Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- Heft 12 (25.7.1928)
- Date
- 1928-07-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. DER MISCHE ARBEITER Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Deutschlands, Österreichs und der Tschechoslowakei Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien; IL, Blumauergasse 1/11 . Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig . . , 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 12. Wien, 25. Juli 1928. 5. Jahrgang. Die Sitzung des zionistischen Aktionskomitees. Großes Interesse. — Die Zugeständnisse der Exekutive. — Ueberraschungen. — Eine wirkungsvolle Rede des Genossen Kaplansky. — Die Annahme der Beschlüsse der Exekutive wahrscheinlich'. — Eine Anleihe für Palästina unter Garantie des Völkerbundes. Die Sitzung1 des zionistischen Aktionskomitees rief diesmal in der jüdischen Oeffentlichkeit besonders großes Interesse hervor. Die Sitzung ist gut beschickt, die Presse ist stark vertreten und anch die Teilnahrne von Gästen ist eine ungewöhnliche. Unser Verband ist durch die Genossen: Ben-Zwi, Kaplansky, Locker, Mereminsky, Harzfeld und Rubaschow vertreten; Ben-Gmjon wohnte der Leitung! als Vertreter des Waad-L'umi bei. . Prof. Weizmann erörterte in kurzen; Worten das Gutachten der Experten und erklärte, daß es nicht als Ultimatum aufzufassen sei. Er beantragt, das Gutachten mit Befriedigung zur Kenntnis zu nehmen und in zwei Punkten Aenderungen vorzuschlagen. Die Gründung neuer Kwuzotih' soll nicht ausgeschaltet, das. Betätigungsgebiet des Nationalfonds soll nicht eingescriränkt werden. Er verlangte auch die Ziistimmunig zu einer provisorischen; Konstituierung der erweiterten' Jewish' Agen'cy, um das Budget für das laufende Jahr zu sichlem. Die Zugeständnisse der Exekutive verfehlten -ihre Wirkung nicht. Die Vertreter Ostgaliziens, Amerikas, Englands und auch Deutschlands traten für die Verschlage der Exekutive ein, auch die Vertreter der „Misirachi", die gegen das Gutachten wetterten und von einem' „zweiten Uganda" sprachen, erklärten schließlich für die Anträge der Exekutive zu stimmen. Ueberraschend wirkte, claß auch' Dr. Ruppin, der s'charf gegen das Gutachten auftrat, für die Annahme der Anträge der Exekutive eintrat. Gegen die Anträge der Exekutive sprachen die Vertreter der Radikalen Zionisten, der Revisionisten, der Hitachduth, der Poale-Zion und. Usischkm. Im Namen der Poale-Zion hielt Genosse Kaplansky eine langte Rede, die tiefen Eindruck machte. Er zerfaserte das Gutachten der Experten' und warf der Exekutive vor, daß sie an der ungenügenden und einseitigen Zusammensetzunlg der Kommission schuldig sei. 'Während wir diese Zeilen schreiben, liegt das Resultat der Abstimmung über den Bericht der Experten noch nicht vor, doch scheint es bereits festzustehen, daß die Exekutive die gewünschte, klare Mehrheit für ihre Anträge erhalten wird!. * Prof. Weizmann teilte u. a. auch mit, daß die Aussichten für die Aufnahme einer Anleihe für Aufbauzwecke Unter Garantie des Völkerbundes günstig seien, er hoffe, im September ein günstiges Resultat bekanntgeben zu können. Die Parteileitung der ^Poale-Zion" für die Ts eh. S. R.; drück* dem Genossen1 S. Kessler, anläßlich des Todes seiner Schwester, ihr tiefstes Beileid aus. G. Huber, H. Grün * Namens der;,Poalie-Zion* Ortsgruppe Brünn; drücke ich dem Genossen Siegfried Kessler, anläßlich des Todes seiner Schwester, unser tiefstes Beileid aus. J. Morgeaistewi! * Wir sprechen dem Genossen Siegfried Kessler unser tiefstes Beileid; anläßlich' des Ablebens seiner Schwester, aus. Dr. Rudolf Glanlz, Mendel Singer Eine internationale Liga für das arbeitende Palästina, Es ist eine Selbstverständlichkeit, claß wir unsere Energie und Aufmerksamkeit daran wenden, nach den besten Formen zu suchen, um sämtliche Kräfte, und hauptsächlich die jüdischen, zusammenfassen, die zur Stärkung "der Arbeiterpositionen in Palästina ausgenutzt werden können. Um unsere Bewegung herum besteht ohne Zweifel eine große Peripherie, im jüdischen Volke sind noch1 lebendige* Elemente vorh'anden, welche über die Kolonisationsprobleme in Palästina eine klare Vorstellung haben u nd verstehen, daß schließlich nur unsere Methoden imstande sind, das Maximum an positiven Leistungen zu erreichen, natürlich, wenn man die politischen und ökonomischen Bedingungen der Kolonisation mit in Betracht zieht. Der reine Klassenegoismus, die kleinbürgerliche Beschränktheit, wohl auch der Klassenneid und die Unfähigkeit, eine Arbeit mit großem Ausblick zu leiten, führten zu der Mobilmachung sämtlicher der Arbeiterschaft feindlichen Elemente aller Richtungen] und Schattierungen. Nur die bloße Angst, aber kein reales System, bedingte ihre Politik. Die Erfahrungen der letzten Zeit lieefrm hierzu genügend Beweise. Die jüdische Arbeiterschaf*%at ein wirtschaftliches Programm. Auf der Grundlage dieses Programms bemüh! sie sich, sämtliche Elemente — welcher Klasse sie auch angehören —, die den Aufbau Palästinas auf schnellstem Wege verwirklichen wollen, und die begriffen haben, daß der jüdische Jisch'uv jüdische Arbeit in großem Maßstabe bedeutet, zu mobilisieren. Und deshalb seh'en wir uns gezwungen1, eine selbständige Finanzpolitik zu führen und selbständige Fonds zu schaffen. Die Arbeit, welche jetzt in Amerika geleistet wird, muß uns als Beispiel dienen. Es sind außer Nordamerika noch viele Länder vorh'anden, wo eine ähnliche Arbeit gefü'h'rt werden kann : Südamerika (Argentinien, Brasilien), Südafrika und Europa selbst. Diese muß jetzt mit der größten Schnelligkeit gemacht werden. Zu dieser unserer Finanzarbeit, zur Durchführung unserer konkreten Wirtsch'aftspläne, müssen wir sämtliche lebendigen Kräfte, sowohl im Zionismus, wie auch außerhalb desselben 'heranziehen. Hiermit schließt sich' jedoch bei weitem nicht der Kreis unserer selbständigen Aufgaben. Wir müssen auch die nich'tjüdisc'he Welt gewinnen. Wir müssen' auch' unsere selbständige Propaganda führen, die internationale gesellschaftliche Meinung der Demokratie, und in erster Linie der sozialistischen Demokratie, wecken und beeinflussen. Diese Propaganda führen wir schon seit langer Zeit, noch vor dem Kriege und hauptsächlich' seit der Zusammenkunft der sozialistischen Parteien in Stockholm. Das Stockholmer Manifest formulierte unsere Forderungen zum Friedenskongreß. Seitdem ist vieles in dieser Hinsicht mit grofliem Erfolg geschaffen worden. Der Poale-Zionismus wurde zum gleichberechtigten Mitglied des internationalen Sozialismus. Jetzt müssen die Propagandamethoden geändert werden. Es handelt sich' nun um Werbung von Sympathien und Unterstützung für unsere konkreten Aufgaben. In allen Ländern müssen spezielle Komitees von Vertretern der sozialistischen Parteien und Vertretern der demokratischen Elemente gegründet werden, die sich' zur Aufgabe stellen, unsere Jdeen in der breiten Oeffentlichkeit zu propagieren. Die Bedeutung einer solchen Propaganda im Sinne der Beeinflussung der maßgebenden Regierungen und Institutionen, wie Völkerbund, Internationales Arbeitsamt usw. ist gar nicht zu übersehen. Ein solches Komitee besteht bereits in Frankreichs Ihm geh'ören die angesehendsten Persönlichkeiten der sozialistischen Partei (Blum, Renaudel, Mounot) und einige bekannte bürgerliche Radikale an. Ein ähnliches Komitee existiert auch' in Deutschland unter der Beteiligung von Löbe, Bernstein, Oscar Kohn und andere. Dieser Tage ist auch' in Belgien ein solches Komitee unter der Führung von Vandervelde und de Brouckere, die in der internationalen Politik eine große Rolle spielen, gegründet worden. Es ist jetzt sicherlich nicht schwer, ähnliche Komitees auch in England und in den Vereinigten Staaten ins Leben zu rufen.. Solche Komitees wären imstande, auch' die zweite Aufgabe zu erfüllen: Aktive Sympathien für unsere wirtschaftlichen Schöpfungen in Palästina, die zweifellös ein für die ganze Welt durchaus interessantes soziales Experiment darstellen, zu schaffen. Dies verstehen die sozialistischen Führer sehr gut, es ist auch' die Möglichkeit nicht ausgeschlossen,, dank dieser 'Sympathien von1 wirtschaftlichen Arbeiterinstitution'en eine bedeutende materielle Hilfe zu erhalten.;:; Wenn rdiese Komitees bereits in vielen Ländern bestehen, müßten sie in eine internationale Liga zun Unterstützung der politischen und wirtschaftlich'enj Tätigkeit der jüdischen Arbeiterschaft für und in Palästina vereinigt werden. Das muß aber sofort geschehen. Es wäre gut, wenn auf dem nächsten internationalen sozialistischen Kongreß, der im Monat August d. J. in Brüssel zusammentreten wird, ein provisorisches Komitee von einer solchen internationalen Liga gebildet werden könnte. Auf diesem Kongreß werden doch die führen-' den Persönlichketien vertreten sein, welche ihre Sympathien unserer Sache gegenüber oft genug bekanntgegeben haben und sicher ihre Zustimmung zum Beitritt ins Komitee geben werden. Jeder von uns begreift wohl die Bedeutung einer solchen Arbeit. Es handelt sich nicht allein 'um eine moralische Unterstützung, wenn auch dies schon genügen würde. Diese Propaganda wird auch einem großen praktischen Wert haben. Wir leben im einer Zeit, wo der Sozialismus jeden Tag zum Teil oder ganz zur Macht kommen kann. Und wenn einmal die Mitglieder von unseren Komitees die Führer der nationalen und internationalen: Politik werden, dann könnte unsere Arbeit das Maximum an aktiver Mithilfe erlangen. Aber auch bis dahin kann uns die sozialistische und demokratische Oeffentlichkeit die Lösung unserer Aufgaben vielfach erleichtern durch Einflußnahme auf die Kräfte, die in großem Maße den Entwicklungsgang unserer Kolonisation bestimmen. Auch die zionistische Welt würde unseren Forderungen viel mehr Rechnung tragen, wenn sie wüßte, daß hinter uns ein großer internationaler Faktor steht. Man muß schnell ans Werk gehen. In sämtlichen Ländern müssen Komitees, haupTsächlic'h1 von sozialistischen, aber auch von bürgerlich-demokratischen Elementen, welche für unsere Tätigkeit Sympathien 'hegen, geschaffen werden, damit wir imstande sind, so schnell als möglich die internationale Liga für das arbeitende Palästina ins Leben zu rufen. M. Jarblum. „Jüdisches Volksblatt." Unter diesem Namen erscheint seit einiger Zeit in Leipzig ein Wochenblatt. Die bis jetzt erschienenen1 Nummern machen; einen vorzüglichen Eindruck. Das »Wochenblatt wird im wahrhaft demokratischen, är-> beiterfreundlich'en Geiste geleitet.