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Der Jüdische Arbeiter · 1929-01-15 · Heft 1 (15.1.1929) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
6 (1929)
Issue
Heft 1 (15.1.1929)
Date
1929-01-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Der jüdische Arbeiter Konferenz der Freunde des arbeitenden Palästina Deutschlands Am 29. und 30. Dezember 1928 fand in Berlin, im Bürgersaal des Bathauses, die Konferenz der Freunde des arbeitenden Palästinas statt, die von einem vorbereitenden Komitee einberufen war, um alle Kreise, die innerhalb des organisierten Zionismus und aus den Kreisen der jüdischen Sozialisten in Deutschland sich1 um das Werk der palästinensischen Arbeiterschaft gruppieren, zu vereinigen. Die Konferenz wa,r von Delegierten aus allen Teilen Deutschlands stark besucht, insbesondere aus den Kreisen fler zionistisch^sozialistischen und der allgemein sozialistisch-jüdischen Jugend. Der Eröffnungsabend fand vor überfülltem Saale bei etwa 700 Teilnehmern und Gästen statt. Nach' der Eröffnung durch' Fritz Naftali-Ber Icn. ergriff zunächst Josef S pr inzak - Pal ä s ti na das;Worfc und begrüßte in hebräischer Sprache im Namen der jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas die Konferenz, •im dieser Begrüßung wurden die Beweggründe der palästinensischen Arbeiterschaft zum Ruf zur Sammlung aller Kräfte; die nächsten Perspektiven des Aufbaues in Pä- •sfcina aufgezeigt, und1 weiche Kräfte notwendig sind, um iß. Zukunft den Einfluß der Tendenzen der Arbeiterschaft innerhalb dieses' Aufbaues zu verstärken1. .' , Hierauf .folgte der Vortrag von Dr. Martin Buber- Heppenheim über das Thema: Warum soll der zionistische Aufbau Palästinas sozialistisch sein? Der Referent ' setzte sich' in seinen Ausführungen eingehend mit den ' Problemen: der Verwirklichung sozialistischen Lebens auseinander und analysierte das neue Gebilde der palästi- nensischen Arbeiterschaft und stellte die Forderung des Sozialistischen Aufbaues im ' Land als den Hauptpfeiler 'der zionistischen Verwirklichtung im Rahmen der histo- ^Sachen Gegebenheiten der Gegenwart dar. .'. ' Als letzter sprach am Eröffnungsabend Josef ,';Baraz-Daganiah (Palästina) über Probleme der Kwu- zah, der Giemeinschaftssiedlung der palästinensischen Arbeiterschaft. V, . Die. zweite Sitzung der Konferenz, am Sonntag vormittag, fand unter; Leitung von Arnold Zweig- Berlin statt. Als erster Redner stellte Fritz Naft.aIi-Berlin die sozialistische Wirtschaftspolilik "in Palästina dar und tfetzte sich; unter dem Gesichtspunkt der tatsächlichen Verwirklichung mit den - einzeihen Schritten des konstruktiven' Arbeiterwerkes in Palästina auseinander.. Hierauf Sprach Da vid'Re mes-Paläs tinä über den Stand der kolonisatorischen Tätigkeit, der Arbeiterschaft in Palästina. Xür wies insbesondere die Angriffe zurück, die von selten 'der -mchtsozialistischen Kreise dm .Zionismus! gegen das Ärbeifcerwerk erhoben werden. In der Diskussion sprachen' Repräsentanten der verst&iiedensten Richtungen in der Konferenz, die von ihrem ^Gesichtspunkt aus dos Werk der palästinensischen Arbeitertföhaft würdigten und ihm ihre Bereitschaft zur Mitwirkung a& ■■• der zu schaffenden Liga für da» arbeitende Palästina "aussprachen. An der Debatte nahmen teil: Arnold Zweig, Julius Kaliski, Alfred Berger, Wilfried Israel, Henrik Landau, der Führer der revolutionären sozialistischen Parteien, Dr. J. N. Steinte r g, die Poaie-Zionisten Rudel und E i s e n s t a d t, die Sprecher des Hapoel Hazair Dr. Weltsch und Dokfcor Noack, die Vertreter der religiösen! Sozialisten, Doktor G-rünfeld, der palästinensische Arbeiter Liebeugt ein, die Sprecher der verschiedenen Jugendorganisationen, Loewenstein, Brachmann, Ostrowsky und Lern er. David Remes setzte sich1 mit den Debatterednem auseinander. * Nach Abschluß der Aussprache referierte Salin an Ruba.sch.ow-Palästina über den vorzubereitenden Weltkongreß für das arbeitende Palästina und die Aufgaben und Grundsätze der zu schaffenden Liga in Deutschland. Seinen Ausführungen gemäß wird die Liga im Prozeß des Aufbaues der jüdischen Heimstätte eintreten für die Nationalisierung des Bodens, für die Kolonisation der Selbstarbeitenden in freier Wahl ihrer Siedlungsform, für die Förderung des Genossenschaftswesens in Stadt und auf 'dem Lande, für die Anerkennung der Organisation der Arbeiterschaft und für die Autonomie ihrer Institutionen, für die Förderung der Arbeiterkultur und für! die Wahrung des freundschaftlichen Zusammenlebens der arabischen \md jüdisohen Bevölkerung. — Die Aufgaben der zu gründenden Liga in Deutschland sollen sein: Zusammenfassung der um das Werk der palästinensischen* Arbeiterschaft gruppierten Kräfte, Information-über die tatsächlichen Gegebenheiten des Landes1 Palästina und des Arbeiterwerkes1, politische und moralische Hilfe durch Mitarbeit an dem •Hauptf onds der palästinensischen Arbeiterschaf t, denk Palästina-Arbeiter-Fond» (PAF.) und durch Vertretung in der Jewish. Agency4 Nachdem die Gründung der Liga proklamiert wurde, verlas der Vorsitzende eine Resolution, die von der Konferenz einstimmig angenommen wurde. Die Resolution werden wir in der nächsten Nummer veröffentlichen. Führertag des T'eheleth-I awan. Vom 1. bis 4, November fand-in Brandeis a. d. Adler der Fühxertag des T'eheleth'-Lawan statt. Es war der erste seit Dezember 1925. Zwischen beiden liegt die Krise: eine Sammlung von bitteren, und wenn auch! ungewollten, so doch zur Kenntnis genommenen Erfahrungen. Diese Zukenntnisuahme der Wirklichkeit bedeutet, ein großen Fortschritt, * *" ' Stärker als jeder landesübliche Zionismus mußten die linksgerichteten Jugendbewegungen unter den Auswirkungen der Krise leiden, well sie mehr forderten und fordern als ein Lippen- oder Päpierbekenntnisi zum „Gedanken der jüdischen Renaissance", nämlich den vollen persönlichen Einsatz für das Aufbauwerk selbst. Menschen, die das vermögen!, sind in Krisenzeiten, natürlich' viel seltener als großsprecherische „Bekenner". Deshalb glaubten die bürgerlichen Zionisten die Legitimation zu besitzen, voi, einem Versagen des T'eheleth- Lawan schreiben zu dürfen. Man lese nur einige Artikel aus der Selbstwehrdisküssion, „um die Jugend", besonders den ersten Artikel, um beurteilen zu können, was1 für Unsinn und Närrischkeiten fabriziert werden, um zu beweisen, . daß der Sozialismus dem Zionismus: nur in bestimmter Dosis „unschädlich" sei. Wir wissen hingegen, daß es da keine willkürliche Dosierung geben kaim. Die Verwirklichung des Zionismus fällt eben in die/Zeit, da die uns umgebenden Völker bereits zur Sozialisierung schreiten, und der Zionismus15 muß daher, auch wenn er nicht wollte, sich mit dem Sozialismus auseinandersetzen. Uns ist der Sozialismus nich^t nur Herzenssache, wir wissen auch, daß' jeder unsozialistische Zionismus^ historisch hoffnungslos und daher (von'einem bestimmten Zeitpunkte an, der heute noch nicht gekommen ist) als) für die jüdische Ztikunft schädlich, zu bekämpfen ist. Ein Blauweißer von : ehedem hätte sich auf diesem Führertag gar nicht zu Hause"gefü:Mt. Da sprach man. doch gar nicht über das „Problem Jugend und Poiitik'V ein, man „politisierte" ja geradezu. Der T/echeleth-Lawan ist nun imstande,, den ursächlichere; Zusammenhang der. gesellschaftlichen Erscheinungen, auch' des Zionismus, zu erkennen, was ihn befähigt, die Krise als eine Periode des Ueberganges, nicht der Liquidation zu werten, gleichsam, als einen Zahlirngsprozeß, der zwar sehr schmerzhaft und mit momentaner Gewichtsabnahme verbunden ist, aber doch das Wachstum des Organismus1 beweist. Neben einigen Sichoth, die interne und Orgauisationsfragen! "behandelten, sind die drei Hauptreferate: „Unser Weg zum Sozialismus" (Jaikew Edelstein), „Die arbeiterzionistische Auffassung von der Lösung der Judenfrage" (Chajim Hoffmann) und1 i„Die politische Situation im Zionismus" (Ohajim Hoffmann). . Es liegt leider nochl kein Protokoll vor, so daß. es nicht möglich ist, den genauen Verlauf der Diskussion zu geben. Ihre Richtung geht aus den Resolutionen ja klar hervor. Es war aber durchaus1 keine abgekartete Geschichte — wie anderswo so oft — die Verfassung der Resolutionen. Unter Kämpfen wurden diese Richtlinien verfaßt. Da lag z. B. ein Antaug vor: „die Mitgliedschaft der Chawerim bei einer Partei ist unerwünscht". (Natürlich1 war die P. Z. gemeint.) Es müßte erst erklärt und gehört werden, bis man über derlei zur Tagesordnung überging. Als zusammenfassendes Ergebnis kann der letzte Satz einer Resolution zitiert werden: „Der Bund verpflichtet seine Chawerim in' Erez-Israel zum Beitritt zur Histadruth Havpdim, in der Galuth zu organisierter zionistischer Arbeit, nach Möglichkeit in einer söziaJa'stasch'-zionistischen Partei." zeugt, daß beispielsweise Herr Dr. Leo Goldhammer, der Präsident des zionistischen Landeskomitees1, diesem Aufruf vor seiner Drucklegung nicht gelesen hat. Die Abfassung des Aufrufes in jiddischer Sprache hat man ganz einfach dem Herrn •Chartiner überlassen. Die zionistische Leitung trifft die Schuld der Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge, Herr Chartiner aber trägt die volle Verantwortung für den verleumderischen Inhalt. Mir ist es ."nicht gleichgültig, wer. solche Stinkbomben in das1 jüdische Wien schleudert. Noch unerträglicher erscheint" es' mir, wenn einer, der Erzieher unserer Jugend sein will, eine solche Untat begeht. * Damit mir aber Herr Chartiner nicht aüskneife, erkläre ich hier, daß ich' über Beweise verfüge, daß er der" Autor dieses verleumderischen Aufrufes ist. Sollte er wagen', es abzustreiten, werde ich' ihn öffentlich1 als Lügner stempeln. . . . Mendel -S inger. Ein Fußtritt Herrn Meier Chartiner „Der jüdische Arbeiter" hat in seiner letzten Nummer einen Aufruf des zionistischen Landeskomitees, welcher die verleumderische Behauptung enthielt, daß die „Werktätigen Juden" in die Kultusgemeinde einziehen, um die Tempel und Bethäuser in Kirchen und Klublokale umzuwandeln, gebrandmarkt. Es wurde hiebei auch behauptet, daß der Autor dieses Aufrufes Herl' Meier Chartinetr ist. In der „Stimme" Nr. 51 meldet sich nun dieser feine Herr xmd glaubt durch! persönliche Beschimpfungen gegen mich1, durch Beleidigung unseres» Orgaues und durch Sichausreden auf das zionistische Landeskomitee, das den erwähnten Aufruf gezeichnet hat, über sein© verleumderische Tat hinwegtäuschen zu können. Er irrt. Die Verleumdung, die dieses1 Flugblatt enthielt, steht ha ilirer Niedrigkeit vereinzelt da. Ich bin davon über-' der Gemeinde Wien Uli Gegenwärtiger Einlagenstand 383 Millionen Schilling Die Gemeinde Wien haftet mit ihrem gesamten Vermögen für alte Einlagen in der Zen- - - - - tralsparkasse Lebensversi eher ungs* Gesellschaft iPHÖNK Zentrale: Wien, L, Rle«ergaase Nr. 2 ~ Verelcherungsfcestand Ende Februar 1928: & 1 6M,O0O.OOO'- _ Garantiemittel Ende 1927: rtJ.OOO.OOO'- Prämien- und Zinieaeinnahmen im Jahre 1927: 71,000.000 — TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutschet Reich, Prankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungar«, Jagoslavlen« BulcarJen.Griet henland Türkei,Aegypten,Palistina. Pensions-Versicherung HfH; mit Rentensutsftmmlung (Rentenbetttg beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früherer BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unreif all barkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs * A k r i e n G e s e 11 s c h a f t frlher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 a Nenöel Singer. \ Der Weg Oes Oisdien Arbeiters 1 zum Sozialismus S Preis S 2.30 ■ Zu beziehen nur durch die Kolportageabteilung der i Jüdischen Arbeiterbildungsstelle II., Blumauergas»© 1 Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantworte Redak^ur: Markus Lachs, Angestellter, Wien, IL, Gr, Sperlga, sse 19. — Druck: „Adjia", Wien, IL, Taborstraße

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