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Der Jüdische Arbeiter · 1929-09-20 · Heft 10 (20.9.1929) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
6 (1929)
Issue
Heft 10 (20.9.1929)
Date
1929-09-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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•«.vvvsjfp-..... ■ »■»«*». m Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Österreichs . * , •■ . i. -' -sf : Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration:' Wien, IL, Biürtauergaäse 1/111 Postscheckkonto Nf. 38.042 . . Ay. . Bezugspreis: b vierteHährig. S 1.20 halbjährig . .' „ 2.40 Einzelne Nummer; 20 Groschen •Nr, St Ii Wien, 20. September 1929. 6. Jahrgang, An den Gräbern unserer Helden und Opfer in Palästina, Abermals floß Blut im Palästina. Die Agenten 'der arabischen Feudalen und Aristokraten haben' in verbrecherischer Weise dem Fanatismus unaufgeklärter arabischer Massen aufgestachelt und die .blind wütenden Menschern — mit Mord- , und Brandwaffen ausgestattet — auf die jüdische Bevölkerung gehetzt. Blut floß im Strömen,, jüdisches Gut wurde geplündert und. zerstört. Mehr als 100 jüdische und1 90 arabische Leichen1. wurden bereits bestattet. Unter den hundertenjüdischer und arabischer Verwendeten ringen viele mit dem Tode. Talpioth, im der Nähe von Jerusalem, und noch andere. Siedlungen sollen zerstört worden1, sein. .:■■■>. Der furchtbare Schmerz iob des unnütz vergossenen kostbarem Menschenblutes, über die Zerstörung hoher Werte menschlichen, Schaffens und ob der .Vergiftung der -Seelen, hüben' wie drüben, drückt uns nieder. Es hieße aber, dem Tod unseren Helden entweihen, wenn wir jetzt Klagelieder an-; stimmen, sollten. Unsere heldenhaften! Brüder -sind für eine Idee gestorben [und ihr Vermächtnis lautet: Setzet das Werk fort! Führet die Idee zum' Siege! Deshalb keine Tränen, keine Klagelieder, keim Fasten lun'd Trauern', aber auch keine RaCheschWüre. Unsere Pflicht ist es vielmehr, zu erkennen1, [' wie dieser furchtbare Bluthäder veranstaltet wurde, was ge-r schehen 'muß',' um dem verursachtem Schäden' nach Möglichkeit gutzumachen " und die Wiederholung solcher Ereignisse zu verhindern'. Vom einer vollkommenem Beruhigung und Befriedung im Palästina konnte nur mit einer gewissen Einschränkung die Rede sein. Es trifft zweifellos zu, daß durch" die friedliche Aufbauarbeit ansehnliche Schichten der arabiscehm Bevölkerung für ein freundnachbarliches Verhältnis zu den Juden gewonnen wurden. Die Taten waren' auch hier das deutlichste!ii!md wirksamste Verständigungsmittel. Durch die zionistische Auf bau tätigkeit kommen1 bedeutende Geldmittel nach Palästina, es werden neue Arbeits- und Erwerbsmöglichkeiteni erschlossen'. Das sieht und spürt der'arbeitende Araber, Mit der Entwicklung des Jischuw wächst das Land, entfaltet sich auch1 natürlich die wirtschaftliche Macht und Bedeutung der arbeitendem arabischen Bevölkerung. Die wirtschaftliche Entfaltung des Landes ist auch1 im' Interesse aller arbeitenden Menschen Palästinas gelegen, sie stellt die wichtigste Gründlage für die Verständigung der Juden und Araber dar. Es soll auch nicht unerwähnt 'bleiben, daß ein Großteil' der arabischen Nachbarn der jüdischem Kolonien sich von jeder Beteiligung an diesem meuchlerischen Ueb'erfall ferngehalten hat. Es werden Fälle gemeldet, daßi arabische Arbeiter ihre jüdischem Kollegen1 gegen die arabischen Mörder in Schutz genommen und1 daß arabische Bauern die jüdischen Siedler geschützt haben'. Wer stört aber fortwährend1 die Beruhigung und Befriedung in Palästina? Die arabischen Großgrundbesitzer und Aristokraten, die in der Entwicklung Palästinas zu einem wirtschaftlich und kulturell fortschrittlichem Lande eine Gefährdung ihrer wirtschaftlichem. und politischen Interessen erblicken, schüren unter den unaufgeklärten Arabern den Haß gegen die Juden und verleiten die Araber zu Mord und Plünderung. .} Den Erfolg dieses Schürens fördern insbesondere drei Umstände: ' : 1 : i Erstens die kulturelle iund! politische: Rückständigkeit der Araber. Die Massen' des arabischem Volkes im Palästina sind zum großem Teile Analphabeten.; Sie-können nicht lesen und können sich keine Mei-; nun'g über die verschiedenen' Vorgänge bilden. Sie sind ein gefügiges Werkzeug in der Hand.der Efferidis und politischen Abenteuerer. Zweitens: Die englische Verwaltung verfolgt im allgemeinen auch im Palästina die Politik des: Teile und Herrsche! Sie ist also daran interessiert, daß die jüdisch - arabische Verständigung ^nicht zustande komme. Der englische Imperialismus glaubt noch, immer seine Positionen dadurch festigen zu können, daß er die beiden Völker gegeneinander ausspiele. Wenn man noch bedenkt, daß viele leitende Beamten der englischen Verwaltung vom Haß gegen die Juden und' den' Zionismus beseelt sind, wird es erklärlich erscheinen', daß die Atmosphäre im Palästina stets mit ,■ Explosivstoffen! gefüllt ist. Laut Beschluß unserer Organisationsleitung vom 20. September berufen wir hiemit für Samstag, den 12. Oktober 1929, um halb 8 Uhr abends, im Lokale des Arbeiterheims, II., Blumauergasse 1, unsere diesjährige General-Versammlung ein. Als Tagesordnung schlagen wir vor: 1. Bericht über die VIII. Weltkonferenz; 2. Allgemeiner Bericht und unsere nächste Tätigkeit; 3. Kassabericht; 4. Wählern und Allfälliges. Die Genossen' werden in Anbetracht der besonderen Wichtigkeit unserer diesjährigen Generalversammlung ersucht, pünktlich und zuverlässig zu erscheinen. Die Organisationsleitung. Zur Rückständigkeit der arabischen Massen und dem ^Verhalten der englischen Verwaltung, die das Schüren der arabischem Großgrundbesitzen und Aristokraten fördern, , gesellt sich als drittes das Säbelrasseln (in 'Worten!) unserer Faschisten, Revisionisten genannt. Abgesehen von jeder grundsätzlichen Einstellung in der Frage von Gewalt und Demokratie, ist es eine Torheit, die an Verbrechen grenzt, angesichts des Kräfteverhältnisses in Palästina und1 in der gesamten Welt, der Austragung aller Konflikte durch die Waffen das Wort zu reden. Eine Torheit, weil wir die reale Macht hiezu nicht besitzen'. Ein' Verbrechen', weil dieses Gerede Wasser auf die Mühle der Feudalem und Aristokraten! ist. Wir wollen nicht mißverstanden werden1. Gewiß k'anlri man nicht ethische Predigten) halten, wenn wilde und aufgehetzte Araber schießen, brandstiften und plündern'. Der jüdische Jischuw rrtuß für die Abwehr solcher Angriffe ausreichend gerüstet sein. Aber das hat mit der Parole der Erreichung; unserer Ziele in Palästina mit Hilfe vom Bajonetten1 nichts zu tun...... . ■ ■ Und drittens: Im gegenwärtigem Zeitpunkt wurde die -Situation! im' Palästina durch weitere Umstände' besonders verschärft. .i); Der Streit um die Klagemauer ist eine der gefahrvollsten Angelegenheiten.: Es ist selbstverständlich", daß sich der jüdische Jischuw das Recht auf seihe historischem und religiösen Stätten nicht nehmen lassen darf. Aber, da hier die Gefahr vorhanden ist, einen religiösen Kampf zu entfachen oder ihn als Vorwand zu benützen, ist äußerste Vorsicht am Platze. Genosse Ben-Gurier hat-"im seiner Rede im" Jüd. Nationalrat: im Oktober 1928 auf diese Gefahr, hingewiesen.' Er sagte u. a. : „In der Frage der Klagemauer müssen wir uns hüten, um nicht im das'Netz zu fallen, das uns die uns feindliche, britische Beamtenschaft stellt, die sich da bemüht, einen blutigen religiösen Kampf zu entfachen'... Die verantwortlichen Vertreter des Jischuw. müssen, vorsichtig sein, um die Angelegenheit der Klagemauer nicht zu einem : Streit zwischen uns und den Arabern werden zu lassen... Wir, die Arbeiterschaft, schrecken, wenh es sein muß; auch vor extremen; Verteidigüngsmitteln' nicht zurück und ihr wisset, daß wir in Tel-Cha] auch vor Menschenopfern micht zurückgeschreckt sind:- —-fBei*der. Verteidigung von Tel-Chaj-war. ein.^ großer Teil des bürgerlichen - Jischuw gegen Uns*; . ■ Sel bst ei n Man nwie Jabo tin sky waT gegen die VerteidigungvomTel-Chaj und forderte von uns, den Platz zu verlassen. Wir beschlossen, unsere Position zu verteidigen' und die jüdische Geschichte hat uns Recht gegeben.;. Aber im der Frage der Klagemauer stehen'wir vor keiner Eroberung und wir werden nicht erlauben, daß rriam uns zu einem Zusammenstoß führt... So sehr auch die Klagemaueramgelegemheit jeden von uns . berührt, kann ich ihr jedoch1 als Zionist nicht eine nationale Bedeutung beimessen. Die Unterbrechung der Einwanderung und der Kolonisation, die Einstellung der zionistischen Tätigkeit haben mich als Zionisten viel mehr berührt als diese Sache... Daher müssen wir uns vor-Schritten und Reden hüten, die den Hetzern zum Anlaß dienen könnten; die öffentliche Meinung der arabisch e ix u n d m o h a m m e d a n i' s c h e n W e 11 d amit zu beunruhigen, daß wir daran seien, ihre heiligem Stätten irgendwie anzugreifen.";!! | i! |f|«! lfm Diese vom ernster Verantwortung für das Schicksal des Jischuw getragenem Worte verfehltem ihre Wirkung nicht. Sowohl der Nationalrat,; als der XVI. Zionistenkon'greß faßten int der Frage der Klagemauer vorsichtige und gemäßigte Beschlüsse, die insbesondere jede unfreundliche Stellungnahme gegen die Araber vermieden.; Die vorlaute Gruppe den Revisionisten1, der ,f Brith Trumpeldor" hält es für wichtig, gegen! die Warnungen des Jüdischen Nationalstes, am Tischa b'aw einen Demonstrationszug zur Klagemauer zu veranstalten, Das disziplinlose Vorgehen dieser kleinem Gruppe gab' . nun dem arabischem Hetzern dem Vorwand, am nächstem Tag zui einer arabischen Demonstration aufzurufen und unter der Parole: Die Omarmoschee ist in Gefahr! die fanatk sierten arabischen Massen auf die Juden loszulassen. Wir sollen nicht mißverstanden werden. Die Demonstration der Revisionisten war nicht der Anlaß zu dem wilden Gemetzel, das vom langer Hand, unter Duldung der englischen Verwaltung, vorbereitet wurde und das aut jeden Fall stattgefunden hatte, sie gab. nur den arabischen Hetzern den; geeigneten Vorwand, die erfolgversprechende Parole der ße-

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