Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- Heft 4 (20.3.1928)
- Date
- 1928-03-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Der jüdische Arbeiter Nr. 4 nicht nur mifc den Kräften der Arbeiter allein, sondern «ich mit der Hilfe weiterer bedeutender gesellsclinftlicher Faktoren, anzukämpfen, Gebrauch zu machen. Wenn diese «rwahnten Institutionen darauf eingehen würden, würde *» für die Arbeiterorganisation sich lohnen, sich dieser Sache anzunehmen und sich zu bemühen, in dieser Hinsüchh wirksam zu sein. M. Bcilinson. „Mensch, nicht Jude!" Nebeni den Menschen, die nicht sehen können, gibt es solche, dio gewisse Dinge und Erscheinungen nicht, sehen, «roltan. Das Nichtsehenwollen möchten wir als Mildoruugs- ^*rond für Johann .Ferch bezüglich seiner Stellungnahme zur ♦fuidenfrage (Johann Ferch: „Mensch, nicht Jude!", Vorlag Oldenburg, Leipzig) anführen. Wir können nicht annehmen, daß Ferch nichts von der -nationalen' Renaissance im jüdischen Volke weiß, daß er rtooh nichts von den sozialistischen jüdischen Parteien, vom arbeitenden Palästina gehört hat. Wenn er abixr trotzdem inS jüdischen Leben nur schwarze Orthodoxie, klerikalen .Fanatismus einerseits und assimilierte Jugend andererseits Äieht, kann man nur zu seiner Rechtfertigung annehmen, '«Daß diesem freidenkerisch-tendenziösen Schriftsteller das Verständnis für das Weltlich, Neue, Junge im Judentum .abgeht. Was soll man aber darüber sagen, wenn er seinem Zio- TOffbon Mandl das höchste Ideal des Zionismus mit den Worten charakterisieren läßt: „Der rekonstruierte Tempel Jerusalems ... So war er und so muß er wieder werden 1" 7 Man darf ja verlangen, daß ein Autor, der über Juden frage und Xionismus schreibt, zwei zionistische Broschüren durchlesen •soll. Wenn er es getan hätte, würde er diesen Unsinn nicht vModerechreibeii. Es ist sehr bedauerlich, daß man derartig entstellende vHehiHerungen den Arbeitern als Romane mit freidenkerischer . Tendenz unterschiebt. Diese Einstallung zu Juden und Judentum ist weder frei, noch hat sie mit Denken etwas gemein. —nj. Der Gang zum Grabe der Märzgefallenen. »Sonntag, den 11. März, vormittags veranstalteten wir •oimrx Gang zum G rabe der Märzgefallenen und Adolf Fischhoffs. ■Am-Grabe der- Märzgefallenen legte unsere Deputation .'»imen Kranz im Auftrag© unserer Organisation nieder. Am Grabe Adolf Fisehhoffs legte unsere Deputation ebenfalls ninen Kranz nieder und Genosse Singer .würdigte in kurzen Worten! die Bedeutung der Juden und insbesondevo Adolf Fischhofs für die Revolution dos Jahres 1848. Die klassenbewußten! jüdischen Arbeiter — schloß Genosse Singer — «ind heutzutage die einzigen Juden, die der revolutionären Fahne der Juden-Revolutionäre des Jahlres .1848 treu geblieben sind. Unsere Märzfeier. Am Sonntag, den 11. März, 8 Uhr abends, fan& in ■tms^rem Saale in der Blumauergass© eine Feier der März- ■jiowiutiori' 1848 statt. Die Feier wurde eröffnet mit dem Lied© der russischen Revolution: „Unsterbliche Opfer, ihr aaukeü dahin...", vorgetragen vom Ciliar unserer Jugendlichen) unter Leitung des Gen. Honig. Das Violinkonzert uind! dio Rezitationen (Violine: Schuster, Rezitationen: Lin-denfold) brachten das Publikum so recht in feierliche Stimmung. Der sehr gelungen© Vortrag des Klavier- ' Stückes von Schumann: „Aufschwung", durch Gen. Haar, reihte sich' den Produktionen würdig an. Nach einem Chlore: „Brüder und Schwestex*n" sprach Gen. Dr. Sokal .über die Märzrevolution 1818. Er zeigte die Unterschiede nuf, die zwischen dem Bürgertum von damals und dem houti« •gern besteht. Die damaligen Verhältnisse zwangen das Bürgertum zur Revolution. Heute ist das Bürgertum konservativ ^ünd i©alctionär. Auch die jüdische Studentenschaft ist heute ' nicht .mehr revolutionär und fortschrittlich, vielmehr ist . ad© 'in. so mancher Hinsicht chauvinistisch. Nach einem 7.W©iten! Violinvortrag und •nach den Rezitationen des Ger. Fis olier, der jüdische Freiheitsdichtungen vortrug,' die mit' besonderem Beifall aufgenommen wurden, brachte GewxssLn 'Haar den Rakoczi-Marsch von Liszt auf dem Klavier zum Vortrag. Gen. Lindenfeld rezitierte dann das bekannte 'Gedicht von Petzold vom Oberkanonier Pollet. Mit dem Lied ■«der „Schwieh" wurde die überaus gelungene und zahlreich; iiosuchtö Feier geschlossen. Erwin Hausenberg'. Vorlesung Jehuda Ehrenkranz. Am Dienstag1, den 13. Marz, las1 Jehuda Ehrenkranz im 'Festsaal der Hofburg1 aus der jiddischen Literatur. Der dicht besetzte Festsaal, die Begeisterung, die die zahlreich vertretene Jugend dem jun- . gen Künstler entgegenbrachte, waren herzerfreuend.;Hunedrte jüdischer Menschen füllen allabendlich die drei jiddischen Bühnen, die wir in Wien besitzen. ..Hunderte jüdischer Menschen lauschen der Vorlesung aus der jiddischen Literatur. Dieses vorhandene Interesse für das jiddische Wort, für die jiddische Kunst deutet auf wichtige Entwicklungsmöglichkeiten hin. Allerdings sind die Besucher bei Jehuda Ehrenkranz auf ihre Rechnung gekommen. Seine Vorlesungen sind eine künstlerische Leistung ersten Ranges. Eh renkranz besitzt ein wohlklingendes, modulationsfähiges Organ. Seine Vorlesung ist eine vollendete bildliche Gestaltung. Durchdacht variiert er Poesie von Prosa, Perez' chasidistische Extase („Mkibulim") von Schülern Aleychems Humen („Der Dajtsch"). Ehrenkranz sollte sich nur hüten, zu kitschigen Produkten zu greifen. Das gilt vom Kapitel eines Romanes von Ben-Jochewed, das er vorgelesen hat. Es war ein genußreicher Abend. Menachem. Das Schicksat des jüdischen Kunsttheaters. (Ein kurzes Nachwort zum Gastspiel der „Habimah".) Dio „Habimah" stattete uns einen kurzen Besuch ab. Sie brachte nichts neues. Wohltuend war nur, daß wir feststellen konnten, der Abfall einiger Mitglieder hat dieses sehr interessante Ensemble nicht geschwächt. Aber wir können und dürfen uns mit dieser Feststellung" nicht bescheiden. Die „Habimah" versprach vor zwei Jahren viel und man durfte von ihr neue große künstlerische Leistungen erwarten. Das Versagen der „Habimah" in diesem Punkte rollt vor uns das Problem de3 jüdischen Kunsttbeaters überhaupt auf. Während es in allen Städten mit ansehnlicher jüdischer Bevölkerung gut gehende jüdische Operettenbühnen gibt, wollte nirgends , ein Versuch mit einem jüdischen Kunsttheater gelingen. In Warschau, New-York und Wien bestanden einige Zeit jüdische Kunstthieator, keines konnte sich auf die Dauer behaupten. Die „Wilnear" und ihre Nachfolger mußten Warschau auf Nimmerwiedersehen verlassen, die Schauspieler der „Freien jüdischen Volksbühne" sind fast alle zur Operette zurückgekehrt, das Kunsttheater in Ncw-York mußte den Operettenropertoire bedeutende Zugeständnisse machen. Jene Ensembles, die vor der Operette und vor den sonstigen Schundstücken nicht kapitulieren wollten, mußten sich auf die Wanderschaft begeben, um das jüdische Publikum vieler' Länder heranzulocken. Diese wandernden Künstlertruppen haben zweifellos eine wichtige Funktion erfüllt, aber der Preis war zu hoch. Auf der Wanderung ist ihnen der schöpferisch© Geist abhanden gekommen. Das ewige Gastspielen hat geistige Sterilität herbeigeführt. Dieses Schicksal teilt die „Habimah" mit der „Wilnaer Truppe". ' Welche sind die Gründe der erlittenen Schlappen? Warum konnte bis heute keines der erwähnten Kunsttheate.r bodenständig werden? Ist das jüdische Theaterpublilcum für diese Kunst noch nicht reif? Ist die Theaterkunst an sich volksfremd, zu viel Nachahmung? Ist es darauf zurückzuführen1, daß die jüdische Intelligenz und der intelligente Teil des jüdischen Bürgertums das jüdische Theater meiden? Oder ist es eine der vielen Erscheinungen der jüdischen Bodenlosigkcit? Und gerade, weil diese Versuche ernsten nationalen Charakter tragen, liaben sie unter der Extorriterritorialität 'des jüdischen Volkes besonders zu leiden? Diese und ähnliche Fragen drängen sich auf. Wer mag sie im Handumdrehen zu beantworten? Eines scheint festzxxstehen: Das jüdische Kunsttheatei' kaum .sich nur entwickeln, wenn es in der jüdischen Masse Wurzel fassen wird, wenn es in einem jüdischen Milieu bodenständig werden wird. Das lehren uns die Beispiele der „Wilnaov Truppe" und der „Habimah". „Ilanscborer." wnrTyrff«V.lrtv.^^ii«MT>tlJni ■jg Aus unserer Organisation R i ldung s s teile. Unsero Organisationsleitung hat auf Antrag des Gen. Halpern beschlossen, eine Bildungsstelle ins Leben zu rufen, dio die Aufgabe haben wird, die Bildungsarbeit der jüd. sozialistischen Organisationen von einer zentralen Stelle aus zu leiten. Dieser Stelle haben sich bis jetzt der „Hechnluz" und der „Verein der Freunde des arbeitenden Palästina" angeschlossen. Wir bitten schon jetzt, dem Sekretariat Namen und Adressen von Vortragenden, die für ans in Betracht kommen, bekanntzugeben, damit wir an sie herantreten können und sie für uns gewinnen. Dasselbe gilt für Rezitatoren. Ii i bl i o t h ek. Unsere Bibliothek ist in der letzten Zeit, ausgestaltet worden. Wir haben Neuanschaffungen, sowohl in deutscher als auch in jiddischer Literatur vorgenommen. Wir machen unsere-Genossen darauf aufmerksam. Die Bibliothek, die von unserer Genossin Katz geleitet wird, ist Montng und Donnerstag in der Zeit von halb 8 bis 9 Uhr abends geöffnet. Ort: Blumauergasso 1. Sohac hkurs. Im Zuge unserer Eeorganisationsarbeiten hui unsere Leitung beschlossen, einen Schachkurs wieder zu eröffnen. Der Scbachklub heißt zum Andenken an unseren unvergeßlichen . Genossen Andermann, der in Palästina von Mörderhand fiel, „Jüdischer Arbeiterschachklub [\ n der nia nn'". Spiel stunden: Montag und Donners tag vom 7—10 Uhr abends im Arbeiterheim, Blumauergass» 1 Anmeldungen bei Gen. Schapira oder Halpern. Propagandistenkurs. Infolge Verhinderung des Referenten muß der Propa^ gandistenkurs verschoben werden. Beginn aller Wahrscheinlichkeit nach, Mittwoch, den 28. März. Die Genossen werde» hiovon noch in einem Bundschreiben benachrichtigt werden Wahlfondsblocks. Wir machen unsere Genossen nochmals auf die für dio bevorstelienden Kultusgemeindewahlen ausgegebene» Blocks zu 10, 20 und 50 Groschen aufmerksam und bitten sie, dieselben rege zu verbreiten. Für das Sekretariat: Halpern. % Mitteilungen d.Bildungsstelle J: Sonntag, den 25. d. M., Führung in der Ausstellung „Sowjetrußland" in den Bäumen des* Hagenbundes, I., Zed litzgasse. Entree 40 Groschen: Treffpunkt präzise halb 10 Uhr vormittags, Blumatter: gasse 1. ens versi c er u ngs* 90 Gesellschaft Leb Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Versicherungsbestand Ende 1927: H l.SOO.OOO.OOO' - GarantlemitiPl Fnde 1927: 8 190.OOO.OOO'- Hrännen- und Zinsent innahinen im Jahre 1927: 8 70,000.000'— TÄTIGKEITSGEBIhT: Oes*erreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien. Spanien, öechoslov. Republik, Pole", Ungarn, Jugnslavien, Bulgarien,Grie henland Türkei,Aegypten,Palästina. Pensions- Versicherung mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60 oder 65. Lebensjahr oder bei frühe« er BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unverfallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs^Ak* ien«Gesellschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 mit kostenlosem Stickunterricht FAHRRÄDER 1928 Auch gegen Teilzahlung!! Reparaturannahme aller Systeme! IX., Liechtensteinstr. 27, IV., Wiedner Hauptstr. 8 Telephon 16-5-64, 16-5-65, 57-109 Schreibmaschinen, Knopfpressen und Zugehör. Sporf¬ und Touristenartikel die Gegenwärtiger Einlagenstand 325 Millionen Schilling Die Gemeinde Wien haftet mit ihrem gesamten Vermögen für alle Einlagen in der Zen- - - - - tralsparkasse - - - - Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantwortl. Redakteur: Josef Goldstaub, Handelsangesfcelltor, Wien, II.,. TaborstraOe 61. — Druck: „Adria", Wien, II., Tahorstraße 52b. '