame Arbeit für den zionistischen Sozialismüs nein, mit vielen von ihnen verbindet uns das Gefühl der Freundschaft und Kameradschaft. - Machen wir uns, Genossen, .nichts vor: jeder Abschied ist schwer, und auch dieser Abschied wird uns schwer fallen. Uns, das heißt, Euch Wegfahrenden und' uns Zurückbleibenden. Gewi!): Euer Schicksal, Freunde, ist nicht vergleichbar mit dem anderer. Emigranten. Viele von Euch sind/keinem Ökonom sehen; Zwange gefolgt, als sie sich für die Chaluziut entschieden,"mancher von Euch ist aus idealen Gründen" zur vornehmlich körperlichen Berufsarbeit übergegangen. Ihr geht nicht in ein Euch fremdes Land, wo' ihr, der Sprache des Landes nicht mächtig, eitern Kampf ums Dasein, jeder einzelne aui sich allein gestellt, zu .führen verurteilt sein werdet; nein, viele von Euch werden von freunden erwartet, Ihr alle aber, /ohne Unterschied, werdet mit dem Betreten des Landes Glieder eiiiir Gemeinschaft, die wie keine andere auf dem ganzen Erdenrund gegenseitige Hilfe pflegt: Glieder der jüdischen Arbeitergesellschaft in 'Palästina, deren Sprache Ihr alle sprechet. Das alles •ißt auch' Ihr Genossen und doch iiiuß Euch der Abschied schwer werden: viele von Euch werden in Palästina zum ersten Male, dem unerbittlichen Ernst des Lebens entgegentreten müssen, unter schwereren Bedingungen, als es die europäischen sind, von Freunden zwar'umgeben, fern aber von den Euch Nächsten, on Vater und Mutter, von Bruder und Schwester. Und wir Zurückbleibenden, welchen Gründl haben ir, vor dem Pfiff der Lokomotive, die- Luch wegführen wird, zu erzittern? Wir bleiben ja da, in Wien, unseren Geschäften nachgehend, in einem Lande zwar, das wohl kein Paradies darstellt, immerhin aber au den einzelnen nicht jene Anforderung stellt, wie Ihr, Genossen, sie auf Euch genommen habt Nun, Freunde, das ist ja eben der Grund, warum wir so beklommenen Herzens von Euch Abschied nehmen: das zionistische Gewissen in uns hat uns vor die moralische Frage der Möglichkeit einer Bewährung der zionistischen Gesinnung im Gallith gestellt. Und Eure Wegfahrt läßt diese Problematik in uns lebendig wer- Yn. Warum sollen wir es leugnen: es hat Stunden egeben, da manche unter uns unter dein Findruck er Nachrichten von dem Fürchterlichen, das im Lande geschah, sich von dieser quälenden Gewissens- Tage radikal befreien zu können 'glaubten, indem >ie,sich vom zionistischen Sozialismus abwenden wollen. Doch bald danach erreichten uns die Kundgebungen des arbeitenden Palästina, die seinen Willen, un Aufbau des, jüdischen Nationalheimes festzuhalten ind ihn mit erhöhter Energie fortzusetzen, zum Ausdruck brachten. Und auch ihr Chaiuzim gabt auf das Geschehen Eure Autwort: die verstärkte Alijah setzte ein. Und fingesiehts dieser Antwort des arbeitenden Erez 'Israel und des Hechaluz war für uns Galuthzionisteii sozialdemokratischer Gesinnung die Aufgabe klar umrissen: über alle Hemmungen hinweg wollen wir uns weiter als Eure Flelfer betrachten, und die doch unbedingt notwendige mittelbare Arbeit im Gallith an der Verwirklichung unseres und Eures Zieles, des zionistischen Sozialismus, unermüdlich leisten. Das, Genossen, versprechen, nein, schwören wir Euch in dieser Stunde des Abschieds beim Blute unserer in Hebron und Saphed gemordeten Brüder und Schwestern: Es verdorre unsere Rechte, wenn wir Dein vergessen, arbeitendes Palästina! Aufgaben von Unerhörter Schwere erwarten Euch im Lande: berufliche Eingliederung in das allgemeine Wirtschaftsleben, Berufsarbeit in einem neuen sozialen Milieu, Teilnahme am politischen und wirtschaftlichen Klassenkampfe .des jüdischen Proletariats; Euch Genossen, die Ihr schon im Gallith erkannt habt, daß es Schicksal und Aufgabe des' Proletariates ist, als organisierte Einheit" um die--Güter des Lebens zu ringen,'; .'Euch muß nicht der kategorische Imperativ jedes Dien gepredigt werden: werdet Mitglieder der Histadruth liikl der jüdischen' Arbeiterpartei! Noch einige Wochen, und Ihr werdet ihre gleichberechtigten Jüöisifte Sozialö. flpbsifipoi'flanisatton Poa!« Zfon Jüöisdie scz. MiltwtuwtiQ Mistap Haowöim Dienstag, den.'11. Februar 1930 um 7 Uhr abends Hott! „Post*-, I. Bez., Fleischmarkt Abschieds-Feier Für unsere nach Palästina fahren den Genossen Mitglieder sein und ihr inneres Leben und ihre praktische Arbeit mitbestimmen. Viel Kraft, nein, alle Eure Energie wird dieser soziale Einbürgerungsprozel) in den j'ischuv von Euch verlangen. Und doch Freunde, sollt Ihr nicht über die Fülle der Aufgaben, vor welche Euch die Bewältigung Eurer persönlichen Schwierigkeiten und der iunerjüdischen Probleme)stelL-n wird, vergessen, daß der jüdische Jischuv nur ein Teil der palästinensischen Geseljschaft ist, daß er in Nachbarschaft mit einem Volke, von größer Vergangenheit und viel verheißende" Gegenwart lebt. Heute, Genossen, sprecht Ihr noch von der „Araberfrage": morgen werdet Ihr es unmittelbarerleben, wie distanziert dieses Wort zu der Wirklichkeit steht, die seinen Inhalt bildet: Ihr werdet im Rahmen der jüdischen Arbeiterorganisationen alles tun, was nur irgendwie zur'Verständigung der beiden Völker beitragen kann, Ihr werdet/alle Formen der Pi';.stigepolitik gegenüber dem arabischen Volke ■ bekämpfen, Ihr werdet unmittelbare Beziehung zu den arabischen Arbeitern suchen, Ihr werdet Euch nicht durch Euch fremde, äußere-'Formen des arabischen Lebens abstoßen und zum „Hochmut" verführen lassen, Ihr werdet als internationale Sozialisten für die Kooperation des jüdischen und arabischen Proletariats eintreten, das. Freunde, müßt Ihr uns in dieser Stunde des Abschieds, versprechen, um Euretwillen! Und nun, Genossen und Genossinnen, zum Schluß ein rein persönliches Wort: möget Ihr im Lande wenig Enttäuschung, und viel von dem finden, Joachim Cyplcin Uhrmacher \ Wien, IV., Kartflineiitaaa»« Nr. 15 Unter Garantie u, gewissenhafte Ausführung was zu finden Ihr erhofftet, als Ihr Euch für die Chaluziuth entschieden habt! Ihr seid noch sehr jung: möge der Ernst des Lebens Euch nicht allzufrüh altern machen, möget Ihr auch im Lande der Arbeit , viel.Freude erleben, alle Freuden, die zu genießen Vorrecht der Jugend ist. Wir grüßen Euch Chaverim und Chaverot mit dem Gruße, der .Euer Gruß ist, dem Gruß des österreichischen Sozialismus - unserm Gruß: Freundschaft! Das Urteil Halsmann rechts* kräftig! Der Prozeß Halsmann ist formalrechtlich zum, Abschlüsse gekommen. Die gelehrten Herren in dem . ehemaligen Bankgebäude haben dem Wahrspruche der Tiroler Geschworeneu, gefaßt in einer Atmosphäre des Hasses und Aufreizung gegen den Ostjuden, Rechtskraft verliehen. Das Gewissen der üetfeutlichkeit gibt sich aber mit diesem gelehrten Spruch nicht zufrieden und fragt dringend: -was .min?. Die Unschuld Halsmanns ist für die'meisten ••- Juden und Arier......., die-ihn kenneu-gelernt und--den-' Prozeß verfolgt haben, eine Gewißheit. Für alle Juristen, cne vorurteilsfrei das Ergebnis des Beweis- ■ Verfahrens prüften, steht es Zumindest fest, daß dem Anklüger der Beweis der Schuld Halsmanns nicht gelungen ist und daß nach dem Grundsatze: im Zweifei für den Beschuldigten, eine Verurteilung nicht erfolgen durfte. Die Geschworenen, die der Begründung ihres Wahrspruchcs enthoben -sind, erkannten aber einmal, daß Halsmann gemordet hat, das zweite Mal, daß er totgeschlagen hat.' Für den Mord hatte nicht einmal der Ankläger ein Motiv ausfindig inachen können; daß ■ Halsmann nach den Zeugenaussagen nicht der Mann , ist, der sich in Raufereien, dazu mit dem eigenen Vater, einläßt und dabei mit einem Stein so dreinhaut, daß der Gegner erschlagen wird, sieht jeder Laie ein. Wieso kam es denn, daß der Oberste Gerichtshof, der ja die Situation kannte und einmal schon fast in derselben Besetzung ihr dadurch Rechnung trug, daß er das Urteil nacli der ersten Verhandlung aufhob, das zweit». Mal versagte? Es ist wohl wahr, daß der Oberste Gerichtshof nicht über Schuld oder 'Unschuld zu entscheiden hatte, sondern nur darüber, ob Mängel des Verfahrens vorlagen, d. h. u. a., ob das Prozeßgencht irgendetwas unterließ, was der Erforschung der Wahrheit zweckdienlich sein konnte. Die Beurteilung dieses Urnstandes ist aber Erincssuugssachc und stark davon abhängig, wie man sich zu der Kardmalfrage: schuldig oder nicht, stellt. Im ersten Prozesse sind zwar Mängel vorgekommen,, die schwerwiegender waren, als die in der zweiten Nichtigkeitsbeschwerde geltend gemacht wurden. Trotzdem hätte der -Oberste Gerichtshof mit bestem formal-juristischem Gewissen, so wie er es in der Mehrzahl von Fällen, die an ihn gelangen, zu tun pflegt, schon die erste Beschwerde verwerfen können. Der Eindruck,'' den die Aufhebung des ersten Urteiles hinterließ, war daher, daß der Oberste Gerichtshof durch freiere. Auslegung der prozeßreclulichen Bestimmungen den Innsbrucker Geschworenen Gelegenheit geben wollte, einen offenbaren Justizirrtum richtigzustellen. Schon aber die Ablehnung des Antrages auf Delegierung eines anderen Gerichtes und Ueberlassung 'des Falles Geschworenen, die wegen all der Konkarrenzlose Angebote in Per SlanGf $ Fohlen und Klauenmästtel sowie Sport- und Stadfpefze bei Wien. VH.V kircften$asse Nr, 31 Telephon IiU33*8^<5l ■HM»

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