Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- Heft 5 (31.5.1929)
- Date
- 1929-05-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite .4 ©er jüdlsehe Arbeiter Nf. 5 Aus der Chaluzbewegung, Für die Zeit von April bis Oktober wurden 2400 Zertifikate herausgeben, davon entfallen 1500 bis 1800 auf Ctfaluzim* In einem Rundschreiben fordert Frumkin, der Jjeiter des Arbeitsamtes der Histadrut, die Hechaluzfcrganisationen der handwerklichen Ausbildung ihrer (Mitglieder besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden, da wtias politische und ökonomische Gewicht dieser Beimfsschichte immer bedeutender wird/' Nach Palästina! ' Bildung von R eisegemei n sc h' af t e n der Freunde des arbeitenden Palästina. Auf Grund von Anregungen vieler Genossen und Freunde ist beschlossen vworden, Pessach 1930 eine (kollektive Reise von Genossen und Freunden nach1 'Palästina zu organisieren. Die Reise und1 der Aufenthalt im Lande dürften 4—5 .Wochen in Anspruch1 ttiehmen. * Die Spesen für Reise und Aufenthalt konnten moch' nicht endgültig festgesetzt werden, doch1 dürften sie 'den Betrag von S 1000 kaum übersteigen. Die Höhe der Spesen hängt zum Teile von der , Zahl der Teilnehmer ab. Alle Interessenten werden Idaher gebeten, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Zwecks Erleichterung der Aufbringung der Reisespesen schlagen wir den Interessenten vor, ab Juni 1929 allmonatlich den Betrag von S 50.— einzuzahlen. Das Geld wird in der Zentralspark'asse der Gemeinde . Wien erlegt werden. Die Verantwortung hiefür übernehmen! Dr. Rudolf Glanz und Mendel Singer. Zuschriften sind zu richten an Dr. Rudolf Glänz, Wien, XVIII., Weimarerstr. 19. Diskussion. (Nationalismus und Internationalismus.) Gen. M. hat in1 seinem Diskussionsartikel die Schwierigkeiten hervorgehoben1, die sich einer Synthese von Zionismus und Sozialismus in den Weg stellen, er hat das Problem vom Standpunkt der 'Propaganda unter primär sozialdemokratisch' eingestellten Juden beleuchtet, ich' möchte vom Standpunkt der primär zionistisch' Eingestellten und von [uns zu Erfassenden sprechen, denn aller Aufklärungsarbeit ist es bis jetzt nicht gelungen, die unter diesen verbreitete Ansicht, daß Zionismus und Sozialdemo- Ittatie sich ausschließende Bewegungen sind, zu verr drängen. Halten wir nun den Ausgangspunkt der einen Bewegung dem ideellen Ziele der anderen: entgegen: 'Nationaljudentumlund Internationale. Wir wollen: den Aufbau Palästinas, und wollen ihn durch' Juden beiweksrtelligen. Wollen wir dies nur, um einigen tausend jüdischen1 Arbeitern Arbeit zu verschaffen, oder .weil -wir hoffen, daß die durch Geist und1 Hand erzielten! Erfolge unserer Siedler, nicht nur für das jüdische Proletariat, sondern für die ganze Mensch ■Weit von Bedeutung sein werden? Wir wollen (und hierin sind alle zionistischen1 Gruppen einig) ein auf spezifisch jüdischer Arbeit aufgebautes Palästina. Wir sozialistischen Zionisten unterscheiden uns von den bürgerlichen Richtungen, daß uns dieser Zweck nicht Selbstzweck ist. Der Nur-Nationalismus, also ausschließlich dem eigenen Volke gewidmete Arbeit, kann •niemals das Ideal von Juden sein1, denn dann verfielen sie ja in jenem völkischen Egoismus, der ihnen so viel Leid bereitet hat, während ein so große Opfer verlangendes Volk, wie es der Aufbau Palästinas ist, mir dann rechtfertigbar ist, wenn ihm nicht ein (egoistisches Motiv, sondern! ein solches, das für die ganze Menschheit von Bedeutung ist, zugrundeliegt. Da die Fähigkeiten der Menschen von Natur aus differenziert sind, wird das Werk des einzelnen stets von seinem individuellen Charakter bestimmt sein, ijetier Mensch ist aber auch dem Einfluß seiner Umgebung unterworfen, ja in. gewissem Sinne von ihr 'gezeugt: es wird daher sein Wirken in Entscheidendem von seinem Volkstum beeinflußt sein. Trotzdem soll lunsere — der Individuen und der Völker — Arbeit tnich't in nationalen Zielsetzungen ihre einzige Richtung empfangen: sie wird erst sinnxind wertvoll, wenn sie nicht nur der Lebensnotwendigkeit der jüdischen Massen entspringt, sondern auch in hohem Maße den Interessen der Internationale, die die Menschheit sein wird, dient. Trudl Pollak, Salzburg. Begrüßung des Oberkommissärs von Palästina gelegentlich der Eröffnung der Palästina-Ausstellung des Keren Kajemeth in London. , Der Oberkommissär, Mister Ch'ancellor, hielt gelegentlich der Eröffnung der unter dem Protektorate 'des Lore; Reading stehenden Palästinaausstellung und Bazar des Keren Kajemeth in London folgende Anspräche: „Auf Grund dessen, was ich in dem Lande währet meiner Reise gesehen habe, steidem ich den mir übertragenen Posten übernommen habe, kann ich idie große Bedeutung der Leistungen des Keren Kajemeth' in Palästina bestätigen. Die Rolle, die der Keren Kajemeth auf sich geincwmen hat: die Sümpfe zu trocknen; und wüste, jahrhundertelang vernachlässigte Landstrecken in Sied lungsplätze und Arbeitsstätten zu verwandeln — diese Rolle verdient eine ganz besondere Anerkennung Nach meiner Meinung gibt es .keine zweckdienlicheren Mittel zur Verwirklichung des Traumes des jüdischen Volkes, das alte Land der Väter wieder aufzubauen — als diese Arbeit des Keren Kajemeth. Nach all dem> was ich gesehen habe, kann ich mit aller Sicherheit erklären, daß die Werke des Keren Kajemeth, sei es diejenigen, die bereits vollendet sind sei es diejenigen, die der Vollendung erst entgegengehen, verglichen werden können — und nicht zum Schäden. dieser Werke des Keren Kajemeth — mit den anderen dieser Art, die ich in den übrigen Teilen der »Welt kenne. „ Und ich hoffe, daß diese. Palästinaausstellung in London ihren Zweck erreichen wird: alle Teile der Judenheit in England für das Aufbauwerk in Erez Israel zu vereinigen. Jüdische Künstlerspiele. Abschiedsvorstellung Esther Perelmann. Am 30. Mai a. c. verabschiedete sich Esther Perelmann als „Zipke Feier" vom jüdischen Theaterpublikum Wiens. Die Künstlerin hat im Laufe der Saison das höhe Niveau der. Jüdischen Künstlerspiele gefestigt und in vieler. Hinsicht dem Ideal eines allen Ansprüchen einer Kunststadt wie Wien, entsprechenden jüdischen Theaters Gestalt verliehen. Die Kunst lerschaft Esther Perelmanns wurzelt in einer dem jüdischen Theater eigenen glücklichen Verbindung von dramatischer Schauspielerin stärkster Begabung mi empfindungsvollster Soubrette und ausgesprochen ly rischer Tänzerin. Sie befähigte Esther Perelmann zur Darstellung aller der Frauengestalten aus dem Volk, die das Lieblingsrepertoir des jüdischen Theaterpublikums enthält. In der volkstümlichen Gebundenheit an Charaktere und Lebensschjcksale, aus den einzelnen jüdischen Volksschichten liegt die Stärke der jüdischen Operette. Sie ist ein Spiegelbild des gesamten jüdi sehen Lebens, ganz im Gegensatz zum Wiener Operettengenre, der nie mehr enthält als die Angelegenheiten der oberen» Zehntausend. In diesem reichten Volksleben gibt Esther Perelmann Romantik und Tra gik der jüdischen Mädchen- und Frauengestalten in ihren seelenvollsten Beziehungen zu Umwelt und Fa milie, zu sozialen Erscheinungen und zur harten Arbeit des Alltages und seiner Not. In einer Reihe von Stücken, die dem jüdischen Lebenskreis Amerikas entstammen, formt sie den neuen jüdischen Mädchentypus der neuen; Welt. In „Zipke Feier" erzielte die Künstlerin einen vollen Erfolg. Die volle Urwüchsigkeit der blutvollen' jüdischen Arbeiterini wächst in Augenblicken höchster Gehöbenheit der Handlung zu rein empfindungsmäßigem, lyrischen Tanz und Gesang. Manche Schwächen des Stückes verschwinden so, Entlehnungen aus nichtjüdischer Musik werden empfindungsgemäß umgewandelt. Im ausgezeichneten' Ensemble bot Herr Iris wieder die gewohnte Glanzleistung. Seme Wiedergabe psychischer Dämmerzustände wie Rausch und Halbschlaf, die motorische Nachbildung von Erschütterungen des Gleichgewichts in der Sprache und Bewegung des Menschen gehören' zu dem Verblüffendsten, was Schauspielkunst bieten kann. Die zahlreichen Hervorrufe des enthusiasmierten Publikums, das die scheidende Künstlerin immer wieder sehen wollte, bewiesen, wie groß die Schär jüdischer Theaterkenner in Wien schon heute ist, die Esther Perelmanns Kunst hochhalten. Eine Rückkehr der Künstlerin in der nächsten Saison könnte die Jüdischen Künstlerspiele zu der jüdischen Theatergemeinde machen, die Wien braucht. —g. Die Rechtsauskünfte werden in unserem Heim von nun ab nicht am Montag, sondern am Dienstag von 7 bis 8 Uhr abends erteilt. Lebensversicherungs**Gesellschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Versicherungsbestand Ende Februar 1928; 8 1,600,000.000'- Garantlemittel Ende 1921: & 192,000.000'- Prflmlea* und Zlnsentinriabmen im Jahre 1927: 8 71,000.000 — TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Prankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bu!garien,Griechenland,Türkei,Aegypten,Palä8tina. Pensions-Versicherung JJCö; mit Rentenansammlung (Rentenbezttg beim 55t, 60. oder 05. Lebensjahr oder bei früherer BERUFS-UNFÄH1GKE1T. Monatliche Prämie. Sofortige Unverfallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs*Aktien* Gesellschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie Und Gewerbe Wien, l, Schellinggasse Nr. t Unsere Maifeier« Wie alljährlich nahm auch heuer unsere Organisation geschlossen am Maiäufmarsch der Wiener Arbeiterschaft teil, Unser 400 Teilnehmer zählender Zug war ziemlich disproportioniert, die Tete, voni/deß Jugend gebildet, war unverhältnismäßig größer als die Abteilung der eigentlichen Organisation. So erfreulich! es nun ist, daß wir eine so starke Jugend1* Organisation haben, bleibt doch die Frage offen; wa sind die der „Arbeiterjugend" Entwachsenen? Wir sagen es often: da muß etwas in der Arbeit unseren Jugend nicht stimmen, wenn ihre Mitglieder den Poale-Zionismus nur als „Jugendbewegung" betrachten, der man, wenn man erwachsen wird', - den Rücken kehrt! — Die abendliche, glänzend besuchte Maiveranstaltung kann als wohl gelungen bezeichnet werden. Gen. Dr. Sokal hielt die Ansprache, int der er in v eindringlicher Weise die Schwierigkeiten! der proletarischen Abrüstungspolitik darstellte. Aus dem reichhaltigen künstlerischen Programm sei nur lsak Deutsch's prächtige Leistung und die wirklich schöne Darbietung unserer Zofim hervorgehoben; dem Leiter ihres Sprechchors, Gen. Hirsch körn; gebührt Dank und Anerkennung! Walter Preuss in Wien. Die Arbeit für das „arbeitende Palästina" hat durch* die so außerordentlich intensive Aufklärungstätigkeit des Gen. Preuß während seines Wiener Aufenthaltes große Förderung erfahren: es gab wohl keinen Tag, da Preuß nicht mindestens zwei Versammlungen abhielt — von den vielen Verhandlungen mit einzelnen Persönlichkeiten des Wiener öffentlichen! Lebens ganz abgesehen. Aus seiner so überaus reichen Vortragstätigkeit seien nur die große Versammlung im Hotel Post, wo auch der palästinensisohie Arbeiterführer Ben Zwi eine Ansprache hielt und der Vortrag, den Preuß auf Einladung der sozialdemokratischen Bildungsstelle vor den Bildungsfunktionären hielt, hervorgehoben. Insbesondere die letztere Veranstaltung scheint uns bedeutsam zu sein: die Sphäre starker Sympathie unserem Palästinawerke gegenüber, die die Versammlung erfüllte — geschaffen vor allem durch den Vorsitzenden Gen. Straaß1^ zeigte, daß die Mißverständnisse, die in Parteikreisens dem sozialistischen Zionismus gegenüber bestehen; keine Naturnotwendigkeit sind: mögen die Berufenen es sich angelegen sein lassen, die Bresche, die PreiTß in die Mauer jener Mißverständnisse geschlagen hat, zu vergrößern und sie allmählich ganz abzutragen! , Für das arbeitende Palästina. Der Verein der Freunde des arb'eiterideni Palästina in Wien blickt auf eine ziemlich! intensive Tätigtk'eit in den letzten Wintermonaten zurück. Auf Grunc? der einmaligen jährlichen Sammelaktion! (innerhalb der korporativ angeschlossenen Organisationen) vom März d. J.; der im April durchgeführten; zwei Häusersammlungen und der Teilergebnisse der Aktion Preuß wurden im April Pfund 75.—, in zwei Raten, an d.fe Zentrale des Palästina-Arbeiter-Fonds in Tel-Aviv überwiesen. Weitere Geldsendungen werden in der näeft sten Zeit erfolgen. Für den Sommer werden! ein Gartenfest und eine größere Gesellschäftstour per Schif geplant. Näheres wird noch bekanntgegeben werden" Arbeitersportklub Cheruth. Vor, kurzem fand die außerordentliche Generalversammlung, des I. jüdischen Arbeitersportkiübs Cheruth statt. Gen. Hitnik begrüßte in seiner Evr Cöffnungsrede den Gen, Kupfer als Vertreter der Poale-Zion, den Gen. Preloschnig als Vertreter des Oesterreichischen Arbeiter-AtMetenbundes, den Gen. Mayer als- Vertreter der Vereinigung werktätiger Juden^deni Gen. Lustig als Vertreter der J. S. A. J un'd den; Bezirksrat Gen. Selzer. Hierauf erstattete er den1 allgemeinen Tätigkeitsbericht der Stemm- und Turnersektion. Der neugewählte Vorstand1 hat sich1 wie folgt konstituiert. Hitnik Obmann, Schneider Vizeobmann, Win er und Federbuschi-Emil Schriftführer, Jungermann Kassier, Groder, Tischler, Glatt, Pollack, Rendelsten* und Winterberg Beisitzer. Weldler und Schönberg Kontrolle. Anläßlich des allgemeinen Aufmarsches der Wiener Arbeiterspovtler und des Republikanischen Schutzbundes am 12. Mai in der Brigittenau war auf deri Plakaten nebst anderer Arbeitersportvereine des „Askö"-Bezirkskartells auch unser Sportklub Cheruth als mitveranstaltender Verein unterschrieben und marschierte mit eigener roter Fahne mit deutscher und üdischer Aufschrift. Bei den sportlichen Vorführungen beim Lassalle-Denkmal nahm auch' eine Mannschaft unserer Stemmsektioit teil. Unsere jüdischen Arbeitersportler hielten sich sehr brav und fanden allgemeine Anerkennung sowohl bei den sportlichen Vorführungen als auch beim Aufmarsch1 in den Straßen des Bezirkes.__Mosche H, Schach. I. Jüd. Arb.-Schfachklutt „Andermann" gegen Arb.-Schachklub Franz-JosefsbahTn 7Va < 4l/s>. I. Jüd. Arb.-Schachklub „Andermann" gegen Arb.-Schachklub Brigittenau 6y8:5V«. «jgpatum«r, Vwte$eiv E*mwg*ber *>, r«mtw*r& Ite^ew: M»k»a Leobe, AD^t*]k«r, Wie», II., Qrt 8p*rlgaet*> — Drwok; „Aäria", Ww% II,, TUbonrtreße egfe