Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- Heft 12 (22.11.1929)
- Date
- 1929-11-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sätet Der jüdische Artfcifer An unsere Leser! Die Reorganisierung unserer Zeitung wurde in Angriff genommen und ist ihr pünktliches Erscheinen an jedem zweiten Freitag sichergestellt. Mit der Leitung der Administration ist Genosse Samu Halpern betraut. Die Administration. ' ■tfttacBta^^msm^ Zeitschriftenschau. Im laufenden Jahrgang der bekannten sozialwissenschaftlichen Zeitschrift „Schmo 11 ers Jahrbücher" (Heft 3) finden wir einen überaus interessanten Aufsatz R. E. M a y s über „Mischehe u n d E h esc h e i d u n g e n " auf Grund der Harn burger Bevölkerungsstatistik. Wir entnehmen dieser Arbeit folgende Daten: Es waren in Hamburg im Jahre 1910 11.1.1 Prozent aller verheirateten jüdischen Männer und 7.93 Prozent aller jüdischen Frauen mit Nichtjüdinnen verheiratet, im Jahre 1925 betrugen die entsprechenden' Prozentuale 13.66 und 9.53 Prozent. Was nun' die Ehescheidungen anbelangt, so können' wir auf Grund' der Arbeit vor allem die Zahl der Ehescheidungen in' den reinjüdischen Ehen mit solchen in nichtjüdischen vergleichen: auf 1000 Ehen fielen 'durchschnittlich' in den Jahren 1924—1926 bei remkatholischen Ehen 7.2, bei reinprotestantisch'en Ehen 9.3 un'd bei reinjüdischen Ehen 3.6 Scheidungen. May untersucht auch die Frage der Ehescheidungen bei Mischehen, — ein Gesichtspunkt, 'der nicht so neu ist wie 'der Verfasser zu glauben scheint, Teilhaber hat ihn für 'die jüdische Bevölkerung Sachsens bereits vor Jahren angewendet — und stellt fest, daß von' 1000 Mischehen, in welchen der Mann evangelisch war, die Frau Jüdin, 14.3 Scheidungen vorkamen, im umgekehrten Falle bloßi 9.3. Zusammenfassend kann man für Hamburg feststellen, 'daß die Zahl der Mischehen größer wird, die Zahl der Ehescheidungen bei jüdischen Ehen die niedrigste ist, und daß es schließlich bei Mischehen in einer größeren Zahl von: Fällen zur Scheidung kommt, als bei rein jüdischen Ehen. Wie weit diese Ergebnisse verallgemeinert werden dürfen, bleibe dahingestellt. In der „internationalen Zeitschrift f ü r In'divi d ual psych ologi e" (Sept.-Okt.) berichtet Martha Hölub von den Erfolgen der individualpsychologischen Bewegung in Palästina: „Durch Vorträge von Fachleuten sind Lehrerund Sozialbeamtinnen mit individualpsychologischen Anschauungen vertraut worden, in Jerusalem wurde eine individualpsychologische Erzlehungsberatungsstelle gegründet. Vom Oktober 'dieses Jahres ab sollen außer den Besprechungen mit 'der Lehrerschaft den Schulschwestern und den Für sorgerinnen regelmäßige Elternabeln'de in dem neu errichteten Jugendamte in Jerusalem stattfinden. der Totalität der Ursachen der jüdischen Wanderungen im 15. und 16. Jahrhundert die Tatsache hervorhebt, ,tfali aus finanziellen Motiven nicht selten auch die Atiwanderung von Juden durch Privilegien begünstigt wurde" (S. 48), wenn er, — mit einer deut liehen Spitze gegen Sombart, der den prägnanten Fal der Verbindung von „Abstammung und Beruf", bei den Juden ihren Anteil am Handel, insbesondere am Geldhandel rassen theoretisch erklärt — die jü dische Berufsgliederung historisch erklärt und au: den Umstand, ,;daß dem Handel in der christlichen und feudalen Auffassung lange ein Makel anhaftete und daher dem Fremdvolk überlassen blieb zurück führt (S. 52) und schließlich, wenn er auf die ge schichtlichen Wirkungen der jüdischen Wanderungen zurückkommend meint, daß diese „zur Aussaat von Keimen der Aufklärung und der Weltverbesserung.' manches beigetragen havberr. In der „Neuen Rundschau" (Oktober)" ver öffentlicht Saenger eine Betrachtung zu den Ereig nissen in Palästina. Trotz aller Vorbehalte kommt S zu folgender Formulierung: „Was immer aus dem zionistischen Siedlungswerk in Palästina wird: die Tat sache, daß geistige, empfindsame Menschen mit dialektisiertem Gehirn, die Jahrtausende vom Acker ferngehalten worden waren, sich als die intelligenten und liebevollsten Obst-" und Viehzüchter erwiesen' haben als Straßenbauer, Meister im handwerklichen Tun alle Art, und schon; die Erfahrung ist kostbar und geeignet das jüdische Selbstbewußtsein zu steigern." Darüber hinaus ist Saengers Artikel vom Standpunkt der zionistischen Geschichte durch die Mitteilung eines bisher unbekannten Geheimdokumentes der Vertrauens leute Wilsons während des Friedenskongresses über die Auswirkung der Belfour-Deklaration aur die ara bische Welt interessant. Die „Internationale Gewerkschaftsbe wegung" (Heft 4) veröffentlicht eine Gewerkschaftsstatjstik, aus der hervorgeht, daß die Mitgliederzahl der palästinensischen freien' Gewerkschaften im Jahre 1928 21.873 beung, die Zahl der angeschlossenen Verbände 35. Die Mitgliederzahl hat sich um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr verringert. Es ist interessant, daß PalästinaVon allen Ländern den größten Prozentsatz gewerkschaftlich organisierter Frauen besitzt. (Zweck der Besprechui Dem Aügustheft der „Inter nationalen Rundschau d^r Arbeit" entnehmen wir, daß von den 438 Kreditgenossenschaften in Litauen 101 städtische Kreditgenossenschaften der jüdischen Bevölkerung sind. * Aus Anlaß der furchtbaren Ereignisse in "Palästina veröffentlichen die sozialistischen Monat shef te einen Artikel Julius Kaliskis, betitelt „Palästina und der Sozialismus"! Sich gegen Ernst Reinhard, der in der „Chemnitzer Volksstimme" „aus dem Ziel und der Praxis Englands das Recht der Araber herleitet,,, dem jüdischen Volk das Recht auf palästinensischen Boden zu nehmen" wendend, kommt Kaliski zu folgenden Formulierungen:. „Vielleicht erinnern sich die Gegner der britischen Palästinapolitik, daß mit dem Einzug der Araber in Palästina das Land im wirklichsten Sinne des Wortes,, unter ihren Füßen verdorrte und dies bis zu den Tagen der Rückkehr der) jüdischen Massen. Unter den Händen der jüdischen Bauern und Arbeiter erschloß sich der palästinensische Boden von neuem. Darf man sich der Tatsache verschließen, daß das Leben Palästinas zu sichern von den Arabern einige Jahrhunderte hindurch unterlassen worden ist? Und daß ebenso gewiß die Wiederbelebung Palästinas das Werk der Juden war und bleibt... Die Tatsache, daß die Juden, die aus ihrer Gefühlsverbundenheit: mit diesem Lande es aufs neue zu kolonisieren versuchen, nun wirklich zu Erweckern und Trägern des Lebens auf palästinensischen Boden geworden sind, macht es dem Sozialisten als dem Vertreter der Schaffensidee zur Pflicht, für die Fortsetzung dieser Neuerschließung einzutrete n . . ." In einem in den „Kölln er Vierteljahrheften für Soziologie" (Oktober) veröffentlichten Aufsatz „Die Wanderungen" (ihre Typen und ihre geschichtliche Bedeutung) verifiziert Friedrich Hertz, ein hervorragender Wiener Gelehrter, seine Thesen auch an der Geschichte der j ü d is c h e n Wanderungen. In dreifacher Hinsicht sind seine diesbezüglichen Ausführungen interessant, wenn er aus Buchanzeigen. folgenden Notizen' ist, nichtt kritische der angeführten Bücher; es soll der Leser nur auf Neuerscheinungen aufmerksam gemacht werden, die jüdisches Bildungsgut enthalten.) Emile Vandervelde: Le Pays D'Israel. Un Marxiste en Palestine. Paris, 1929. Emile Vandervelde, der Führer der sozialistischen Internationale, hat uns dieses Buch als Frucht seiner Palästina-Reise geschenkt. In lebendigster Darstellung schildert er seine Reise durch das Land, das Osterfest in Jerusalem, das aufblühende Leben im Emek mit seinen schwierigen technischen und sozialen Problemen, Tel-Aviv, die zionistischen Institutionen, und schließlich Landschaft und Leute in Syrien. Der zweite Abschnitt ist ein liebevolles Bemühen nach der zionistischen Wirklichkeit, dem zionistischen Ideal gerecht zu werden: die Wiedergeburt der hebräischen Sprache, die Rückkehr zur Erde, der Einfluß des Kapitalismus im Lande, Arbeiterbewegung und Sozialismus im Zionismus, die Funktion der palästinensischen Regierung, alle diese Ziele und Bedingungen des Zionismus werden von Vandervelde in den Bereich seiner Betrachtungen gezogen. Doch ist auch damit der Inhalt des Werkes nicht erschöpft: Frau Dr. Vandervelde fügt den Kapiteln ihres Mannes eine Darstellung der Fürsorgeinstitutionen im Lande bei und in einem Anhang ist Belehrendes, Statistisches und Resolution» material enthalten. Wir können den Genossen das Buch Vunderveldes, das demnächst auch deutsch erscheinen wird, nur sehr empfehlen: sie werden daraus Mut und Wissen schöpfen. Albert L e w k o w i t z: Das Judentum und die.geistigen Strömungen der Neuzeit. I. Die Renaissance. Es handelt sich bei diesem Buche nicht umveines der jetzt so modernen „geschichtsphilosophisch'en" Werke, die da im Wege freier Spekulation den „Geist" eines Zeitalters ko n s t r u i e r e n und mit ihm wie mit einer Realität operieren: durch streng wissenschaftliche, quellenmäßige Analyse der Werke der Philosophen des 15. und 16. Jahrhunderts wird der Einfluß des Judentums auf die Religionsphilosophie dieser Zeit aufgezeigt. Um das Ergebnis der Untersuchung Lewitzkys an Philosophemen zu zeigen, deren Schöpfer auch dem: Nichtfachmanrt aus der Geistesgesch'ich'te bekannt sind: Reuchlin, der große Zeitgenosse Luthers ist Kabalist, im Werke Nikolaus von Cusa weicht die pessimistisch-dogmatische Betrachtung der Natur einer jüdisch-biblischen Anschauung, für die Konzeption des Märtyrers üiordano Bruno sind die Begriffe Gabirols bedeutungsvoll, und Bodin, dem politisch-interessierten als erster Souveränitätsth'eioretik'er bekannt, schafft — ein Vorläufer Lessin'gs in' dieser Hinsicht .-— in seinem Werke Heptaplomeres die Zentralgesfalt des Juden Salomon, der ein markanter Vertreter des jüdischen Monotheismus ist." Philosophisch interessierten Genossen sei das Buch empfohlen. J. M. I s l e r: Rückkehrder Juden1 zur Lairdw fr tschaft. Frankfurt, 1929. Die landwirtschaftliche Kolonisation der Juden in Palästina und Sowjetrußland .absorbiert in so hohem Maße die Aufmerksamkeit des jüdischen Sozialpolitikers, daß dieser den beiden Ländern fast das Monopol auf diesen für die Produktivierung des jüdischen Lebens so wichtigen Prozeß zusprechen würde. Um so dankbarer muß man dem Verfasser sein, daß er uns all die übrigen Länder üalizien, Bukowina, Karpatorußland, Anatolien, Cypern, U. S. A., Kanada, Argentinien und Brasilien — ins Bewußtsein ruft, in welchen die Juden auch in die Landwirtschaft eingedrungen sind. Geschichte, Umfang, Probleme dieses Prozesses werden hier so eindringlich behandelt, daß jeder, der sich für die überaus wichtige Materie interessiert, zu dem Buche greifen möge! 3tt^rc t>in* xoittbt mit 3<tbtfc f>tn* Gas für 350.000 Jahre. iDtc fld6tifd)cn, (öaewcifc haben in btn legten 3ab* ren eine raptbc j£»tTmc!lutt£| genommen'. Hoch im 3abte 19 j 3 betrug bie <$>a&tv$m$\mQ bei* Wimm (ßaswtth 19j Millionen Äubifrmtcr, fic fHcg im 3a!;rc |<)27 auf 293 tttüUonen Ättbtfmtter unb erreichte im 3rtbre 192s ntd)t XDcniger als 3J3 Millionen Äubifmetet*. IDiefc un* gebeure Wimgt xoüvbt genügen, um einen Älcinbaus* halt für -Eocb* unb 25Ü0el3tK>ctfe joo.öoö ourd) 311 »erfordert. €\n fy&ti0\d)tbtmmt biefer Menge md)t weniger als söo.ööo burd) brennen. 3n ebenfo gewaltigem 'tfuemaße gebt bie Beugung t>on tTcbcnprobuftcn burd): bie ß&fetffcfym (ßtäxotvtt vov [ich. 5m 3abrc 192$ erzeugten btc (ßa&xotvh 5*6.700 Tonnen Bote, £7.700 Tonnen £eer, 5600 Tonnen Ben* jolEoblenwaffetftoffe unb fd)tte$Kd> jooo Tonnen Km* montat. Hatüdicb ijl mit biefer geroaltiglen £fifhmg& fäbigfrit ber jläbtifd>m (öaewrte aueb bie 2fabl &er (Öaeabnebmet in XVkn gediegen. VPäbrmb im 3<*h«?9J3 in VDien noch 2||.$J5 (glasabnebmer waren, $td)U teir bie ftabtifeben Ö5a&wet?e am sj. (DUobtv biefes 3abr'e8 4H^bS (Saetonfumenten. (igntgeltlicb.) III riiiliiirliiHllllii: iilllllh L e b e n s v e r s i c h er ungs. *o Gesellschaft Zentrale: Wien» l, Riemergasse Nr. 2 Versicherungsbestand Ende Juni 1929: 8 2,000,000.000*- . Garantiemittel Ende 1928: ö 242,000.000'- Präralen- und Zinseneinnahrcen Im Jahre 1928: s 97,500.000— Auszihlung an die Versicherten im Juh e 1924: S 26.500.000*— TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Detrteches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien« cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bulgarien, Griechenland.Türkel, Aegypten, Palastina. Pensions« Versicherung m^ Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früheter BERUFS-UNFAHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unverfallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs^ Ak: ien « Gesellschaft früher PENSIONS-'VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 j lilllKW!^^ im Vorzügliohie Iaformatioasquelle. Ersoheint einmal wöchentlich illustriert. Kapay-Mittei 1 un gsbl att (jiddische Ausgabe) Die Zentrale des Palästina-Axbeiterfonda in Tel-Aviv,- Palästina,- bringt die neuesten Nachrichten aus der palästinensischen Arbeiterbewegung. Vorzügliches Naohschlagmaterial. Abonnementgebühr für i/a Jahr IVa Dollar, für 1 Jahir 2V2 Dollar. Anmeldungen nimmt entgegen: Verein der Freunde des axb. Palästina, Wien, IL, Taborstraße Nr. 1 Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. veraatwortl, Redakteur: Markus Laohs, Angestellter, Wien, II., G-r. Sperlgaßse 19. — Druck: „Adria", Wien, II., Taborstraße 62b.