Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- Heft 4 (26.4.1929)
- Date
- 1929-04-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Der jüdische Arbeiter Zeitschfiftenschau. Gen. Jeanne Vandervelde, die Gemahlin des Führers der belgischen Sozialdemokratie, der im vorigen Jahrgang der „Gesellschaft" (Hg. Hilferdiug) zum jüdischen Aufbauwerk in Palästina positive Stellung genommen hat, veröffentlicht in der Zeitschrift „Nord und Süd" (Heyinanns Verlag, Berlin) einen Aufsatz, betitelt „eine Aerztin in Palästina"; sie kommt auch auf cliee Institutionen der „Kupath Cholim'" zu sprechen, und führt aus: „Man wird sich der ungeheuren Leistung bewußt. Mau weiU, daß hier (in Ejn Charod), bevor die schönen und gesundem Kinder zur kamen, einst unbeschränkt die Malaria herrschte. Die Erbauer dieses Spitals . . , haben ein großes Werk geleistet. Und es sind Arbeiter, die es erbaut haben! und erhalten. In Tel-Aviv besitzt die Arbeiterschaft eine schöne Poliklinik, der die Patienten nicht fehlen, weil die ganze Ärbsiterbevölkerung der Stadt Viud der Umgebung sich dort behandeln läßt." In den „sozialistischen Monatsheften" (Hg.: J. Bloch), deren Leser durch den .Redakteur der Ilubrik „Außenkolouisation", Gen. Kranold regelmäßig über die Entwicklung der jüdischen Kolonisation unterrichtet werden, veröffentlicht der seit dem letzten Gewerkschaftskongreß auch der weiteren Ocffent'ichkcit bekannte sozialdemokratisch? Wirtschaftspolitiker und Ecdakteur des „Vorwärts", Fritz- Naph tali, "einen außerordentlich schönen Aufsatz über: „da« arbeitende Palästina'. Nach einem kurzen Ueberblick über die Entwicklung der Bewegung der Freunde, dea arbeitenden Palästina stellt NaphtaU den nationalen und sozialen Gehalt des zionistischen Sozialismus dar, aus; welchem' prinzipiellen Teil wir folgende Formulierungen hervorheben möohtcn, welche Naplitali an jüdische Sozialdemokraten richtet, die einen Konflikt zwischen ihrer Ar-; beit für die deutsche Partei und der für das Werk desj Palästiuaaufbaues* befürchten: „Diesen Genossen möchte ichf sagen ,-cla-ß es . . . das unentrinnbare Schicksal des emanzipierten Juden in der Welt ist, daß er zugleich in verschiedenen Schicksalsgcmeinschaftcn verknüpft ist . . . : Diese zwiefachen Bindungen sind nicht frei von Problematik.: Aber es ist eine Illusion, und eine Illusion, die gefährlich] ist, weil sie zur U n au f ri c h t i gke i t un d zu mj M a n g e 1 a n W ü r d e f ü Ii r e n k a n n (von uns gesperrt) Ited.), wenn der Judo dieser Problematik durch ein VeiS 'leugnen .oder Verstecken seines Judentums ausweichen z\i können glaubt. Für den Juden, der Sozialist i3t, ergibli sich aus der Eigenart , der jüdischen Situatioöf, daß dies1 Schicksal ihn im Kampf für die Verwirklichung seiner; sozial istischen Ideale an zwei Fronten gestellt hat: ari die Front des Landes, in dem er lebt, uml iui die Front; des Volkes, dem er angehört, und dessen Arbeitspionicre um nationale und sorale Erneuerung in Palästina kämpfen.". Mögen diese mutigen Worte Na.phia?is auch jenseits der &ch\varz-rot-goldeiien Grenzpfähle gehört werden! Im Organ des Bundos deutscher Frauenvereine, „Die Frau" (Heft 5, 1929), finden wir einen Aufsatz über den „Kampf um Fiimenrechte in Palästiua" von Helene Hanna Thon: es wird hier in ausgezeichneter Weise aus der sozialkulturellen Gliederung der jüdischen Bevölkerung Palästinas die Form des Kampfes um dio Einführung dos Frauenwahlrechtes im Geniel ndestatnb abgeleitet, dor hiei ein Kampf „zwischen übor'liefc;t3r Religionen und modein.x Ethik*' ist. Darüber hinaus wird insbesondere unsere G en o s s i n n e u die Darstellung der Stellung der Frau inner' halb der jüdischen Arbeiterbewegung interessieren: ,,. . . die Arbeiterinnen, die sämtlich in sozialistischen Verbänden oiganis'ieit sind, genießen iu den Arbeiterverbandeiii der genossenschaftlichen Siedlungen und in allen Phasen ihres Privatlebens unbedingte Gleichberechtigung mit ihren männlichen Kollrg2n. Dio Einteilung in besondere männliche und weibliche Arbeitsgebiete hat in diesem Kro-se aufgehört, eine doppe".t3 sexuelle Moral wird nicht anerkannt und die natürliche Behinderung der "Mutter im Wirtschaftsleben wird durch Gemeinschaftserziehung der Kinder so weit wie megich ausgeschaltot. In dieser Sphäre bildet sich allmählich in Palästina ein ganz neuer Frauentypus heraus, der zwar noch durclia-us nicht zur vollen Harmonie seinei ■ J Vor kurzem ist erschienen! ■ I Hendel Singer, ■ Oer Vleg Oes iUOiscfien Arbeiters | : zum Sozialismus J Preis $ 2.30 ■ »Zu beziehen nur durch die Kolportageabteilung der ■ i Jüdischen Arbeiterbildungsstelle II,, Bluraauergasse 1 ■ körperlichen und geistigen Kräfte gelangt ist, aber an nationaler und sozialer Verantwortlichkeit um' nichts den Männern nachsteht. Einige dieser Arbeiterinnen sind anerkannte Führeriunen der Arbeiterpartei. Daß der Wiitschaftsantiscmitismus keine spezifisch polnische Erscheinung ist, daß vielmehr die jüdischen Angestellten auch in Deutachland um das Hecht auf Arbeit kämpfen müssen, zeigt ein Aufsatz E. W. Abrahams, „die antisemitische A. E. G." betitelt. 'Abraham berichtet: „. . , . zunächst ist man darangegangen, die noch in leitenden Positionen befindlichen Beamten jüdischer Konfession oder Passe kaltzustellen. ... In dieser Kaltstellung der jüdischen leitenden Beamten liegt Methode. Am Kopf wird' angefangen, um von hier aus den ganzen Betrieb nach konfessionellen oder, deutlicher gesagt, politischen Gesichts-, punkten umzukrempeln.. . . Die Einstellung von Fersonal wird nicht mehr wie früher nach rein kaufmännischen Prinzipien, ohne Beachtung der politischen oder konfessionellen Uebcrzeugung, vorgenommen. Damit ab:r nicht genug: Die noch in den' Betrieben vorhandenen jüdischen kleineren und kleinen Angestellten werden gaJnz rücksichtslos einer nach dem anderen herausgedrängt." 'Die Organis-tlcns'.citung spricht ili.em M-tg'iedo Gcnossj Josef Goldstaul) das tiefste Beileid anläßlich des frühzeitigen Todes seiner Mutter aus. Möge er im Kampfe um unsere Idee Trost finden! Jüdisches Theater. Die „Künstlerspiele" in der Praterstraße setzen ilire Bemühungen, jüdisches Theater höhereu Niveaus don Besuchern zu bieten, fort. Dio* talentvolle Frau Per 1 mann setzt ihr Gastspiel erfolgreich fort. Es sind auch neue: Gäste eingezogen: Frau Zaslawskoja und Herr Mischa Fi seh söhn. Die Frau Zaslawskoja hritten wir bis jetzt keine Gelegenheit zu sehen, Herr Fischsohn führt den! Namen eines repräsentativen Vorläufers, allein sein Taknij kann uns kaum entsprechen. Schablone, äußere Effekte; ohne seelische Ergriffenheit. Er gefällt sich zumeist ini „Kulissenreißen" der amerikanischen' Provinzbühnen. Bemerkensweit, wenn auch nicht künstlerisch' reif,' war die Aufführung vou Dymows „Josclike Musik an t'! (Der Sänger seiner Trauer). Ausgezeichnet} Leistungen boten Frau M c i s,e.l s, Frau G r a T, Frau Weint r a. u hj Frau Perl mann, Frau Deutsch, Herr Dr. Brind und! Herr D e u t s c h, auch die anderen Schauspieler — unter ihnen Breit mann, Peiß mann — spielten ihre Rollen gut. Leider können wir dasselbe nicht vom sonst äußerst talentierten Herrn Iris behaupten. Er-.-hat die Titelrolle, wie die Pcgie, die er leitete, oh'n? jede seelische Verdauung, kopiert. Das merkte man, und e» störte ungeheuer. .Herr. Iris; der außerordent'ich talentierte Charakterdarsteller, der Schöpfer vieler köstlicher Gestalten (wir erinnern uns an seinen Ch'asen in der „Blume aus Odessa" und in seinem „Pat-ntuiacher" aus „Nach dem Sturm1') auf unserer Bühne, hat es nicht notwendig, zu solchen Mitteln zu greifen. Er kann noch sehr viel aus Eigenem schöpfen. Unbestritten sind die „Künstlerspiele" ein in jeder Beziehung interessantes Theater, das die Aufmerksamkeit de« jüdischen Publikums verdient. Liederabend Jizchok Deutsch. Jizohok Deut/eh sang bekannte und unbekannte jüdibche Volkslieder. Er ergötzte mit seiner klangvollen Stimme und seiner wunderbaren Interpretieruug. Die auwesonden Freunde und Verehrer Deutsch' verbrachten einige Stuudcn ungetrübten Vergnügens. Es gab natürlich lebhaften Beifall Ortsgruppe Brigittenau. Bei der Konstituierung der Poale-Ziou-Gruppe Brigittenau sind .folgonde Genossen iu den Vorstand gewählt worden: Obmanu Horowitz scn-., Vizeobmiun Hitnik, Schriftführerin Posa Druks, Kassier Horowitz Abraham und Beisitzer Okin. In den erweiterten Ausschuß sind dann die Genossen Dr. Gaster, Tischler, Ciorenstein, Wchilös, Schapira, Tauber und Trompeter gewählt worden. Montag, don 8. April, fand im Itestiurant Sternbach, XX., Jägerstr. 3, ein Vortrag über „Das arbeitende Palästina" des Genossen Dr. Walter Preuß statt. Die glänzenden Ausführungen über das neu entstehende sozialistische Palästina fanden lebhafte Zustimmung beim Auditoriuni des dichtgefüliten Lokales. Der erste öffentliche Vortrag, der Poale-Zion-Gruppe Brigittenau hatte somit einen glänzenden; Verlauf genommen. Naoh Schluß des ATortrages sind einige Genossen unserer Gruppe beigetreten. Mosche H, Infolge Raummangels wird der Bericht über das Wiener Tournee Dr. W. Preuß' in der nächsten Nummer veröffentlicht. Für jeden Sparer die ZEHTBALSPABKASSE der Bemeinäe Wien I., Wppliimlie 8 Gegenwärtiger Einlagenstand 423 Millionen Schilling Die Gemeinde Wien haftet mit ihrem gesamten Vermögen für alle Einlagen in der Zen- > - - tralsparkasse Vorzüglich© Informationsquelle. Erscheint einmal 1 wöchentlich illustriert.! Kapay-Mitteilungsblatt (jiddische Ausgabe) j Die Zentrale des Palästina-Arbeiterfonds in Tel-Aviv,- j Palästina., bringt die neuesten Nachrichten aus der | palästinensischen Arbeiterbewegung. Vorzügliches \ Nachschlagmaterial. | Abonnementgebühr für V2 Jahr Dollar, für 1 Jahtr '' 21/a Dollar. Anmeldungen nimmt entgegen: Verein der Freunde des arb. Palästina, Wien, IL, Taborstraße Nr. 1 Lebens versieh er ungs* Gesellschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I„ Riemergasse Nr. 2 Verslcherungsbcstand Ende Februar 1928: » 1,600,000.000'- Qarantlemittel Ende 1927: 8 191,000.000 - Prflmiea- und Zinseneinnahmen im Jahre 1927: S 71,000,000 — TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reieh, Frankreich, Belgien, Holland, Italieh, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bttlgarien,Qriechenland,Türkel,Aegypten,Palästina. Pensions-Versicherung mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei frühe! er BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unverfallbarkeit.) . gemeinschaftlich mit der Versicherungs * A k t i en ** G e s e 11s ch a ft früher.. PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und-Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantworte Redakteur: Markus Lachs, Angestellter, Wien, IL, Gr. Sperlgasse 19. —• Druck: „Adria", Wien, IL, Taborstraße 62b,