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Der Jüdische Arbeiter · 1929-03-15 · Heft 3 (15.3.1929) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
6 (1929)
Issue
Heft 3 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Im politischen und sozial wirtschaftlichen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens hatte die Revolution ihre Ideale zu realisieren: die Emanzipation des Bauernstandes , ist in Oesterreich ihr wichtigstes s o z i a 1 e s Ergebnis. Muß erst be wiesen Wefelen, s welch' einen Fortschritt die Bauern befreiung im Vergleich zu der Lage der Bauernschaft im Vormärz gezeitigt hat? Was bedeutet denn das Ende der Hörigkeit, der bäuerlichen Unfreiheit? Nichts anderes, als daß nunmehr der Bauer die Frei 'heit der Wahl des Berufes, des Aufenthaltes, der Heirat hat, daß seine wirtschaftliche Knechtung durch den Gutsherrn ein Ende findet und damit seine Pflicht zur Robot: der freie Bauer steht über dem Hörigen des Vormärz ebenso hoch, wie der Hörige über dem Sklaven der Antike! Verfolgte die Bauernschaft in der Revolution 1848 im wesentlichen ökonomische Ziele, war die städtische Bevölkerung vor allem von politischen Idealen bewegt: es war, das junge, ökonomisch saturierte .Bürgertum, das hier den: Inhalt der revolutionären Losungen bestimmte, denn die Klasse des Proletariats war .'noch zu 'schwach, um auf den Gang der' Ereignisse im Sinne spezifisch proletarischer Ziele '■ entscheidenden Einfluß zu gewinnen. In e i n e r- Front kämpften in Wien Arbeiter und Bürger gegen das Metter- .nichsche Herrschaftssystem, gegen die Privilegien des Adels, um das Recht des Volkes zur Gesetzgebung,!um die politische Demokratie. Das revolutionäre Wien wird zwar von Windischgrätz erobert: trotzdem bedeutet auch die von der Reaktion „aus eigener kaiserlicher Macht" erlassene Verfassung einen Fortschritt gegenüber den politischen Zuständen, des Vormärz^ indem sie wenigstens dem Bürgertum den Weg zur Macht eröffnet. Nun aber setzt jene für. die inner politische Geschichte aller europäischen Staaten typische Entwicklung ein. Das Bürgertum —schon während der Revolution schwankend geworden — wird seinen Idealen untreu und verweigert dem Proletariat den Anteil am 'Staate; in einem opferreichen' Kampfe erobert die 'österreichische Arbeiterschaft erst im Jahre 1907 das allgemeine Wahlrecht, begründet 1918 die demokratische Republik und gestaltet damit erst den Staat zu einem für die dem ökratisc he Verwirklichung des Sozialismus geeigneten Instrument. Denn daß die Ideale der Freiheit und Gleichheit erst in der sozialistischen Lebensordnung ihre volle Regalität gewinnen können, das «lehrt uns heute'jeder Tag, da die Ungleichheit des Besitzes den Wert politischer "Rechte immer mehr problematisch macht. Wenn wir aber heute von der, klassenlosen Gesell-' schaft als der Aufgabe unseres Jahrhunderts sprechen dürfen, danken wir es den Helden von: 1848, die 'durch; ihre Taten der. Entwicklung einen mächtigen' Antrieb gegeben haben! Wir würden! unsere Märzbetrachtung als Torso, empfinden,'wenn wir nicht der Frucht gedenken würden, die die; Revolution der Juden heit gebracht hat: der Emanzipation. Es war dies kein Geschenk, die jüdische Jugend hat' wie immer auch damals ihre revolutionäre Pflicht erkannt und erfüllt. Man hat -vonfdes-j sich' ..vielfach gewöhnt, die Emfinzipation mit scheelen Augen zu betrachten, weil sie die .Assimilation des Westjudentums gefördert \ia.t; Abgesehen davon, daß eine; solche Stellungnahme v;on' wenig historischem Sinjn zeugt — Judentum warv-d a m a l s wirklich mit jüdischer Religion;- identis<ph;.iunjd- 'nichts mehr als diese, die weltlichen Elemente der jüdischen Kultur, die u n s ans Judentum, binden Ansätzen vorhanden, — erinnern wir uns dpeh;nu,r der rechtlichen Beschränkungen, die vor allem' auf dem österreichischen Judentums lasteten, des schändlichen Treibens des Judenamtes in Wien, dann werden wir wohl vor einer Geringschätzung des Fortschrittes, den die Märzrevolution auch uns Judep gebracht hat, behütet •werden! ' ' Gewiß: die wirtschaftliche Gleichberechtigung ist auch heute noch für. die Juolenschaft Europas Ziel eines schweren Kampfes.. Niöht nur im Osten, wo das jüdische Proletariat eine| schweren Kämpf .um Arbeit -führt, auch in Deutschland, wo nach, dem Worte eines'einwandfreien Zeugen und typischen Vertreters der jüdisch-assimilatorisfjhen Linkswelt, des vorzüglichen Wirtschaftskenners Morus-Levinsohn Juden yerwaltungsräte, aber keine Schalterbeamten werden können. Auch hier erkennen;,wir: die Ziele der .Revolution .liegen noch vor uns.'Arbeitend für die Sache ü^isehei*--I^tetariate-; hern und uns so der Helden von; 1848 würdig erweisen! M. Beil in so h n (Tel-Aviv): . Das „siebte* /ominion Im (nachziehenden?' bringen wir. gekürzt ''einen" ^Artikel des Gen. 'Beilrnisobn aus der „Jüd. Rundschau", der' zu dem aktuellen Problem kritisch Stellung nimmt. . Die Red. Der Freund der zionistischen Sache, Col. Wedgwopd, machte vor einigen Monaten, in einem Buche, den Vorschlag, Palästina zu einem Dominion des . britischen ' Weltreiches zu erklären. Diejenigen, die den Plan von Wedgwood zu unterstützen bereit. sind," und vor' allem Wedgwood selbst, gehen'von einer sehr, einfachen Ueberlegürig aus: England würde der jüdischen Kolonisation eine viel größere Hilfe angedeihen lassen, wenn es feststünde und von den Juden angenommen wäre, daß Palästina für immer im; englischen Reiche zu'verbleiben hat. Für die Juden ihrerseits würde es sich lohnen, diese Verpflichtung zu übernehmen, da sie dafür die aktive" englische Unterstützung bekämen, die von ihnen angestrebte Selbständigkeit kaum darunter leiden würde. Hält diese Ueberlegung einer nüchternen, wirklichkeitstreuen politischen Prüfung stand? ' ' ' Vorausgesetzt/ daß das Verbleiben Palästinas im britischen Reiche den englischen Wünschen entspricht, ist eines von beiden anzunehmen: entweder ist England sich' dessen bewußt, daß die jüdische Kolonisation . in Palästina, die Schaffung des jüdischen Nationalheimes, mit englischer Hilfe, unter englischer Aufsicht, diesern englischen Ziele förderlich ist öder' es legt keinen großen Wert auf den jüdischen Faktor und sucht andere Wege zu seiner Verankerung im Lande. In beiden Fällen hat es eine Ae'nderung der bestehenden internationalen Lage nicht nötig, und' die Zustimmung der Juden zu einer Dominion-Erklärunig wird ihre tatsächliche Stellung kaum stärken. Wenn England diejenigen Verpflichtungen, die mit Annahme des Mandates verbunden waren und! sind, anerkennt und auf die jüdische Siedlung, als seinen Stützpunkt, ."^ert legt, dann gibt ihm die gegenwärtige Verwaltung die volle Möglichkeit, den Juden zu helfen und ihre Arbeit zu fördern. Änderer- , seits: ist für England die Mandats-Verpflichtung nichts als ein „Fetzen Papier" und die jüdische Siedlung für seine Zwecke wertlos, dann wird es auch in der Dominion-Erklärung keine neuen Antriebe für eine besondere Anstrengung finden. Andererseits: eine- Aenderung in der •.internationalen; Lage würde das englische Spiel, nur verderben, immer vorausgesetzt, daß es ein „Spiel" spielt und nicht für die Mandatsperiode und nicht zu den Mandatszielen nach Palästina gekommen ist. Solche Aen- > derung ist* unvermeidlicherweise mit Neueröffriung ■ "," der ganzen palästinensischen Frage verbunden, mit' Wiedererwachen der inzwischen eingeschlafenen Aspirationen, mit Schwierigkeiten dem Völkerbunde gegenüber, mit eventuellen Kompensationen an andere " Großmächte (Frankreich und Italien) für diese Ver-: größerung des englischen „Eigentums", mit Verschärfung des. religiösen Problems (Vatikan) verbunden1. •. Noch mehr als für England ist der Dominionr - -ö . ■ . , .. -.. Gedanke vom Standpunkte der zionistischen Bewegung strittig. Viele Argumente, die England'von d<?r- Annahme dieses Gedankens abhalten' sollten, stehen auch für den Zionismus, und zwar in noch* verstärktem Maße. -Auch: Neueröffnung der internationalen Diskussion über Palästina *' in Frankreich,. in Italien, in der katholischen Welt und am wenigsten unter den arabischen Völkern nötig.'Der Verzicht auf den Völkerbund bedeutet für England gewisse Schwierigkeiten. in der Stunde des Uebergangs von einer internationalen Lage zu einer anderen. Für den Zionismus würden diese Schwierigkeiten auch nach dem Uebergange : bestehen, um so mehr, als die Zionistische Organisation, eine —. im Vergleich mit der größten Macht der Welt — schwache Vertretung eines schwachen Volkes, sozusagen allein mit dieser größten Macht bleiben würde, ohne die Möglichkeit eines internationalen Appells für Hilfe, Unterstützung und Verteidigung. ' .' Die Freude des „siebenten Dominions" weisen auf Kanada, Südafrika usw.'-hin, und 'fragen die Juden : geht es diesen Ländern schlecht? Seht, was es heißt, ein britisches Dominion zu sein! Mit Argumenten - solcher Art wird nur die Abstraktheit dieses politischen Gedankens aufgedeckt. Diesen Ländern geht esgut, nicht weil sie Dominions heißen, sondern umgekehrtsie sind aus Kolonien zu Dominions geworden, weil es ihnen „gut ging", weil sie 'eine Macht sind, die das Mutterland dazu gezwungen hat, mit ihnen zu rechnen und ihnen die völlige innere Autonomie zu lassen. Wird das jüdische Palästina diese Machtstufe nicht erreichen, dann wird es zueiner englischen Kolonie degradiert,'insbesondere wenn es Vor der Ankunft Dr. Preuß. Der Leiter des; statistischen Departements der palästinensischen Arbeiterorganisation, Dr. Walter Preuß, trifft am 5. April d. j. in Wien als Gast des Vereines der Freunde des arbeitenden Palästina ein und wird in einer Reihe von Versammlungensprechen.- Dr. Preuß, dem der Ruf eines gediegenen Kenners des Landes, der Arbeiterorganisation und deren Probleme vorangeht, wird in Wien 'eine - dankbare Zuhörerschaft finden; Dies um, so mehr als Genosse Preuß erst vor kurzem in Europa eintraf und daher die Möglichkeit hatte, die Probleme des Landes während und nach der letzten Krise, einer neuerlichen gründlichen Untersuchung zu unterziehen..

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