Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- Heft 4 (20.3.1928)
- Date
- 1928-03-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 Der jüdische Arbeiter Nr. 4 Abei* die Bewegung der jüdischen Arbeiterpioniere wird diese Krise überwinden, wie ihre Kampfgenossen im Lande sie beinahe bereits überwunden haben. Palästina'kann die Pioniere nicht entbehren. Sie allein bilden die Gewähr für den Aufbau des arbeitenden Palästina. Der „Hechaluz" kann mit Stolz auf die bereits geleistete Arbeit zurückbücken, aber die nächste Zukunft wird ihn vor noch größere und wichtigere Aufgaben stellen. Das zionistische Bürgertum schieckt sich an, seinen klassenegoistischen Interessen zuliebe den sozialen Oehalt des zionistischen Ideals zu opfern.,Die Arbeiterschaft wird gezwungen sein, den Zionismus gegen die arbeiterfeindlichen; Teile des bürgerlichen Zionismus zu verteidigen. Der „Hechaluz" wird hiebei eine Hauptstelle spielen. Wir wünschen ihm und uns, daß er sich in diesem Kampfe nicht weniger als in den bisjetzigen Kämpfen bewähren soll. Der „neue Kurs" in der zionistischen Bewegung. D ie ar b ei te r f e i n d 1 i c h e n L ü g e n ver b r e i t e •■ v or Go r i c h t. Dio national-bürgerliche Vereinigung wandte sich am 31. Juli 1927 mit einem Memorandum an die Zionistische Exekutive, in dem behauptet wird, daß in dem Krankenhaus der Arbeiterkrankenkasse in Ein Charod die religiösen Gefühl© der Kranken verspottet und die Kinder am siebenten Tage beschnitten würden, wenn es sich herausweist, daß der Arzt anderweitig beschäftigt ist. Die Beschneddung durch einen Mohel und mit einer religiösen Prozedur werde nicht zugelassen. Die Mutter, die sich der Prozedur in der Form einer bloßen Operation entgegenstellte, werde vom Krankenhaus am achten Tage ausgeschlossen und es seien infolgedessen Fälle von Blutvergiftung und längerer Krankheit vorgekommen. Dio natwnal-.bürgerliche Vereinigung begnügte sich nicht mit diesem Schreiben, sondern begann, diese Verleumdungen bei jeder sich bietenden Gelegenheit in Versammlungen, Briefen und privaten Gesprächen zu verbreiten. Ini der Budgetkommission des 15. Zkxnistenkongresses in Basel wiederholte Herr Izmozik diese Lügen und forderte als Protest gegen die abscheulichen Taten der Krankenkasse, ihr Budget auf 2500 Pfund zu verkleinern. Aus verschiedenen Nachrichten ging hervor, daß diese Verleumdungen auch im Auslande verbreitet werden, wodurch sogar eine gewisse Wirkung auf dio Keren-Ha.jessod-Sammlungen ausgeübt wurde (z. B. in Rheinland-Westfalen). Die Zentrale der Arbeiterkraukenkasse beschloß'deshalb, die Verleumder vor das jüdische Friedensgericht in Haifa zu fordern. Nach vielen Verzögerungen wurde endlich' das Urteil veiöff entlicht. Schon zur Zeit der ■Gerichtsverhandlung war der Vertreter der bürgerlichen Vereinigung gezwungen, eine offizielle Erklärung abzugeben, daß die Beschuldigung der „Blutvergiftung und längerer Krankheit" infolge vorzeitiger Entlassung aus dem Krankenhaus unbegründet, und eine Folge von falschen Gerüchten sei. In bezug auf die ianderori Beschuldigungen drückten sich' die Richter im Urteil folgendermaßen aus: „Die Richter finden, daß die Arb&iterkran'kenkasse von der national-bürgerlichen Vereinigung verleumdet wurde, und diese hat das Recht, eine Vergütung für diese Verleumdung zu fordern." Dies ist eine kleine Einzelheit aus der Lügenh'etz* gegen; die Arbeiterschaft, eine Gelegenheit, bei der der Ursprung der Verleumdungen festgenagelt werden konnte. Wie viele Lügner und Schmutzverbreiter verrichten ih.r finsteres Handwerk hinterhältig, so da,ß sie nicht einmal zur Verantwortung gezogen werden können. Wie die o f f i z ielle ■ z i oni s ti s c h e Bürokratie' die „Neue Rieh tung" interpretiert. . In einem Briefe des Sekretärs der zionistischen Landesorganisation in Jugoslavien an die Zionistische Exekutive im London wurde unter anderem erwähnt, daß in Zagreb Genosse Reiß im Auftrage der Arbeiterorganisation in Jugoslavien eintreffen soll. Der Kassiei-er der Exekutive in London, in dessen Hände der Brief gerichtet wurde, scheute sich nicht, einen Brief an Dr. Licht, den Vorsitzenden der* Zionistischen Organisation in Jugoslavien, zu senden, in dem er, der Kassierer, von Dr. Licht als Mitglied des A. C. fordert, er „solle in der jngoslavischen Organisation Ordnung schaffen" und dem vorbeugen, daß „irgendwelche Einzelpersonen irgendeiner Partei in Palästina", „Aktionen für private Aufgaben! durchführen". Er, der Kassierer, verlange von Dr. Licht, „die Linksrichtung "Im Z. K. der jugoslävisotoen Zionistischen Organisation zu beseitigen". Freilich blieb Dr. Licht dem fleißigen Kassier und seinen merkwürdigen amtlichen Funktionen die Antwort nicht schuldig. Dieser Typus von Menschen hat, scheint es, gerochen, woher jetzt der Wind bläst, und hat, in seinem Bestreben, seinem Vorgesetzten zu gefallen, das Maß übertrieben. Der Hen* Kassierer hat dabei vergessen, daß der Zionistische Kongreß die Aktion des Palästina-Arbeiter-FonJds ausdrücklich legalisiert hat und daß die Arbeiterorganisation im Lande mehr als „irgendeine Partei" darstellt. Und hauptsächlich, daß in der zionistischen Bewegung mehr genügend starke Kräfte vorhanden sind, um die Bewegung vor diesem Typus von Beratern zu schützen. Es dürfte nicht sohndf. sein, wenn sich auch die Herren der Exekutive in London dies merken würden. Martin Buber zu seinem fünfzigsten Geburtstag. Die neu-jüdische Welt feiert jetzt den Festtag eines ihrer Größten: Martin Buber. Buber erschien in der ersten Zeit des politischen Zionismus, als Herzl die Juden zu eigennationalem Bewußtsein aufweckte. Hatte Herzl auch den tiefen Spruch vonder Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland" geprägt, so war es doch nicht mehr als das Aufsuchen eines der formalen Elemente — des Volkes —, das einen „Staat" zu konstituieren' vermöge. Anders erfaßten diese Rückkehr zum Judentum die ostjüdischen Kreise des Zionismus: Judentum war ihnen gegebene Eigenart; sie brauchten nicht erst wieder so zu werden w i e andere Völker, sie waren es in ihrer geschlossenen Eigenart. „Ob ich Judo bin, frage ich genau so wenig, wie dies, warum ich der Sohn meines Vaters", meinte Arhad Haam. Anders im Westen. Eine Generation, hindurchgegangen durch die versuchte Assimilation1 des Judentums, hatte keinen Halt gefunden in dem Geiste anderer Völker, hatte plötzlich sich wieder auf ihr „Jude-Sein" besonnen und war gezwungen, erst wieder nach den Voraussetungen des Judentums „in uns", nach der Verbundenheit des Individuums mit seinem Volke neu zu fragen. 'der sozialistischen Parteien, die die Richtung des sozialistischen Internationalismus, ohne jede Abweichung zu den chauvinistischen Strömungen, einhalten soll, hervor. Er meinte auch, daß diese Taktik für alle sozialistischen Parteien, nicht nur in Sowjetrußland, obligatorisch erklärt werden sollte. Genosse Jahrblum benützte auch diese Tagung, um Fühlung zu nehmen bezüglich der Gründung enies internationalen sozialistischen Komitees für das arbeitende Palästina. „Jüdische Volkszeitung". Vor uns liegt die erste Nummer des Organs der .„Vereinigung werktätiger Juden" — „Jüdische Volkszeitung". Der Name dieser Zeitschrift ist ein Bekenntnis, ihr Inhalt ist sehr reichhaltig. Das Bestreben, zu allen Fragen des jüdischen Wien Stellung zu nehmen, (ist deutlich zu erkennen. Wir begrüßen den neuen Mitkämpfer für die Demokratisierung und den sozialen Fortschritt im jüdischen Wien. 10 Jahre „Hechaluz". » Die Pionierbewegung nach Palästina ist natürlich viel älteren Datums. Abgesehen von der alten Bewegung der „Bilu" hat es in den Jahren 1905—14 iin den meisten Ländern Gruppen von Chaluzim gegeben. Abei' die große Bewegung der Palästinapioniere, die den Grundstock zur gegenwärtigen jüdi- . sehen Arbeiterschaft Palästinas beigestellt hat, ist erst zehn Jahre all Im Laufe der zehn' Jahre hat sich der Hechaluz zum Rückgrat der zionistischen Bewegung, der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas entwickelt. AU das, -was in Palästina erreicht wurde, ist in erster Reihe . den eingewanderten Chaluzim zu verdanken. Die Bewegung der Chaluzim hat auch dem Weg .zur ^organisierten1 jüdischen Arbeiterschaft gefunden. . Der „Hechaluz" orientiert sich in1 allen Ländern auf .•die „Histadruth", die Organisation der jüdischen Ar- . beiterschaft Palästinas. Die Führung! des „Hechaluz" ■hat erkannt, daß man die Palästinapioniere nicht nur beruflich, sondern auch geistig für Palästina vorbereiten muß. Geistigle Vorbereitung für Palästnia heißt aber auch Anschluß an die organisierte jüdische Arbeiterschaft in Palästina. Der „Hechaluz" ist gegenwärtig eine Arbeiterorganisation' im vollsten Sinne des Wortes. Die Bewegung unserer Arbeiterpioniere macht .gegenwärtig eine schwere Krise durch. Tausende jun- Iger Chaluzim warten auf eine Möglichkeit, i:«.ch Palästina gehen zu können, um am Aufbaue des .jüdischen Heimatlandes mitzuwirken, aber die Wirtschaftskrise im Lande hat jede Energie gehemmt und die englische Verwaltung hat die Tore Palästinas verrammelt. Dieser Zustand verurteilt den Hechaluz zum Stillstande in seiner Mitarbeit in Palästina. Palästina-Rundschau. Die Zahl der Arbeiter und Angestellten in Tel- Aviv. — Die Lohnarbeiter in Jerusalem.-. — Die jüdischen Arbeiter in Haifia. Am 19, Januar führte die statistische Abteilung der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation in Tel, Awiw eine Zählung aller beschäftigten Lohnarbeiter (ohne Arbeitslose) durch. Im ganzen wurden 6605 beschäftigte Lohnarbeiter registriert, statt 5107 im Mai. 1927. Von dieser allgemeinen Zahl von 5605 Arbeitern sind beschäftigt: in der Industrie 1447 Arbeiter statt, 1072 im Mai 1927, im Handwerk 533 Lohnarbeiter, in den. Arbeiterkooperativen 213, beim Transport 316 Arbeiter. Die Zahl der Angestellten der Arbeiterorganisation beträgt 230 (237), der Angestellten in den verschiedenen öffentlichen Betrieben 305 (276), der Regierungsanstalten 100, der Banken 129. Es wurden 159 (190) Bauarbeiter gezählt; weiter sind bei den öffentlichen Ar-beiten 380 (387) Arbeiter beschäftigt, in den Schulen 374, in den Heilanstalten 149, in den Apotheken 23, in privaten Büros und Läden 540, als Hausangestellte 539, bei Näh- und Stiokarbeiten» (Heimarbeiterinnen) 102, bei der Straßenreinigung 31, in der Landwirtschaft 86, bei verschiedenen Arbeiten 49. Von den verzeichneten 5605 beschäftigten Lohnarbeitern sind* 3284 Männer und 1254 Frauen im Alter von über 18 Jahren, 344 Männer und 359 Frauen stehen im Alter vom weniger als 18 Jahren (von 414 ist das Alter nicht bekannt). 2519 (63 Prozent) der beschäftigten Arbeiter sind Mitglieder der Arbeiterorganisation. Von 377 Arbeitern ist die Zugehörigkeit zur Arbeiterorganisation nicht festgestellt. Irt dien wichtigsten Berufen ist aber der Prozentsatz der Organisierten viel höher, als der durchschnittliche. Von den Industriearbeitern sind 83 Prozent (1197 Arbeiter) gewerkschaftlich' organisiert, von den in den Ivooperativen beschäftigten 95 Prozent, vn den Transportarbeitern 91 Prozent, von den Bauarbeitern 73 Prozent, von den bei öffentlichen1 Arbeiten beschäftigten 91 Prozent. Der Prozentsatz der organisierten Arbeiter wird durch die Büro- und Handelsangesteilten: (37 Organis ier*te) und die Hausbedienten (17 Prozent) herabgedrückt."' Zur selben Zeit wie in Tel-Awiw wurde auch in Jerusalem durch die statistische Abteilung der Arbeiterorganisation eine Zählung der Lohnarbeiter durchgeführt. Es wurden hier aber nur die Arbeiter in den -industriellem Unternehmungen, den handwerklichen Werkstätten, in -den öffentlichen Arbeiten und die in der Bautätigkeit Beschäftigten verzeichnet, bei letzteren auch die arabischen Arbeiter. Es wurden auch einzelne bei jüdischen Handwerkern arbeitende Araber registriert. In der Industrie und im Mundwerk waren 1258 Lohnarbeiter beschäftigt. Darunter waren: 120 erwachsene Arbeiterinnen, 259 jugendliche Arbeiter, 47 jugendliche Arbeiterinnen und 5 arabische Arbeiter. Laut Beruf waren die Arbeiter in Jerusalem folgendermaßen verteilt: Tischlerei 157 Arbeiter, 99 Jugendliche und 3Araber. Steinmetzen: 87 Arbeiter, 1 Arbeiterin,- 41 jugendliche Arbeiter und 10 jugendliche Arbeiterinnen. Druckerei: 68 Arbeiter, 6 Jugendliche; Bäckerei: 55 Ax'beiter, 3 Jugendliche; Schlosserei: 61 Arbeiter, 42 Jugendliche, Klempner und Spengler 34 Arbeiter und 14 Jugendliche, Schusterei 162 Arbeiter, 22 Jugendliche, 2 Araber. Textil-, Schneiderei- und Stickerei-Betriebe: 33 Arbeiter, 53 Arbeiterinnen und 13 jugendliche Arbeiterinnen; der Rest in verschiedenen Betrieben. Bei den Bauarbeiten wurden 892 beschäftigte jüdische Arbeiter, 4 Jugendliche und 497 arabische Arbeiter registriert. Bei der Verarbeitung von Baumaterialien 124 jüdische Arbeiter, 3 Jugendliche und 76 arabische Arbeiter, beim Straßenbau und anderen öffentlichen Arbeiten 29 jüdische und 57 arabische Arbeiter. Insgesamt wurden also 2353 beschäftigte jüdische Lohnarbeiter in der Industrie, im Handwerk und bei öffentlichen Arbeiten und 746 arabische Arbeiter i-ogistriert. Am 7. und 8. Februar führte die statistische Abteilung der Allgemeinen Arbeiterorganisation in Haifa eine Zählung aller Arbeiter, die an diesem Tage beschäftigt waren, durch'. Es wurden 2691 Arbeiter an ihren Arbeitsstellen verzeichnet. Von1 ihnen waren 619 Fabrikarbeiter (Zementfabrik ,;Nescher", Oelfabrik „Schemen", die großen Mühlen, Rüterbergs Elektrizitätswerk usw.). Von den Fabrikarbeitern waren 538 Männer, 56 Frauen, 25 Jugendliche (darunter 6 Mädchen). Ferner wurden registriert: 293 Lohnarbeiter im Handwerk, 63 in den Arbeiterkooperativen, 94 izn Transportgowerbe, 180 Eisenbahner, 110 Bauarbeiter-, 19 Hafenarbeiter, 127 Straßenärbeiter, 203 landwirtschaftliche Arbeiter (in dieser Zahl sind die Genossen der Kwuza.li Jegur bei Haifa inbegriffen, da ein nicht unbeträchtlicher Teil von ihnen auch in der Stadt arbeitet, 390 Lehrer, Bankbeamten, Regierungsangestellte, Angestellte in privaten und öffentlich* Institutionen, Heilanstalten usw., 261 Handelsangestellte und Privatbeamte, 190 in verschiedenen anderen Berufen. Von den 2691 beschäftigten Arbeitern sind 422 Fraueai und 157 Jugendliche (30 Mädchen). 1858 von allen beschäftigten! Arbeitern (69 Prozent) sind in der Allgemeinen. Jüdischen Arbeiterorganisation Organisiert. Bei 203 ist ihre Zugehörigkeit nicht bekannt.