Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- Heft 4 (26.4.1929)
- Date
- 1929-04-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. W DER JÜDISCHE ARBEITER Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Österreichs Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration! Wien, IL, Blumauergasse Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: viertellährig. S 1.20 halbjährig , . ,2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 4. Wien, 26. April 1929. mSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS^ 6. Jahrgang. Genossen und Genossinnen! Am ersten Mai werden wir mit dem sjzialdsnnkrattschen Protetariate Wiens auf die Straße ziehen, 'um unsere ■Kampfentschlossenheit darzutun gegen Reaktion und Faschismus, gegen die steigende Ausbeutungsgicr des Kapitals, gegen die Kriegsrüstungen, für die Durchführung des achtstündigen Arbeitstages, für die Alters-- und Invalidenversicherung, für den Mieterschutz, für die Demokratie, für den internationalen Sozialismus. Wir wollen an diesem Festtage des Weltproletariates auch des harten Kampfes, den die jüdische Arbeiterschaft, in vielen. Ländern führt, gedenken. In Osteuropa kämpfen' unsere Genossen gemeinsam mit "der klassenbewußten Arbeiterschaft der anderen Völ- , ker gegen Reaktion und Faschismus, sie sind aber iäuch gezwungen, einen hartnäckigen Kampf, für das Recht auf Arbeit und für die Selbstbestimmung des (jüdischen Volkes zu führen. In diesem Kampfe erhalten, unsere Brüder in Osteuropa nur selten die r ^bührende Unterstützung der sozialistischen ' ''Pärtjeien der Mehrheitsvölker. Um so eindeutiger und lauter wollen wir bekennen: De r Kampf der jüdischen Arbeitersic ha f t O s t e uropas um nationales Selb s tfo<e s ti m m u n g. s r e c h t und um das Recht a u f ['•Arbeit, ist auch unser Kampf. Die junge Demokratie des kleinen Litauen wurde von den litauischen- Faschisten vernichtet. Die klassenbewußten Arbeiter haben die schwersten Verfolgungen; zu ertragen. Auch unsere Genossen setzen unter 'denl schwierigsten Bedingungen den Kampf für unsere Idee fort. Unter noch schwierigeren Bedingungen haben (unsere Genossen in Sowjetrußland zu kämpfen. Veriffolgt von der Tscheka, die die jüdischen Kommu- ,•'misten. („Jewsekcija") auf unsere Genossen hetzen, halten sie die Fahne des revolutionären proletarischen i Zionismus hoch. Kerker, Deportation und Tod brin- 1 geen sie nicht zum Wanken. Allen verfolgten und verhafteten Genossen gilt unser Gruß, der Gruß der proletarischen: Solidarität. Sie dürfen und sollen sich im Kampfe um das Selbstbestimmungsrecht der klassenbc-. wußten Arbeiterschaft, um die Forderungen unseres zionistisch-sozialistischen Ideals nicht vereinsamt fühlen. Ihr Kampf ist auch der unserige. Mit unvergleichlicher Ausdauer hat die jüdische Arbeiterschaft in Palästina, dank ihrem bewundernswerten Geiste der Initiative, die Krise im Lande fast völlig überwunden. Die Arbeitslosigkeit ist fast liquidiert, die neue Einwanderung unserer Pioniere hat bereits eingesetzt, das Aufbauwerk steht im Zeichen eines neuen Aufschwunges. Wir beglückwünschen unsere Genossen in Palästina zu diesem wunderbaren ErfoIge..Wir geloben, uns ihre Aus dauer, ihren, unerschütterlichen Glauben zum Vorbild zu nehmen. Ueber die Grenzen der Länder, Sprachen und Weltteile umfaßt tausende unserer Genossen das Band unserer Weltorganisation Poale Zion, die Schicksalsgemeinschaft schmieaet uns zusammen.? Am Tage des WeItprole(|riats wollen: wir. und auch zu unserer Weltorganisation Poälc Zion inner* halb der sozialistischen Arbeiter-Internationale bekennen. I •. Kampf der Reaktion und 'dem Faschismus! < Es lebe der völkerbefreiende Sozialismus! - ' Kampf der Reaktion ,-iin Jüdischen Leben! Es lebe das Selbstbestinämungsrecht des. jüdischen Volkes! j Es lebe die Sozialistische |Arbciter-Internationale! Es lebe das arbeitende Palästina! Es lebe der Weltverband Ij'oate Zion! Jüdisch'e: Sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien. Jüdische sozioldemahrofisAe II Verband derJüdisd] Arbeiter DrQonisotion Paale lion H Arbeiterjugend 1 der am Mifiwaifi. 1. Moi 1929 um 815 Uhr im Hotel Posi, l„ Fleisdimarkt stattfindenden MAIFEIER 1. Qyorieft. 2. SieflB öus Hopple wir 'eben. 3. Spredidior. 4. 5.1 PAUSE G. Fr. Segoll: jidisdie Reiif offenen. 7. Querlett. 8.1. Dautsdi: Jiidisdie Vo'kslieder. 9. Spredidior: „Die Föhne". 10. Wilhelm Kli'sdi: ßeiilölionen. 11. Mossendiar. 40 Jahre erster Mai. Der Festtag des' internationalen Proletariats steht heuer im Zeichen des 40. Geburtstages der Idee des 1. Mai. Vierzig Jahre sind verstrichen, seit der erste Kongreß der 2. Internationale die angeschlossenen Parteien verpflichtet hat, „eine Manifestation zu organisieren, und zwar dergestalt, daß gleichzeitig in allen Ländern und in. allen Städten an einem bestimmten Tage die Arbeiter an die öffentlichen Gewalten die Forderung richten, den Arbeitstag auf 8 Stunden festzusetzen und die übrigen Beschlüsse des internationalen Kongresses — die Abschaffung der stehenden Heere und. die internationale Arbeiterschutzgesetzr gebung — zur Ausführung zu bringen." Sollte so nach dem Beschluß des Kongresses der erste Mai eine Waffe.sein, deren sich das Proletariat im Kampfe um die Verwirklichung seiner sozialen und politischen Ziele zu bedienen hätte, so stand damals die Arbeiterschaft vor der Notwendigkeit, sich das Recht der Maifeier erst zu erobern. Insbesondere in den Ländern, deren nachrevolutionäre Parlamente den ersten Mai zum Staatsfeiertag erhoben haben, ist es notwendig, der jungen Generation zum Bewußtsein zu bringen, daß auch dieser proletarische Festtag kein Geschenk von. oben ist, sondern das Ergebnis eines opferreichen Klassenkampfes; nicht zuletzt auch' in Oesterreich, ^dessen Arbeiterschaft sich das Recht der Arbeitsruhe am 1. Mai schon längst erkämpft hat, als die Parteien anderer Staaten noch schwer um die Anerkennung derselben kämpfen mußten, und es darf als Symptom dafür, welche Bedeutung die Unternehmer diesem Kampfe beigemessen haben, vermerkt werden; daß die erste Spitzenorganisation der österreichischen Unternehmerverbände, der Zentral verband der Industriellen Oesterreichs, zu dem ausdrücklichen Zwecke gegründet wurde, der Arbeitsniederlegung am 1. Mai in wirksamer Weise begegnen zu können. Der 1. Mai- — ist er schon heute Gemeingut der Arbeiter aller Länder? Nein, in den Ländern der faschistischen .und; ..halbfaschistischen Regierungssysteme undrinVden^ö^-: lonialländern vor . allem, werden auch' heute1 noch Arbeiter, die sich, das proletarische Fest feiernd, in' die internationale Gemeinschaft des sozialistischen Proletariats eingliedern wollen,- eingesperrt, gemaßregelt, hier ist, was uns österreichischen Sozialisten fester Besitz ist, ein noch zu verwirklichendes Ideal! Sind wir schon von der Durchsetzung des Rechtes auf den proletarischen Maifesttag im internationalen Maßstab weit entfernt, um wie viel mehr gilt dies für die Losungen, für die zu demonstrieren die Internationale beschloß. Der Achtstundentag? Wir wissen, welch umstrittenes Gut der europäischen Arbeiterschaft er ist, die ihn, täglich neu erkämpfen muß, und um dessen internationale Sicherung der Kampf weitergeht; daß vor allem dem kolonialen Proletariat heute noch mehr als doppelt so lange Arbeitszeit bei schändlich niedrigen Löhnen auferlegt ist, wurde der ^breiten europäischen Oeffentlichkeit durch die Berichte der verschiedenen gewerkschaftlichen Studienkommissionen erst jüngst bekannt. Arbeiterschutzgesetze? Wer wollte leugnen, daß dank proletarischem Machteinsatz die Arbeiterschutzgesetzgebung in den letzten 40 Jahren eine außerordentliche Entwicklung genommen hat; aber wir wissen, daß, wenn irgendwo, so hier der Satz gilt, daß zwischen der Existenz eines Gesetzes und seiner realen Durchsetzung im sozialen Leben eine Wand steht, um deren Niederlegung die Organe der wirtschaftlichen Arbeiterbewegung täglich ringen müssen. Daß im Zeitalter der Rationalisierung auf erhöhte Beobachtung der Arbeitersch'utzgesetze gesehen werden sollte, daß im Gegensatz dazu das „Sanierungsregime" in Oesterreich gerade die Organe, deren Funktion die Fabriksinspektion ist, verringert.hat' statt sie zu vermehren, zeigt, daß auch in unserem Lande, das dank der Einheit seiner Arbeiterschaft in sozialpolitischer Hinsicht fast allen europäischen Staaten voransteht, um die Realisierung der Forderungen von 1889 noch gekämpft werden muß; und in den Ländern der gewaltsam zur Herrschaft gelangten faschistischen Reaktion und wieder vor allem in den Kolonialländern Treffpunkt am 1. Mai, il. Blumauergasse 1 um 8 Uhr früh