Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 7 (1930)
- Issue
- Heft 2 (17.1.1930)
- Date
- 1930-01-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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!!• Iit Ii* Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Österreichs Erscheint jeden zweiten Freitag . Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse 1/111 - Postseheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig S 1.20, halbjährig S 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 2. Wien, 17. Jänner 1930. 7. Jahrgang. Die jüdische Arbeiterpartei Palästinas. Endlich einmal eine Nachricht aus Palästina, die allenthalben in der jüdischen Arbeiterbewegung und darüber hinaus in der ganzen Internationale Freude; erwecken wird: die Vereinigungskbnferenz der beiden großen jüdischen Arbeiterparteien' hat die Bildung der geeinten jüdischen Arbeiterpartei Palästinas beschlossen! Bei Redaktionsschluß unseres Blattes ist noch kein genauer, Bericht über den Verlauf dieser wahrhaft Historischen: Konferenz in unserer Hand, aber es bedarf seiner nicht um1 die Bedeutung dieses Ereignisse zu ermessen. Wir österreichischen Sozialdemokraten sind wohl am ehesten berufen, die Tatsache einzuschätzen, daß es nunmehr in Erez Israel nicht mehr zwei proletarische Parteien geben: wird, daß dieser für das kleine Land unerhörten Xraftverschwendung ein Ende gemacht wurde: ist doch' die Einheit der Partei das) Hauptziel aller politischen; Taktik unserer österreichischen Partei,;und der Schlüssel zum Geheimnis ihres Erfolges. Vervielfachung der Kraft der jüdischen politischen Arbeiterbewegung im Lande, Vergrößerung ihrer Anziehungskraft auf die Indifferenten Linter den jüdischen Arbeitern,'Steigerung des Ansehens des jüdischen Proletariats im Rahmen der Internationale, das werden die unmittelbaren Folgen seines Einheitswijlens sein. >; Im Zentrum der Aufgaben, die der neuen Arbeiterpartei gestellt sind, steht die Lösung der arabischen Frage: an ihrer. Bewältigung wird sie ihren wahrhaft proletarischen Charakter erweisen. Und das ist unser Wunsch an den Benjamin 9!er sozialistischen Internationale: daß es ihm gelingen möge, Wegbahner des Friedens der beiden stammverwandten Völker zu werden. Die Einheit des jüdischen Proletariats ist da: es lebe die Vereinigung der jüdischen und arabischen Proletariate! Gebot der Stunde. Wenn die englische Untersuchungskommission in Palästina auch ihren Bericht noch nicht verfaßt und der Oeffentlichkeit übergeben hat, und wir die Vorschläge, die sie zur Frage der Befriedung des Landes zu machen gedenkt, noch' nicht kennen,, das Ende ihrer Untersuchungstätigkeit in Erez Israel bedeutet nicht, nur einen Einschnitt in der Realisierung ihrer Aufgabe, sondern auch1 eine Zäsur in der zionistischen Politik der Gegenwart. So ist. denn wieder ein Augenblick gekommen, der uns zur Besinnung aufruft, zur Besinnung über die Situation, in! die uns ein unerbittliches Schicksal gestellt hat, zur Besinnung über die Auffgaben, die uns die gegenwärtige Stunde stellt, und welchen gerecht zu werden wir uns und1 dem arbeitenden. Palästina schuldig sind. Man hat für die Situation, in der sich der Zionismus in diesen Wochen befindet, das Wort von der Liquidation der Augustereignisse geprägt: ein unglückliches Wort — als ob jemals das Furchtbare in Hebron und Safed aus der Geschichte unseres. Volkes ausgelöscht werden könnte! Aber es ist auch nicht wahr: die Unruhe in den. arabischen Massen besteht loch weiter, Ueberfälle kommen immer noch vor, der iranische Boykott ist nicht beendet) die vollkommene $uhe und Ordnung ist im Lande immer noch nicht' vergestellt. Das sind die Tatsachen, ihnen haben wir n die Augen zu sehen, wenn wir uns nicht wieder fefäh'rlichen Illusionen hingeben wollen. Und das ist las Tragische an der Lage in diesem Augenblick: jroße Teile des bürgerlichen' Zionismus — glückicherweise nicht die bürgerlich-zionistische Gesamtiejt —~ sind sich des Ernstes der Lage nicht bewußt* was zur Folge hat, daß sie durch1 ihre falsch' gerichtete Politik diesen Ernst der Situation noch1 um vieles verschärfen. Die einen haben die Sache des Zionismus auf das .Großbritannien vom Völkerbund verliehene Man-, dat und auf die Balfourerklärung gestellt. Auch wir! hoffen, daß die Labourregierung das Palästinamandat: nicht aufgeben wird — nein, wir sind davon nach den 'Erklärungen-Hendersons am Parteitag zu Brightön überzeugt! . Auch wir halten im Gegensatz zu einigen Vertretern des Brith1 ha: Schalorn an der Balfourerklärung als einem alle kommenden britischen Regierungen . bindenden. Staatsakt fest. Das aber darf uns nicht hindern, die zionistische Oeffentlichkeit davor zu warnen, diese beiden Völkerrechtsinstitutionen als ewige Kategorien zu betrachten. Recht — Freunde — ist in allen seihen Stufen eine historische Erscheinung, und der geschichtlichen;Entwicklung . unterworfen, und -Völkerrecht im besonderen: seinem Inhalt kommt von allen Teilen des Rechtssystems die' geringste Stabilität zu. Balfourerklärung? Schon beginnt man in England von ihr als einer der Kriegsraison entsprungenen Aktion zu sprechen! Mandat? Eben hat Großbritannien auf: ein solches im Irak verzichtet. In Indien hat die Gärung ihren Höhepunkt erreicht, England hat :die Eingliederung Indiens als Jüdische sozialdem. Arbeiterorganisation Poale Zion Samstag, den 18. Jänner 1930, findet ein Vortrag des Gen. M. Singer über IM statt. Ort: IL, Blumäuergässe 1. eines autonomen Dominiums in Aussicht gestellt: welchen Verlauf die indische Bewegung auch in der nächsten Zeit nehmen wird, schon die Erfüllung ihrer politischen Minimaxiforderung bedeutet, daß sich das strategische Interesse Englands am Suezkanal und das heißt am Palästinamandat verringern wird! Darum ist es verhängnisvoll, den Zionismus ganz an die Interessen Englands zu knüpfen — abgesehen davon, daß man dadurch seine Werbekraft der antiimperialistischen jüdischen Jugend gegenüber verringert. Es muß der zionistischen Oeffentlichkeit ins Bewußtsein gehämmert werden, daß wir nur auf uns angewiesen sind und daß es einen Rückfall in die Zeit, da das jüdische Volk Objekt und nicht Subjekt der Politik war, bedeutet, wenn wir das Aufbauwerk in Palästina von den Entschlüssen einer anderen Macht abhängig machen. Wir haben die uns durch das geltende Mandat, durch die Balfourerklärung gewährte Chance auszunützen, indem wir unsere Aufbauarbeit intensivieren, wir haben für die Zeit, da beide durch die geschichtliche Entwicklung ihren Daseinsgrund verloren haben werden, p o 1 i t i s c Ii vorzusorgen, indem1 wir unser Verhältnis zu dem arabischenl Volke, vonf dessen! Willen die Möglichkeit der Errichtung der jüdischen Heimstätte in hohem Maße.abhängt, auf Grundlagen des Friedens und der Freundschaft stellen. Die Frage der Intensivrerungj unserer Aufbauarbeit kann hier nur von ihrer ökonomischen Seite betrachtet werden. In Kürze gezeichnet ist die wirtschaftliche, Lage des Zionismus die folgende: noch niemals war unsere Hoffnung auf die Mitwirkung des Privatkapitals so gering, noch, niemals waren wir auf un s e r e n a tio n a l e n K a.p 11 a 11 em i n d e m Ma ß e angewiesen wie in dieser Stunde. Das pri- Joachim Cypkiii ^nÜJÄ Uhrmacher ' 1 j ^l^a .Wlan, IV.« ftarollnensais« Mr. « j v '-^SfesaV unter Garantie u. gewissenhafte Ausführung j vate Kapital fließt nur in ein" Landf, in dem Ruhe und Ordnung bestehen: wie die Dinge heute stehen, ist dies in Palästina nicht der Fall. Für die große zionistische Anleihe die „theoretisch" insbesondere durch das Werk Chaim Arlosorows vorbereitet wurde ist die Zeit verpaßt worden: die infolge der am amerikanischen Geldmarkt eingetretenen Ereignisse heute gegebenen internationalen Kreditverhältnisse lassen ge1 genwärtig jeden Anieih'eversuch auch ohne Rücksicht auf die Unruhen im Lande fast aussichtslos erscheinen. Daraus folgt nur eines: unsere wichtigste Aufgabe ist die Stärkung der zionistischen Fonds. Es ist nun festzustellen, daß die Gebefreudigkeit der jüdischen Massen aus verschiedenen Gründen gesunken ist, unter welchen Gründen die Vertrauenskrise der zionistischen Fonds einmal hervorgehoben werden muß, die Tatsache, daß sich' vielfach die-Meinung eingebürgert hat, als ob unsere Fonds mit alluzgroßen Regien arbeiten würden1; Es wir\ld! die Aufga'be' unserer Vertreter sein, im V.erein mitden Vertretern aller linken Organisationen d i e s e KI a g e n z u p r ü f e n>, u n; 'dl w e n: nl sc n) i. hLTü e n auch nur ein Körneheu Wahrheit. ist, mitx aller E n e r g i e u n d U n e r b i 111 i c h k ei t e ine Reform des Apparates 'der Fonds anzustreben; das sind wir nicht nur Palästina; so n"dern au ch de« wah r h'af t opf erbringenden jüdischen Massen schuldig. Was nun die zweite) Aufgabe der Stund'e^die friedliche Gestaltung unseres Verhältnisses zu den Arabern anbelangt, so ist sie nicht nur eine Angelegenheit des Jischiiws, sondern eine allzionistish'ce. Nicht nur die palästinensischen Revisionisten, deren Mitschuld an den Ereignissen im Lande von der jüdischen Arbeiterschaft festgestellt wurde, bedeuten eine Gefahr: in allen europäischen Großstädten gibt es heute ara-. bische Intellektuelle, die die national-chauvinistischen Phrasen unserer Revisionisten den arabischen Massen! zur Kenntnis'bringen. Und man bedenke aber auch1 den moralischen Niveauunterschied', der zwischen palästinensischen und Galuthrevisionisten besteht: jene müssen wenigstens für ihr unverantwortliches Tun auch einstehen, unsere militanten Hinterlandsziom'stert aber gehen in Wien ihren Geschäften nach, singen der Wiener Sicherheitswache ein hohes Lied — im übrigen aber helfen sie durch ihre Reden und1 ihr Schreiben den Effen'dis, im arabischen Volke Haß gegen das jüdische Volk zu säen. Sie mit allen Mitteln zu bekämpfen ist nicht nur Gebot der Stunde: es ist auch Gebot unserer Freundschaft zu unseren Brüdern1 und Schwestern im Lande, deren Leben sie — weit vom Schuß und Stich — indirekt bedrohen! Eduard Bernstein. (Zu seinem achtzigsten Geburtstag.) Es ist das Kennzeichnende für. das Leben und Wirken großer Menschen, daß ihre Persönlichkeit in so hohem Maße mit ihrem Werke, mit der Sache, der sie ihre Kraft weihen, eine Einheit bildet, daö. ihre persönlichen Gedenktage für uns gleichbedeutend1 sind mit Tagen, da wir aufgerufen sind; uns desv Wesens und Schicksals der Ideen zu besinnen, die in ihren Werken ihren Ausdruck erfahren haben. Die Frage nach der spezifischen Geistesfrucht des/ achtzigjährigen Lebens Eduard ^Bernsteins ist somit: lillllllWIlHlIlllMIIIIIIIIlilllH Konkurrenzlose Angebote in Persianer» Fohlen und Klauenmäntel sowie Sport* und Stadl pelze bei Jakob Ebner Wien, VII., Kirchengasse Nr. 31 Telephon B*33*8<*6l