Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- Heft 9 (15.7.1929)
- Date
- 1929-07-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Der jüdische Arbeiten ■j Nf. 9 Samstag, 13. Juli: Jugendversammlungen in fünf großen Sälen Wiens, Treffpunkt viertel 8 Uhr früh', IL, Blumauergasse 1. 3 Uhr nachm.: Großes Sportfest auf der Hohen Warte. 7 Uhr abends: International Abendfeier auf der Hohen Worte. 8 Ühr abends: Fackelzug von der Hohen Warte bis zum festlich beleuchteten Rathaus^ S o in im "t a g, 14. }uli: Große politische Kundgebung auf dem Rathäusplatz und anschließender Festzug der Internationalen über den Ring bis zum Praterstern. 2 Uhr nachm.: Jüdisch-sozialistisches 'Jugendtreffen! im Prater mit Sportveranstaltungen. Treffpunkt: VIII., Fuhrmanhgasse, um 8 Uhr früh. Montag, 15. Juli: Kongreß des Weltverbandes. Beginn 9 Uhr vormittags, II., Blumauergasse 1. Dauer: Ganzer Tag. Dienstag) 16. Juli: Halb 8 Uhr abends Chäluzmeeting, Tl., Blumauergässe Nr. 1. Wir marschieren mit! Am 14. Juli wird das große Internationale Jugendtreffen mit einem i Aufmarsch1 der vielen' Mausende Jugendgenössen und -Genossinnen über;die Wiener Ringstraßen, ah den Palästen der Bourgeoisie vorbei; beendet werden. Es wird märschieren in den Straßen Wiens, der Stadt, die sozialistisch verwaltet, in1 der Stadt, die von ihrem internationalen sozialdemokratischen Denken und Fühlen so viele Proben gegeben hat, die rote, sozialistische, internationale Arbeiterjugend, beseelt vom dem Wunsche, einer anderen, besseren, schöneren und freieren Weltordnung dienen zu können. Seite an Seite, Deutsche neben dem' ^Erbfeind" Franzosen, Engländer neben Bulgaren, marschieren sie. Vergessen die vor 15 Jahren von einer, blutrünstigen Bourgeoisie geschaffenen und1 genährten „Feindschaften". Nicht vergessen sind aber die Leiden des Weltkrieges, umin den1 Herzen des sozialistischen Jungproletariats aller Nationen den heißen und heiligen Schwur: Nie wieder kapitalistischen- Krieg!, lebendig und frisch' zu erhalten und Ver-, brechen wie 1914.unmöglich zu machen. . Aber halt! Es marschieren noch welche mit:; Zeichen der Zeit:-das jüdische Jungproletariat, einj Teil 'der proletarischen Internationale, bekundet am Tage der Internationale* seine Pflicht und Solidarität. Aber nicht eine Gruppe als Vertreter eines Landes und zugleich einres Voltes sind sie hier. Das jüdische Volk, zerstreut in allen Ländern der Welt, hat noch .keine Heimat, es ist. erst im Begriffe, sich, eine solche zu schaffen: in Palästina.! Da kommen, auch die 30 jungem Menschen Palästinas, die Mühe 'und Strapazen nicht .scheuend1 hierherkamen, um die» Internationale im Namen ihrer Organisation, dje 1200 Mitglieder hat, zu! grüßen'. Hinter ihnen1 gleich" 'die ] Vertreter der arbeitendem jüdischen Jugendlichen im, größter Lande der jüdischen Massensiedlung: Polen.' Mehr, als 3000 Mitglieder vertreten! die erschienenen; 300. Daß der Gedanke der Renaissance 'des jüdischen Volkes auch iir Mitteleartfpa, wo ^keine jüdischen Massenzentren wie etwa im Osten vorhanden sind, festen Fuß gefaßt hat, ist aus dert starken ^Gruppen Oesterreichs (300), TschoslowaJkdens (70), B e 1 gi e n's (40) und D exi t s d hl a n<d s .(25) zu ersehen. Sie alle 'marschieren: in den Reihen der Internationale, bekundend;,<wir erstreben die Renaissance der jüdischen Arbeit auf eigenem Boden in Palästina. Wir erstreben aber dies nur, um, mit dem Pröletariate unserer Völker' und Länder eine Welt aufbauen zu helfen, in der es keine Unterdrücker und Unterdrückte geben wird, einer Welt, in der der Gedanke des menschheits- und völkerbefreienden 'internationalen' Sozialismus triumphieren' wird: d i e Welt des Sozialismus! ""! : Samu HalperÄ Marx und der nationale Gedanke. Am Anfang seiner Geschichtsbetrachtung hat für Marx ein nationales Problem nicht existiert. Er hatte trotz seines genialen Blickes für das Weltgeschehen/ den Einfluß nationaler Kulturen tind des 'Wesens der1 Völker au? dieses ganz verkannt. Der Geist der Geschichte, der seihe Spiegelung in den verschiedenen Formen nationalen1 Geschehens . und seine Verkörperung, in den, Kulturen .der. Rassen und Völker findet, war. Ihm nicht.. zu.Bewußtsein' gekommen,' ton aus dieser Konsequenz ist .die.Ge- . Schichtsphilosophie von Marx eine übernationale.. Aber Marx ist nic'h't'sö sehr ein1.' Qeschichtsphilo-- soph' wie vielmehr ein Geschichtsrevölutionär. .^W^nri Ms jetzt", sagte er in seiner wirklich genialen Art, - Gedanken dn Worte zu formen, die so großartigen: EinÄ fluß auf den Gang unserer Weltgeschichte genomimen' haben, ^die Philosophie das. Weltgescheheni erklären: wollte, so wird siefürderHirt die Grundlage für die Aenderung der Welt geben". Und als Geschichtsrevölutionär hat Marx die nationale Mannigfaltigkeit und /Differenzierung des Weltgeschehens;geseheh und sie war-die Plattform, auf die er sein System der Politik aufgebaut hat * Insbesondere die Juden, die er als Teil der Pharisäer .ansieht. Das Judentum erkennt er nicht als' positive. Jdee an, sondern' das aus .ihm hervorgegan-; gehe Christentum. Selbstverständlich!, erregte eine so einseitige Behandlung des nationalen Problems lebhaften Wider-. Spruch. .So wurden! sie von! den russischen Slavophilen und von dem jüdischen Historiker Gräz bekämpft.; , .... Bei Marx, der Hegel materialisiert hat, hat na-, türHch;die. Idee einer schöpferischen Kraft der Nationen ikeinen Platz; nicht-die Idee/ nur "die Materie,/ die Oekonomik entwickelt sich in der Geschichte, Äber.jdle Idee M ärmer als die Taten. . .