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Der Jüdische Arbeiter · 1928-03-06 · Heft 3 (6.3.1928) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
5 (1928)
Issue
Heft 3 (6.3.1928)
Date
1928-03-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Vt*Ub*»aoihQ* f. Ii, | '«fei««*«. DER JÜDISCHE ARBEITER Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion find Administration: Wien, II., Blumauergasse 1/11 Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig. 8 1.20 halbjährig . . „ 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 3. Wien, 6. März 1928. 5. Jahrgang. Gedenktage. | Die Iden des März. — Die Opfer von Tel-Choi. Jene Märztage des Jahres 1848 liegen nun adit I (Jahrzehnte hinter uns. Der Geist, der Sinn jener | Revolutionstage ist auch nach so vielen Jahren in uns vergänglich .erhalten'. Die Ereignisse sind unverzüglich, sind ewig, wie die Idee des' Fortschrittes, d!er Revolution. Die Wirtschaftsordnung des Feudalismus war überwunden. Die Aera 'des modernen Kapitalismus hatte begonnen. Das 'vordringende Bürgertum, die junge, kampffrohe, moderne Arbeiterschaft konnte die Fesseln der Herrschaft 'der Feudalen nicht länger ertragen. Verfassung und Verwaltung sind ein .Hemmschuh' für die freie Entfaltung der materiellen und 'geistigen Kultur geworden. Aber die Machthaber der sterbenden feudalen Welt dachten nicht 'daran, ihre Positionen freiwillig zu räumen. Hartnäckig hielten sie an der Macht fest,' scheuten keine Ogfer an Gut und Blut, um .ihre Herrschaft über die Völker aufrecht zu erhalten. Aber das Rad der Geschichte kann nicht aufgehalten werden. Die Herrsdher der neuen Wirtschaftsordnung, die Pioniere einer neuen Welt, mobilisierten ihre junge Stürmende Macht gegen die Macht der Finsternis, der Reaktion.. Ueb'er.. Rümmer „zerstörten Mens'dhenguts, über Häufen menschliche^ Leidhen gelangten die neuen Herrscher zu ihrer Madht. Das ist der .Weg, der einzige Weg, der die Welt und die Menschen vorwärts' bringt. Der Weg der Revolution. Schulter an Schulter kämpften Bürger und Prolet gegen den gemeinsame» Feind — der Feudalismus. Die Arbeiter meinten nun1, daßi die Abschütte^. lurig des Joches des Feudalismus . auch ihnen Erlösung aus der Lohnsklaverei bringen wird, daß sie nunmehr in brüderlidher Gemeinschaft mit ihren bürgerlichen Kampfgenossen die neue Welt auf gerechten Grundsätzen errichten werden, daß es Herren und Sklaven nie mehr geben wird. Das war eine Illusion. Die Aufhebung jeder Sklaverei, dije Errichtung der Welt auf der Grundlage der Arbeit, blieb' künftigem Jahrhunderten vorbehalten. D|e Arbeitersidhaft mußte in jenen Märztagjen nur ihre Revolutionstaufe empfangen. ' Acht Jahrzehnte rüstet nun die Arbeiterschaft zu |ener großen eltzten Revolution dieser Art, um die Illusion des Jahres 1848 in Wirklichkeit zu verwandeln. Wir sind diesem erhabenen Ziele der Erlösung der Welt und der Mens'chen aus' den^ Fesseln jeder Sklaverei bedeutend nähergerückt, aber der Weg ist noch immer lang und beschwerlich. Wir werden ihn um so leichter und rascher 'durchschreiten', je lebendiger in uns erhalten bleiben werden1: dfe Iden des März. * Die Siedlungen im äußersten Norden Palästinas besitzen einen merkwürdigen Zauber. „Kfar Giladi" fesselt durch seine romantische Lage im Gebirge und seine ibunte Ueppigkeit. Was1 Wunder, daß: jene Sijedlungspunkte i'm oberen Galiläa der .jüdischen Arbeiterschaft des Landes so lieb, ja heilig sind. Diese Arbeitersiedlungen waren auch der Schauplatz der blutigen Ereignisse des Jahres 1920. Beduinen und sonstige arabische Räuberbanden, durch den (Krieg urid die französisch-englisChie RSvati- .- tat aufgehetzt, überfielen in den letzten Februartagen djes Jähret »1920 düe 'ruhige, blühende Arbeitersiedlung y/Ilel-Chaf in (der NShe von „Kfar Gfädi". Mord und Plünderung war das Ziel der Banden. Sie waren In großer Zahl und gut bewaffnet herangerückt. In „Tel-Chaj" befarid sich .ein Häuflein jüdischer Arbeiter. Unter .üatüng des heldenmütigen Josef Traämpeldor setzten sie sich gegen die große Ueberma'cht zur Wehr. Die jüdischen Arbeiter, und insbesondere ihr Führer Truimpeldor, vollbrachten in ihrer Verteidigung wahrhafte .Heldentaten. Es fielen Opfer auf beiden S;#env-Unter ihnen befand sich auch' Trumpeldor, der ife zur letzten Minute die Verteidigung leitete und mit den Worten: „Es ist gut fürs' Vaterland zu sterben!" seine Seele aushauchte. Arbeit, Fortschritt, Friede sind die Devisen' der jiüdisjchen Arbeiter in Palästina.' Wilde und irregeleitete Einwohner;des Landes überfallen sie von Zeit zu Zeit mit Tod und Zerstörung bringenden Waffen. Die Jüdischen Arbeiter kommen ins* Land, entschlossen, es zu beleben, aufzubauen, sie sind von der heiligen Begeisterung für die Idee der Auflebung ihres Volkes1 beseelt. Sie sin'd die Pioniere jener RenaissänfCebewegung, die darin gipfelt: das' jüdisiche Volk und Palästina für die Kultur der Mens'Chheit zu aktivieren, die Voraussetzungen für den' Sieg der Idee der A r b e it im 1 and-. und 'heimatiosen jüdis'chen V o lke zu s c ha ff e n. Sie werden aber gezwungen, zu den WafferT zu greifen, ihr Leben, ihre Schöpfungen mit dem totbringenden Revolver in der Hand zu verteidigen. Sie sind von der Seh'nsncht erfüllt, ihr Leben ihrem Volke, 'dem Lande, dem friedli[dhen Zusammenleben mit, den arabischen Arbeiterbrüdern zu weihen und müssen gegen ihren Willen Krieger werden. Hier, offenbart sich' aber deutlich' die Macht der Idee, die ,diiese seltsamen! Pioniere beseelt. Sie sin'd Am Sonntag, den 11. März findet ein Gang zum Grabe Adolf Fischhofs statt. Näheres in einem Rundschreiben. nijcht nur entschlossen ihren Ideen zu leben, sie sind jederzeit .bereit, ihr na[cktes Leben für sie zu opfern. Es ist nfi(Cht der wiedererwächte militärische Geist, ni[cht .das hohle Pathos' mancher waffenklir-' render bürgerlicher Zionisten, das diese Helden auszeichnet. Sie leben im unserer Erinnerung als Auserkorene, über die eine große Idee eine unbeschränkte Madht gewonnen hat. Sie schweben uns als das große Beispiel menschlicher JJnbedingtheit, der restlosen Harmonie zwischen Denken und Tun, vor. Wir ehren die Helden von „Tel'-Chaj", indem wir ihnen nachstreben und ihr Werk fortsetzen. Sonntag, den 11. März, 8 Uhr abends findet im, großen Saale des renovierten Heimes II., Blumauergasse 1, eine 9er Slärzrevolution 1848 statt. Propram: Chor der.JSAJ (M. Honig): Unsterbliche Opfer, ihr. sänket dahin... Violini (Sichuster) Raff: Cavantine. Freiligrath: Die Toten an die Leben'den (Lindenfeld). Sjchuhmann: Aufschwung (Haar). Chor: Brüder und Schwestern... Dr. Saul Sokal: Die Märzrevolution 1848. Violine, Sarasäth'e: Spanisches Lied. (Fisicher) Jüdische Fraheitsdiehtungen. Liszt: Rakoldzimars'Ch (Haar). Petzold: Oberkanonier Pollet (Lindenfeld). 'Chor: Wir heben die Hän'de gegen Misralch und > schwören... Rauchverbot. Eintrittspreis 50 Groschen* (Die In Klammer genannten, sind die Namen der Mitwirkenden'.) Hysterische Feindschaft Herr Ob'erbäurat Robert Stricker fühlt sich sehr vereinsamt. Die Zionisten haben ihm und seinem Freunde Dr. Plas'chkes' endgültig den Rücken gekehrt. Jn den .Versammlungen dieser beiden „Führer" findet sich kein „ Mi njan "-Zuhörer ein. Ihr WochlenL blatt ^Die neue Welt" ist durch das' Erscheinen "des offiziellen .Organes . des zionistischen Landeskomitees überflüssig geworden. "Vor "läuter Wut scheint Herr Stricker "die 'Besinnung verloren"iu^ haben. In der vorletzten» Nummer seiner Wochenschrift erschien ein Artikel seines' Kollegen Julius Löwy, der als ein Dolchstoß gegen das' gegründete „Pro-Päfetina-Komitee" bezeichnet werden muß. Das' ist, gelinde gesagt, eine Unverantwortlichkeit. In der ktzten Nummer seiner Wochenschrift ist u. a. ein Artikel vom1 bekannten Monarchisten Altgraf Erich' Salm und ein zweiter vom Pressechef der Wiener polnischen Gesandtschaft über — Litauen' und 'die Juden erschienen. So sehr wir es begreifen,. daß Herr Stricker stets! auf der Suche nach Schlagern! ist, um doch nodh' einie Dutzend Leserheranzulgocken, finden wir für diese UnVerantwortlichkeiten keine andere Begründung als die, daß der Herr Chefredakteur Vor Wut seine Besinnung vollkommen ver^ loren hat. Muß eine Zeitung, die sich' als1 jüdische bezeichnet, sich dazu hergeben', eine Ablagerungsstätte für die geistigen Produkte der Monardhisten zu sein? Haben es die Juden in den „alten, guten Kaiserzeit" wirklich so gut gehabt, daß* wir ihren Verkrachten Fürsprechern die Möglichkeit verschaffen, siefr hören zu lassen? Ist es1 nicht unverantwortlich, die Auslassungen eines. höheren po 1 nischien Beamtens über die /Jüdenpolitik Litauens, das' sich in einem latenten Kriegszustände mit Polen befindet, zu veröffentlichen? Der Freund 'des Herrn Siricker, Herr Grünhaum aus Warschau, der allerdings' als1 jüdischer und zionistischer Politiker mehr Verantwortungsgefühl als sein Wiener Gesinnungsgenosse besitzt, hätte auf soldhe 'Ausführungenfeines' führenden polnischem Beamten 'die einzig mögliche Antwort: Jeder kehre vor seiner Tür. Möge Polen zunächst seine Juden' als gleichwertige Bürger behandeln. Herr Stricker aber gibt sich' dazu her, um die polnisch-litauische? Feindschaft unter der Maske der Judenfreundlichkeit iPolens breittreten zu lassen. Wenn aber Herr Stricker über Arbeiterschaft* „Arbeiter-Zeitung" und „Poale Zion" herfällt, tobt er. .wie ein Hysteriker. In der bereits1 erwähnten Nummer

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