Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- Heft 11 (8.11.1929)
- Date
- 1929-11-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2641551-2641584-2641595--253-2642190- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
*5^4tft *c Der jüdisch« Arbeiter Standort ihrer Kulturarbeit in Kurse, Arbeitsgemeinschaften verschiedenster Art verlegt und vergessen, daß, wie Kultur zwar als Ausdruck eines sozialen Ganzen ge d e u t e t werden kann, ihrem Wesen nach aber Schöpfung einzelner begnadeter Menschen ist, auch die-Aneignung der Kulturgüter ein Akt der individuellen Vertiefung in diese ist. Kann jemand ernstlich behaupten, daß die Schule auf die Gestaltung seines Weltbildes einen mehr als äußerlichen Einfluß gehabt hat, und leugnen, daß er den Prometheus von Goethe, die Gestalt des Marquis Posa und den dichterischen Ausdruck der Unbedingtheit in den drei Grenadieren nicht in den Literaturstunden der Schule und des Volksheims, vielmehr einzig und allein bei der Lektüre innerhalb der vier Wände seines privaten Lebens lieben gelernt hat? Und glaubt man, daß der Weg zu Heine, Schiller und Goethe, ein anderer ist als der zu Perez, Mendele und Bremer? Darum, Genossen, weniger Kurse, weniger Arbeitsgemeinschaften', aber auch weniger Sitzungen, Versammlungen, Demonstrationen, so wichtig dies altes ist: die jüdisch-sozialistische Kulturarb e i t i s t e i n Problem der Z e i t ö k o n o m i k. Die jüdisch-sozialistische Jugend hat wenig Zeit: sie muß sich vor allem ihrem Berufsleben, ihrer Berufsausbildung oder Fortbildung widmen, sie will an dem allgemeine Kulturleben teilnehmen, sie will Sport und Körperkultur treiben, sie will vor allem ihre allgemein sozialistische Bildung vervollkommnen, um sich zu tüchtigen Klassenkampfern auszubilden, und nun kommen wir an sie mit der Forderung heran: Bauet die jüdische Kulturarbeit in euer persönliches Privatleben ein, eine h a. 1 b e S t u n d e, G e n o s s e n, t ä g- I i c h d e m j ü d i s c h e n B u c h e! Diese Forderung wird den einen wenig bedeuten: sie irren, denn groß sein in kleinen Dingen ist noch Gustav Landauer schönem Wort schwerer als Heldentluun auf Barrikaden. Den andern zu viel und diesen müssen wir, Genossen, nahe legen, daß ihr Verbleiben in der jüdisch-sozialistischen Arbeiterjugend sinnlos ist. Nur individuelle jüdische Kulturarbeit kann uns jene Verbundenheit mit dem Judentum bringen, die über die Jugendzeit hinausgeht: und das ist die vornehmste Aufgabe der jüdischen Arbeiterjugend, daß sie Menschen heranzieht, die zeitlebens mit unserer Bewegung, mit der Idee der Erneuerung des Judentums im Sinne der Prinzipien des internationalen Sozialismus verbunden bleiben. Der enge Kontakt, der anläßlich des Jugendtreffens zwischen der jüdischen Arbeiterjugend der jüdischen Arbeiterjugend der Diaspora und Palästinas entstanden ist, vor allem aber die Bedrohung des Jischuws haben in der jüdisch-sozialistischen Arbeiterjugend! den Willen zur Chaluziut außerordentlich gestärkt: sie ist des H i n t e r 1 ä n d s z 1 o n i s m u s mude-geworden. Es scheine uns als Blasphemie, hier den Chaiuzim in gewohnter zionistisch-journalistischer Weise ein Loblied zu singen: gegenüber der Tatsache, daß die furchtbaren Ereignisse im Lande, die in manchem von uns — und, Freunde, es muß nicht der Schlechteste sein — den Gedanken erweckten, daß wir vielleicht auf verlorenem Posten stehen .V. in der Jugend den Willen zum Zionismus verstärkt haben, gegenüber dieser Tatsache gibt es für uns nur ehrfurchtvolles Schweigen. Was uns aber hier als Pflicht erscheint, ist, davor zu warnen, daß innerhalb' der Jugend eine öffentliche Meinung gebildet wird, die den ,,Nichtchaluz" als einen geringwertigen Genossen qualifiziert. Wenn die Chaluziut im. letzten Grunde vom Ziele der Erhaltung des Judentums ihren Sinn empfängt, so muß auf Grund der Erfahrungen der 10jährigen Geschichte der Chaluzbewegung festgestellt werden, daß die Forderung, die jüdische Jugend müsse in Unbedingtheil: der Chaluziut entsprechen, den Abfall vieler jüdischer Menschen von der jüdischen Bewegung, ja vom Judentum selbst, bewirkt hat. Zwar sind zur Chaluziut alle Zionisten berufen, aber wenige nur können den Anforderungen, die sie an die physische und moralische Kraft des einzelnen stellt, entsprechen. Die Gefahr, die durch die absolute Einstellung der jüdisch-sozialistischen Jugendbewegung auf die Chaluziut, heraufbeschworen wird, besteht nun darin, daß zur Chaluziut ungeeignete Menschen sich dem Hechaluz anschließen. Diese müssen scheitern, schon hier bei der Hachscharah, oder im Lande. Auf die Schwierigkeiten, die sich für das persönliche Leben dieser Menschen aus diesem Mißglücken ihres Lebensweges ergeben, für ihre Eingliederung in das Wirtschaftsleben vor allem soll hier nicht eingegangen werden: nur von seinem Einfluß auf ihr Verhältnis der zur jüdischen Bewegung, für den gescheiterten Chaluz. ist das Judentum nunmehr ein Leb'ensbereich, in dem er versagt hat, und all seine negativen Erlebnisse, die mit seiner Umkehr zum bürgerlichen Leben verbunden sind, rechnet er der jüdischen Bewegung zu. Nichts haßt der in seinem 'Selbstbewußtsein erschütterte Mensch so intensiv als den Anlaß seines Versagens: das, Genossen, erklärt es uns, daß viele gescheiterte Chaiuzim nicht etwa nur indifferent der jüdischen Bewegung gegenüber geworden sind, nein, ihre Feinde. Es ist kein Zufall, daß bei jener denkwürdigen Versammlung, in welcher Walter Preuß vor den Wiener Bildungsfunktionären über das arbeitende Palästina sprach, es ausgerechnet ein ehemaliger Chaluz war, der an ihn haßerfüllte Fragen stellte, ebenderselbe, der uns in der Arbeiter-Zeitung in den Stünden unseres Un glücks in den Rücken fiel! Der Boden, auf dem wir leben, ist viel zu schwan kend, die Existenz unseres Volkes viel zu wenig gesichert, als daß sich das jüdische Volk den Luxus leisten könnte, durch Verallgemeinerung von überdurchschnittlichen Forderungen an seine Jugend eine neue Ursache der nationalen Abfallbewegung entstehen zu lassen. Es muß im Gegenteil allen Teilen unserer Jugend klar gemacht werden, daß auch der Kampf um die Erhaltung des Judentums im Galut, das Schwimmen gegen den Strom der Assimilation an unsere Kraft und Hingabe große Anforderungen stellt, und daß sich niemand dessen schämen muß, dieser Front des Kampfes um die jüdische Renaissance eingegliedert zu sein. . . 1 \ , Verbandstag der J. S. A. J. Der 4. Verbändstag der J. S. A. J., der am 20. September stattfand, war von zwei großen Ereignissen beeinflußt. Hatte der Mitte Juli stattgefundene internationale Jugendtag uns den Genossen unseres Weltverbandes näher gebracht, fühlten wir deutlich die Verbundenheit der gesamten1 poalezionistischen und internationalen sozialistischen Jugendbewegung, so wühlten die tragischen Ereignisse in Erez Jisrael unsere Menschen in solchem Maße auf, daß sie sich bewußt werden mußten, daß neue Aufgaben und Taten dringend ihrer harrten. Jedoch nicht nur die äußeren Geschehnisse, sondern im fast, ebensolchen Maße gab die Situation der Wiener zionistischen Bewegung und die Lage in unserem Verbände selbst, genügenden Impuls, um sich aufzuraffen zu energischer und bewußter Aktivität im Sinne des proletarischen Zionismus. Im Verlaufe des vergangenen Jahres gelang es dem Verband, einen bedeutenden und entscheidenden Einfluß auf die jüdische Jugend Wiens zu gewinnen. Nicht nur, daß die *J. S. A. J. als stärkste jüdische Jugendgruppe eine rein zahlenmäßige Vormachtstellung innerhalb der zionistischen Jugend Wiens sich sichern konnte, gelang es ihr auch, die links orientierten Jugendbünde im „Kartell zionistisch-sozialistischer Jugendorganisationen" zu gemeinsamer Arbeit auf gemeinsamer Grundlage zu vereinen. Heute können wir feststellen, daß dies eine für die weitere zionistische Außenarbeilildes Verbandes hoch zu wertende Leistung war. Der erste und schönste Erfolg dieser Neugründung war die Erringung des ersten Arbeitermandates in Wien für den Zionistenkongreß. Es ist selbstverständlich, daß unser Verband im Rahmen der zion. Bewegung Oesterreichs nach Möglichkeit Aufklärungsarbeit und tätige Propaganda für den' Poalezionismus leistete. Ebenso hielten wir es für unsere Pflicht die Genossen in der österreichischen1 Arbeiterpartei über die historische Notwendigkeit des Bestandes einer jüdisch-soz. Arbeiterbewegung mit mehr oder weniger Erfolg zu informieren' und wo es möglich war, Sympathien und Unterstützung unserer Bewegung zu gewinnen. Es fiel uns dies um so leichter, als auch wir es für selbstverständlich' erachteten im täglichen Kampf gegen die Reaktion uns einzugliedern in die Reihen des österreichischen Proletariats. Als Beweis dieser Einstellung faßte der Verbändstag eine einstimmige Resolution, in' der unsere Mitglieder aufgefordert, werden, sich in diesen entscheidenden Tagen dem republikanischen Schutzbund zur Verfügung zu stellen. Die Außenarbeit, die im abgelaufenen Berichtsjahr den wesentlichsten Teil unserer Leistungen bildete, spiegelte sich naturgemäß auch in der Bildungstätigkeit unserer Organisation. Wir konnten über eine große Anzahl gut besuchter Veranstaltungen, Kurse, Meetings und Sportübungen berichten. Trotzdem sahen' wir uns genötigt, eine gründliche Reform der BiId un'gsarbeit durchzuführen. Das Hauptaugenmerk des Verbandes muß heute auf Arbeitsgemeinschaften gerichtet werden, um einerseits unsere Mitglieder gründlich zu schulen, andererseits den persönlichen' Kontakt intensiver zu gestalten. Als größtes Positivum des Verbändstages ist jedoch zu werten, daß im. Laufe der Beratungen' klar und eindeutig hervorging, der Wille unserer Genossen zur aktiven zionistischen Politik. Die Einstellung zur Chaluziuth hat in unserem Verbände sich' praktisch' bereits dahin ausgewirkt, daß eine verhältnismäßig große Anzahl unserer Mitglieder sich dem Hechaluz angeschlossen hat und einige schon1 heuer auf Hachscharah gehen. Nicht mehr ein bloßes Lippenbekenntnis ist unsere Einstellung zum Zionismus, die Konsequenz unseres jüdischen und sozialistischen Bewußtseins ist die Tat: Aktive Anteilnahme am Aufbau des sozialistischen Erez Jisrael. Zum Verbandstag hatten die Poale-Zion, S. A. A. )., tschechische Arbeiterjugend1, Chaluz und das Linkskartell Vertreter entsendet. Aus den Wahlen gingen ein 20gliedriger Ausschuß und eine aus 7 Personen bestehende Exekutive als Leitungsinstanzen hervor. Zum Obmann wurde Genosse Lustig wiedergewählt. Die Exekutive besteht weiter aus den Genossen: Reichmann, Jungermann, Friedmann, Schwager, Netta frostig, Malwine Weinig. Führertagung der „Jüd.-soz. Jugend" der C S. R. Ende September fand in Viskov bei Brünn' eine Führertagung der tschechischen j. S. J. statt, zu der alle Ortsgruppen ihre führenden' Funktionäre entsendet hatten. Die Organisation, die erst einige Monaten besteht, hat bereits in einigen Städten mit tatkräftiger Arbeit begonnen und wird, wenn sie erst die ersten Schritte hinter sich hat, sicher eine große und machtvolle Bewegung werden. Neben vielen technischen und organisatorischen Fragen, künftiger Arbeit und Agitation, wurde eingehend über die Möglichkeit einer Fusion mit dem Techeleth-Lawaw gesprochen. Der Techeleth-Lawan, der in letzter Zeit unserer Ideologie immer näher kam — die maßgebenden Führer sind in der Poale-Zion' organisiert — will und muß das Problem seiner älteren Menschen' lösen. Es ist ihm selbstverständlich, mit der J. S. J. zusammenzuarbeiten. Um die Frage der Vereinigung vorzubereiten, muß in den Bünden des T. L. noch die nötige Diskussion und Agitation vorangehen. Zu diesem Zweck wurde eine gemeinsame Kommission aus beiden Bünden eingesetzt, welche ihre Arbeit bis Weihnächten erledigen soll. Gen. Lustig aus Wien hielt auf der Führertagung ein Referat über „Künftige Arbeit" und hatte bei der an die Tagung anschließenden .gemeinsamen .Leitungssitzung' der J. S. J. und des Techeleth-Lawan in Brünn, wo im besonderen über dei Vereinigung gesprochen wurde, den Vorsitz inne. -. i im " «u! Neue Mnienififirung In StäOtifdien Hntota« £ t n i c 4. XX)cftbal;i?bof — matiabüfetftraße — Burg ™ üucbl<ml>m — Htoi*3inplrtt$ — ^oUanöfhra^e — Labors ftraße — tTotömjlibabnbof. £inte 5. Hortawftbabnbof — £aborfttaßc — VtovVb<tyn*. ftraße — JDresimerftraßc — fyüxoaQftvaßt — PafcttU fbc<t§€ — @tcomfixa#e — iX>org«rtcnfl:crt^c — Ward?* felfcjWaßo — igngeteplatj — Sforiös&orfct- 23rftc?c — Slorttafcorfcr ^auptflraßc — Slonösborf Tlsn @pi$. 3lnfcbJuJ(j<m fcfc Autobuslinie 4 nbrfcm(li?abnbof — XIDeftbabnbof. IDic 2lutobnffc vtthfyvcn an allen XVcrttagett. surftet' Xüagcn ab $toriötf&orf 7.J4 übr, Ictjtcr XPageh aber ftotfoDcfiba-hnbof j'9.57 Ul>r. Unit 6. ■ tfktftbof — (Btattjuaffc — W&bvüigtxftvaQt- — <5>errcngaffc [— tttid^clcrpla^ — &ärnttm*ffrajie — Mtarfläretenjlraßc — @iebmbruiincng!äffc — tITargaie« tertgurtel. Unit 7. §ttm3*3ofefeböl)ttt>of — porjellangaffe — Wipp* Üngcrftraße — ^>obct tftatrft — @tefan8piat$ — Kämt* nerfrraßeli—itfrgcntinierfrragc — Off« — S.ubböbnbof — Saooritcttfttaßc — tfmöltcnbab. Hinit $. ißltcclcinplatj — *#lfcrftta#c — Freyung — (graben — @tef<möplat$ — tDott$ci(c — ianfrftrager fyupU jlraßc — 0t. tltarjr. Äinic 9. Äricmbüöplatj — (ßäblenjgaffc — 25ürggaffe — IDeutfcbto 'Ttolfotbeater — 23urg — (2>rabm — Stefans* platj — ®d?t»ei>cnbcü(fc — Pratcrfhraßc — Pratcrs firevit. Tille Linien mit Ausnahme fcer Unit 5 an tOtth tagen »on 7.30—19.30 Ubr. IDer imtcrffcdt>tifd;c unt> 6er naebtoettebr bleiben tmt>ecäni>ert.;!ihiiii'!;;!hiiiiii;;;;iiiiiii^ Leb en s v ersieh er ungs* Gesellschaft Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Veriicherungabestand Ende Juni 1020: 8 a,OOO.OOO.OOO*- Garantiemittel Rnde 1928: 8 242,000.000'- PrXmlen- und Zinseneinnahmen im Jahre 1028: 8 97,300.000*— Auszahlung an die Versicherten im Jäh e 1923: 8 26,500.000*— TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bulgarien,Griechenland,Türkei, Aegypten, Palästina. Pensions-Versicherung N*IIK mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früherer BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unverfallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs* Aktien* Gesellschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. venuotvortl. Redakteur: Markus Lachs, Angestellter, Wien, IL, Gr. Sperlgasse 19. — Druck: „Adria", Wien, IL, Taborstraße 62b.