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Der Jüdische Arbeiter · 1930-01-03 · Heft 1 (3.1.1930) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
7 (1930)
Issue
Heft 1 (3.1.1930)
Date
1930-01-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Der jüdische Arbeiter ÜÜtHERSfÜBC M/HATH Buchhandlung, Antiquariat» Leihbibliothek Wien, II. Taborstraße 20a, Tel. R-43-1-58 M* RATH S Neueröffnete Leihbibliothek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern alier Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. geschmackvollen Bibliothekseinband. Außer den deutschen Büchern auch englische, hebräische, jiddische u. Deutsch-Judaica in reicher Auswahl. Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr nur S 3«— Keine BandgebUhr sierten jüdischen Jugend -besondere Aufmerksamkeit zuwenden wird. Der Verband gibt eine Wochenschrift) „Der Wecker" heraus, ferner sozialistische und all-; gemeine Literatur in jiddischer Sprache. Der Verband besitzt in 12 Staaten 38 Organisationen. E m e I Ludwig ist zum Judentum zurückgekehrt. Emil Ludwig, der Verfasser der berühmten Biographien Bismarcks und Wilh'elm II., ist, wie erst jetztj bekannt wird, zum Judentum zurückgekehrt. In seiner" Kindheit wurde er mit seiner Familie getauft. Später vollkommen irreligiös, wurde er sich in der Zeit nach' der Revolution seiner Zugehörigkeit zum Judentum .bewußt: zum formellen Rücktritt entschloß er sich nach1 dem Rath'enaumord. Taufseuche in Ungarn. Die Taufseuche in Ungarn hat riesigen Umfang angenommen. Eine Umfrage des Rabbinats hat ergeben, daß die vielen Austritte nur ein Motiv haben: die Unmöglichkeit als Jude beim Staate oder in Privatunternehmungeu unterzukommen. J udische Radiostund en in Newyork. Die Berücksichtigung der jüdischen Hörer durch das Radio in Newyork ist kulturpolitisch' von großer Bedeutung. Die Mitglieder aller bedeutenderen jü dischen Theater beteiligen sich1 an der Sendung. Henriette Szold 70jährig. Das Mitglied der zionistischen Exekutive, Frau Henriette Szold, feierte am 21. d. M. ihren 70. Geburtstag. Frau Szold hat sich1 durch1 ihre Schöpfung; der Hadassah1, die das Budget fast des ganzen Gesundheitsdienstes in Palästina bestreitet, um den , Aufbau Palästinas so hohes Verdienst erworben, daß sich! alle Zionisten ohne Unterschied des politischen Be-I . kenritnisses im Wunsche vereinigen, es möge der edlen! Jubilarin vergönnt sein, ihre Tätigkeit noch1 viele, viele! Jahre fortzusetzen. Erzie h'u ngsko nf ere nz. In Warschau fand vor kurzem eine Konferenz der Vertreter des Rates für physische Erziehung der Juden,' mit Vertretern des jüdischen Schulwesens statt. Es> wurde eine Aktion zur Verbesserung des Zustandest der unzulänglichen Vorbedingungen für Leibesübungen an den jüdischen Schulen beschlossen. I n t er n a t i o n a 1 e j ü d i s c h1 e K u n s t a u s s t e 1 - I u ng i n P rag. Der Landesverband jüdischer Frauen in Bönnien i veranstaltet anfangs Februar eine Ausstellung erster' jüdischer Künstler des 19. und 20. Jahrhunderls. Chaim S h i t l o v s k y i n B e r 1 i n. Der Vorkämpfer der jiddischen Sprachbewegiing und berühmte jüdische Schriftsteller Chaim Shitlovsky (New York) weilt gegenwärtig iif Berlin, wo er im Rahmen einer Veranstaltung der Freunde des jüd wiss. Instituts einen Vortrag über Gegenwartsprobleme des jüdischen Lebens hält. Zeitschriftenschau. Im »Weltwirtschaftlichen Archiv« (Juli) veröffentlicht Jakob Leszinsky einen Aufsatz über die Umsiedlung und Umschichtung des jüdiscnhen Volkes im letzten Jahr hundert, der von grundlegender Bedeutung ist. Wir brin gen das Ergebnis seiner Untersuchung: »Aus einem kleinen, drei Millionen Seelen zählenden Volk, das in unzähligen Dörfern und Städtchen verstreut war, winzige, unscheinbare Inselgruppen bildete und in seiner großen Mehrheit in den wirtschaftlich, kulturell und.-^olitisch tiefstehendsten Gegenden der Welt (SüdosteürQjlfl'ilKleinasien und Nordafrika) zusammengedrängt wtarj'i entwickelten sich die Juden in einem Zeitraum von nur 100 Jahren zu einem 15-Millionen-Volk, entstand das Weltjudentum. Nie vordem war das jüdische Volk so menschenreich: 15 Millionen. Nie vordem so verbreitet in der ganzen Welt: in über 60 Stataen! Nie so konzentriert: fast ein Drittel des jüdischen Volkes lebt in 15 Städten der Kulturwelt. Das Judentum ist in dieser Zeit anderthalbmal so .stark angewachsen als die europäische Bevölkerung. Leszinsky.führt diese immense Vermehrung nicht auf erhöhte Geburtenhäufigkeit sondern die stark verringerte Sterblichkeit. In derselben Zeitschrift veröffentlicht Kurt Grunwald einen aufschlußreichen Aufsatz 'llber.-Transjordahien als Wirtschaftsgebiet. Wir erfahren, daß1 die politische Entwicklung-des Landes, in der Nachkriegszeit'im Vertrag vorrt 20. Februar 1928 ihren Abschluß gefunden hat, der zwar nominell eine unabhängige Regierung anerkennt, tatsächlich jedoch das Land gänzlich in die Hände Englands gibt. Sieben Menschen auf den Quadratkilometer größtenteils fruchtbaren Landes, das ist das Charakteristikum Transjordaniens. Die größte Stadt ist Kenek mit 21.000 Einwohnern. Die Mehrzahl der Bevölkerung lebt .von der Landwirtschaft, im ganzen Land findet man Bestände von: Baumkulturen. Trotz vereinzelter Vorkommen von Kupfer, Kohle und Phosphaten ist Transjordanien nicht reich an Mineralien. Das Land, von dem einst berühmte Han* delsstraßen ausgingen, spielt heute kaum eine Rolle im Handel. Als Kreuzungspunkt wichtiger Weltverkehrs; Straßen dürfte Transjordanien allem Anschein nach seine! frühere Bedeutung zurückgewinnen. Bis heute ist in Transjordanien keine eigentliche Industrie vorhanden Im Novemberheft der ausgezeichneten Zeitschrift »Paneuropa« finden wir einen Aufsatz »Deutschtum und; Judentum« von Coudenhove Kalergi, dem Initiator der Paneuropabewegung. C. stellt fest, daß heute nicht mehr; Rußland sondern Deutschland das Weltzentrum des Anti semitismus-ist. Die antisemistische Theorie, daß das Ju dentum nur Talente und keine Genies hervorbringt, erledigt er mit dem Hinweis auf Einstein und Freud. Dem Argument, daß das Judentum materialistisch ist, begegnet! er mit der These, daß »in jedem modernen Juden Ströme) von Märtyrerblut — von Ahnen, die sich lieber verbren4 nen ließen als von ihrem Gott, ihrem Ideal, abzufallen fließt«. Den Deutschen, die heute unter der Kriegsschuldlüge leiden und ihr Mütchen an den Juden kühlen, ruft er zu: »Wer Gerechtigkeit fordert, sollte damit beginnen, sie zu üben». Der Chronik der Handelsverträge des »weltw. Archivs» (Oktober) entnehmen wir die, Bestimmungen des zwischen Palästina und Aegypten bestehenden vorläufigen Handelsabkommens: es wurde die gegenseitige Meistbegünstigung bezüglich der Ein-, Aus- und Durchfuhr der beiderseitigen Boden- und Gewerbeerzeugnisse, Anwtendung des ägyptischen Differentialtarifs und gewisse Ausnahmen von der Meistbegünstigung vereinbart. Misch mar haovdim. Am 7. und 8. Dezember 1929 hatte dieser neugegründete Jugendbund, der durch Vereinigung zweier kleinerer Bunde entstand, seinen ersten Bundestag. Bei der Eröffnung wurden die eingelangten Glück Wunschtelegramme und Begrüßungsschreiben vorgelesen. Chaw'er Hugo Steiner begrüßte im Namen des Hechaluz, Hans Winterberg v/iär für die JSAJ. erschienen. Beide.Redner; hoben es lobend hervor, daß hier zwei Bünde den Weg zueinander gefunden haben. Man sähe sonst nur Tei lung der Bünde, also Zersplitterung der Kraft. Dr. Leo GoTdhammer begrüßte im Namen des zionistischen Landeskommitees und des Keren Kajerneth. Er schilderte die •Ereignisse ien Palästina und hob, im Gegensatz zur-revisionistischen Politik, die Richtigkeit der Politik der Arbeiterschaft Palästinas hervor. Nur durch Aufklärung der arabischen arbeitenden Klasse kann man die Araberfrage lösen. In der Gewerkschaft muß der Araber erkennen lernen, daß der Jude nicht gegen ihn;steht, sondern beide zusammen für eine Besserung des Lebensstandards kämpfen. Am nächsten Tage war der Bundestag intern. Neben anderen Beschlüssen, die hauptsächlich den organisatorischen Aufbau des Bundes betreffen, wurde der neue Name »Mischmar haowdim« angenommen. An den Bundestag schloß sich die; Begrüßung der fünf, eben von Hachacharch zurückgekehrten Genossen, die bald nach Erez-Israel fahren werden, an. Genossen und Genossinnen der Poale Zion! Stärket, ie Reihen der poale-zionistischen Jugendbewegung, indem ihr eure Kinder zu uns sendet. Adressen unserer Heime: Wien, IL, Blumauergasse 1, IL, Tempelgasse und IL, IungstraßeV Borochowfeiern. Wie allährlich feierte auch heuer unsere Organisa* tion am Todestag Borochovs das Andenken des Führers. Die Gedenkrede des Genossen Singer war von künstle^ rischen Darbietungen umrahmt. 2üm ersten Male feierte die nicht-poalc-zionistische aber linksgerichtete jüdische Jugend Wiens, das Kartell zionistisch-sozialistischer Jugendgruppen. Bei dieser, im Hotel »Post« Stattgefundeneri, glänzend besuchten Feier, sprach außer Gen. Singer auch ein Vertreter der Jügend- Chaver Fertinger von Haschomer; seine Rede ist dafür symptomatisch, daß die jtidisöhe Jugend Wiens reif ist, Borochovs Lehre aufzunehmen. Die Poale-Zion-Gruppe Brigittenau veranstaltete Mittwoch den 11. Dezember 1929 in den jüdischen Künstlerspielen eine Theatervorstellung. Gespielt wurde »Das Pensionätsmädel«. Das Publikum war von dem guten Spiel des gesamten Ensembles sehr begeistert. Die Gruppe hatte einen schönen finanziellen Erfolg zu verzeichnen Das Geld fließt dem Fonds zur Errichtung eines jüdischen Arbeiterheimes in der Brigittenau zu; Im Anschluß daran gibt auch die Gruppe an die Poale-Zion-Genossen Bair steine aus und hoffen wir, den langgehegten Wunsch, ein jüdisches Arbeiterheim in der Brigittenau errichten können, möglichst bald zu realisieren. Mosche H, Landeskonferenz der Poale-Zion in Deutschland. Am 4. und 5. Jänner 1930 findet in Berlin die Landeskonferenz unserer Brüderpartei in Deutschland statt. Von ausländischen Genossen beteiligen sich an der Konferenz die Genossen Berl Katzenelsohn (Lage,in Palästina), Ing Reis (die Lage im Weltverband),Vpeii. Öskar Cohn spricht über Gemeindearbeit. Die Eröffnungsansprache hält Eduard Bernstein. ( Vorzügliche Infoiumtioaiiquelle. . Erscheint einmal wöchentlich illustriert. Kapay-Mitteilungsblatt (jiddische Ausgabe) Die Zentrale des Palästina-Arbeiterfonds in Tel-Aviv, Palästina, bringt die neuesten Naohriohten aus der palästinensischen Arbeiterbewegung. Vorzügliches •Nachschlaginaterial. Abonneinentgebühr für 1/2 Jahr 11/3 Dollar, für 1 Jahr - 2i/3 Dollar. Anmeldungen nimmt entgegen: Verein der Freunde des, ai'b. Palästina, Wien, IL, Taborstraße Nr. 1 Genossen! Verlanget in den Kaffeehäusern und Restaurants den ^Jüdischen Arbeiter". Ortsgruppe XX am 8. Jänner 1. J. Referent M. Singer. Die Vorfälle in Palästina uri'd, die jüdische Arbeiterschaft. XX., Gauflplatz, Cafe Jägerhöf. L, Wipplingerslri Gegenwärtiger Einlagenstand 423 Millionen Schilling Die Gern ei n d e Wi e n haftet mit ihrem gesamten Vermögen für alle Einlagen in der Zen- - - - - tralsparkasse Lebens versicher ungs*» Gesellschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Prämien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1928: 8 97,500,000'— , Auszahlung an die Versicherten Im jäh e 1023: 8 2ö;500.000— TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien/ Spanien, Sechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavlen, Bulgarien, Griechenland.Türkel, Aegypten, Palästina, Pensions-Versicherung mit Rentenansammlung '! (Rentenbezug beim 55«, 60, oder 65. Lebensjahr oder bei früherer BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unveifallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherüngs^Akt ien* Gesellschaft. früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe, Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 Eigentümer, Verleger, .Herausgeber u. verantwortl. Bedalrteur: Markua Lochs, Angestellter, Wien, IL, Gr, SjwrlfftSW 19. — Druck: „Adria", Wien, IL, Taborstraße 52b. IIS

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