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Der Jüdische Arbeiter · 1928-02-01 · Heft 1 (1.2.1928) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
5 (1928)
Issue
Heft 1 (1.2.1928)
Date
1928-02-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Der jüdische Arbeiter < Nr. 1 Dr. Max Wetafekh in Wien. Ueber Einladung dos Wiener Arbeitskreises für das Jüdische Wissenschaftliche Institut kam der bekannte Gelehrte, Leiter der europäischen Sektion des Instituts nach Wien, um die Arbeit für das Institut in Oesterreich' zu organisieren. Dr. Weinreich, der Verfasser zahlreicher ausgezeichneter Werke auf dem Crcbiete der Philologie, Folklore, Geschichte und Literaturgeschichte der Juden gehört zu den Ersten, die das großartige Werk des Jüdischen Wissenschaftlichen Instituts aufgebaut haben. An den Arbeiten der philologischen Sektion und deren ethnographischer Unterkommission hat Dr. Weinreich gaiaßen Anteil, sein größtes Verdienst aber bleibt die Organisierung der Institutsarbeifc in den zahlreichen Ländern der jüdischen Siedlung, die Schulung und Heranziehung einer großen Anzahl von wissenschaftlichen Korrespondenten! und Sammlern durch einen richtig geführtenzentralen Institutsapparat. Die Wiener Juden hatten Gelegenheit, Herrn Dr. Weinreich! zweimal als Vortragenden kennen zu lernen. Für den 26. Dezember hatten die Wiener Mitarbeiter des1 Instituts eine« Eeihje von jüdischen Gelehrten und Persönlichkeiten in! den Sitzungssaal der Jüdischen Gemeinde geladen. Von dem eingeladenen Gemeindevorstehern war Vizepräsident Dr. Ornstein" erschienen. Jm Namen des Wiener Arbeitskreises begrüßte Dr. Rudolf Glanz den Gast als den erfolgreichen Organisator der jüdischen Wissenschaft und gedachte der zahlreichen Mitarbeiter des Instituts in ollen Ländern, insbesondere in den kleinen Städten und Dörfern, welche Pioniere der jüdischen Wissenschaft seien. Dr. Weinreich hielt sodann vor dem zahlreich erschienenen Publikum von Gelehrten einen großangelegten Vortrag über die Arbeit der einzelnen Sektionen des Instituts und der zentralen Hilfseinrichtungen desselben. Er gab die Abschlußzahlem des mit Ende 1927 gesammelten -wissenschaftlichen Materials bekannt und verglich! diese Ziffern mit den bisherigem Ergebnissen der Jüdischen Wissenschaft. Die Einberufer hatten sämtliche bisherigen und im Druck: befindlichen Institutspublikationen aufgelegt. Die Anwesenden konnten sieih so am besten über die umfassende Arbeit des Instituts orientieren. Vor einer breiteren Oeffentlichkeit sprach Dr. Weinreich am 30. Dezember im Festsaal des! Handelsmuseums über „Perspektiven der jüdischen Kultur". In mehrfachen Besprechungen mit den hiesigen Freunden legte Dr. Weinreich' den Grund für die „Gesellschaft der Freunde des Jüd. Wiss. Instituts" für Oesterreich1. Es wurde ein Aufruf erlassen, der zur Arbeit für das Institut auffordert. Wir werden denselben in der nächsten Nummer vei'öffentlichen. Auch1 eine Reihe von vorbereitenden wissenschaftlichen Arbeiten wurde dm'cihgeführt. Einzelne hervorragende jüdische Gelehrte, die bisher noch nicht an der Institutsarbeit teilnahmen, wurden für die Institutspublikationen gewonnen. Eine Informationsreise an einen wichtigen Punkt des Burgenlandes wurde zur Vorbereitung der vom Wiener Arbeitskreis geplanten ethnographischen Expedition unternommen. An einem Abschiedsabend, der zu Ehren des ausgezeichneten Gastes stattfand, nahm auch der Nestor der jüdischen Sprachwissenschaft, Herr Dr. Alfred Landau, teil. Eine Aktion für das arbeitende Palästina in Wien. Am 1. Februar wird im .Wien' eine Aktion für 'die Institutionen des arbeitenden Palästina eröffnet. An; 'demselben Tage findet im Festsaale des Hotel „Post" eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Genosse Anselm Reiß, aus Tel-Aviv über den Kampf 'der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina sprechen wird. Wir fordern alle Genossen auf, sich f ü r d iese Ar b'ei t s o f o r t z u r V e r f ü g u n g z u stellen. * Mitteilungen des PAF. Auf Grund der. bisherigem Ergebnisse der im Jahre 1927 eingeleiteten Aktion zugunsten1 der Kultaroknimis.sio.n der allg. jüd. Arbeiterorganisation' Palästinas (Waddath Hatarbuth), wurde am 26 Jänner d. J. ein Teil der gesammelten Bücher — 775 Bände — zur Verschiffung nach Palästina gebracht. Nach Sprachen, bezw. Wissensgebieten geordnet waren: 142 Bände hebräisch, 13 jiddisch, 519 deutsch, 51 englisch und 17 französisch, zusammen 775 Bände, davon 556 Bände Belletristik, 119 Kunst und Wissenschaften, 38 Technik, 10 Miisikuoten und 52 Diverse, zusammen 775 Bände. Die Aktion wird fortgesetzt. Am 1. Februar d, J. erschien die erste Nummer des Veieins-Naohrichtenbhittes, welches neben den Beiträgen führender palästinensischer Genossen auch Nachrichten aus der palästinensischen Arbeiterpresse und des Kapay-Bulletins enthält. Besonderes Augenmerk wird den Problemen der palästinensischen Arbeiterschaft, sowie; des1 Palästina- Aufbaues zugewendet. | Leib Andermann. | Am 21. Oktober 1927 fiel in Ejn-Charod unser Genosse Leib Andermann der Kugel eines rasenden Menschen zum Opfer. Seit Monaten war uns diese traurige Nachricht bekannt, mit Rücksicht auf die Familienangehörigen durften wir sie nicht veröffentlichen. Genosse Andermann kam am 1. April 1895 in Buchacz zur Welt. Als Student nahm er aktiven Anteil an der zionistischen Jugendbewegung. Seit 'dem Jahre 1921 wirkte er in unserer .Wiener Organisation. In den Jahren nach der Spaltung der Bewegung, als es galt, die Wiener Gruppe zu reorganisieren, war Andermann der Leiter dieser Tätigkeit. Mit unvergleichlicher Energie und Treue leitete er diese Arbeit und ihm verdanken wir es in erster Reihe, daß die Organisation aufrechterhalten wurde. Im Juni 1925 ging Andermann nach Palästina. Er übernahm bald die Organisierung der zentralen Apotheke für den Emek und leistete dort Arbeit von bleibendem Wert. Er war der Liebling aller Genossen und Mitarbeiter geworden. Dieser ihm liebgewordenen Arbeit entriß ihn die Kugel eines rasenden Menschen'. Völlig unschuldig streckte ihn ein Arbeiter namens Sluchansk'y nieder. Teurer Freund und Genosse, dessen sterblichen Ueberreste in den Bergen von Gilboas zur Ruhe bestattet wurden, wir werden Deiner nie vergessen! m unserer nisation. ga- Die Tätigkeit unserer Organisation wurde in den letzten Monaten besonders' lebhaft. In der letzten1 Dezemberwoahe veranstalteten wir im großen Olympiasaale ejne Gedenkfeier anläßlich des zehnten Todestages Ber Borodhows, die einen glänzenden Besuüh aufwies; Diie Genossen Sokal und Singer würdigten1 im ihren Reden diie Bedeutung Bonochows für den Poalezionismus, für die jüdische Arbeiterbewegung und für diie jiddisüh'e Sprachforschung. Genosse Buchwald trug deutsche revolutionäre Dichtungen' vortrefflich vor, der junge jüdische Schaus'pileler F i s c he r rezitierte vortrefflich jiddische revolutionäre Gedichte. Den musikalischen Teil bestritten Konzertmeister Fleisc'h'mann mit einem gelungenen Violinkonzert und der Chor unserer Jugen'dliclhen unter der Leitung des Genossen Max Honig. D'er Chor verdient unsere größte Aufmerksamkeit. Der leitende Genosse verfügt zweifellos über musir kalfeöhe und organisatorische Fähigkeiten. Die Veranstaltung hinterließ einen guten Findruck. Auf den Borodhowabend folgte die Festversammlung im „Bayrischem Hof", die dem zwanzigjährigen Jubiläum unserer Weltbewegung gewidmet war. Auch diese Versammlung war gut besucht. Man sah dort manchen Genossen, der seit Jahren in unserer Mitte nicht weilte. Nadh den1 Eröffnungsworten des Genossen Singer, der auf die Bedeutung des Jubiläums hinwies und insbesondere über die Wandlung, die sidh innerhalb der österreichischen1 Sozialdemokratie zu unseren' Bestrebungen vollzogen hat, folgten die Begrüßungen1 vieler jiüdisdher Organisationen. Im Namen der österreidhisdhen sOzialdemokratischen Partei begrüßte Nationalrat Dr. Ellenbogen die Versammlung. Er gab zu, daß die Partei in' den letzten Jahren ihr Verhalten1 uns gegenüber geändert hat. Seine Ausführungen waren von aufridhtiger Sympathie für uns getragen, wenn man audh zugeben muß, daß auch Gen. Ellenbogen mit unseren Bestrebungen nicht ganz vertraut ist. Genosse Sokal sprach dann ausführlich über die Entwicklung unserer Idee und unserer Bewegung im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte, worauf Gen. Singer die Versammlung schloß. Am 7. Jänner fand im Festsaale des „Alten Rathauses" eine öffentliche Versammlung mit der Tagesordnung: „Was bedeutet für uns die israel. Kultusgemeinde?", statt. Als erster sprach KuRusvorsteher Gen. Dr. Glanz. Er Charakterisierte die Beideutung, die die Kultusgemeinde gegenwärtig bereits hat und schilderte die Möglidhkeiten, die sie uns1 für die Zukunft bietet. Genosse Dr. Sokal rechniete' mit den Assimilanten und mit den relijgiösen Heuchlern scharf ab. Genosse Singer setzte sich mit den bürgerlichen Jüdischnationalen und mit dem Grüppchen der „Jewsektia" in Wien auseinander. Die zahlreichen Anwesenden begleiteten die Ausführungen der Referenten mit lebhaftem Beifall. ■mm m % Mitteilungen des Sekretariats Im Zuge der Reorganisationsarbeiten unserer Organisation, wurden a,n die Mitglieder Fragebogen ausgesendet, die ausgefüllt an das Sekretariat einzusenden waren. Die Genossen und Genossinnen, die diese Bogen bis jetzt nicht ausgefüllt haben, werden ersucht, es ehestens zu tun und den Bogen an das Sekretariat gelangen zu lassen. Im Laufe der nächsten Woche werden die Genossen! von unserem Inkassanten aufgesucht werden, um diel fälligen Mitgliedsbeiträge einzuiheben. Die Genossen werden! ersucht, dies zur Kenntnis zu nehmen und dem Gen. Inkassanten diese Arbeit zu erleicihtern. Genossen, die gemeinsam eine W a n d e r u n g machen| wollen, werden gebeten, dies dem Sekretariate bekanntzugeben. Gen. Schuler, der frühere Obmann unserer Jugendorganisation, ist bereit, diese Wanderung an einem! Sonntag zu führen. Die anläßlich' des 20jährigen Jubiläums des Poale-Zion- Weltverbandes angekündigte Festnummerdes „jüdischen! Arbeiters" ist bereits erseihienon und ist zum Preise vonl S 1.— im Sekretariate, II., Blumaircrgasse 1, zu haben'. Diel au Inhalt und Ausstattung überaus interessante Festnummeil ist außerdem in folgenden Bucihhandlungsstellen zu haben:! B. Lowit, Botenturmstraße; M. Ra.tih', Taborstauße 20; Löwi, VIII., Josefstädterstraße 79 und Dr. H. Glaniz, VIII., Lange-j gasse 32, III. Stock. Für das1 Sekretariat: Hai per n. des „Jüdischen Arbeiters" Anläßlich des 20 jährigen: Jubiläums der WeltJ 'bewegung Poale Zion ist von unserer Organisation eine Festnumnier mit folgendem Inhalt erschienen! Zum Geleite. — Dr. Saul Sokal: 20 Jahre Poaid Zion. — Ber B orio c ho w: Palästina in unserem Programm und unserer Taktik. — Dr. B. Wach stein': Die Abj stammung voa Karl Marx. — Dr. Max Bosenfeld: AuJ den „Sozialen Steintafeln". — A. Sabarsky: Das arj beitemde Palästina. — Eldad Lindenbaxrm: Die Pari teien des Weltverbandes. — Dr. Leo Ginsberg: Mögl lichkeiten und Grenzen poalezionistisch'er Tätigkeit :in Wieiii Dr. Rudolf Glanz: Die erste Zeitschrift des proletarischeJ Zionismus. — Dr. S. B. Landau: Die Anfänge der jüdl schon Arbeiterbewegung in Oesterreich1. — S. Kaplan s kyl Aus den ersten - Tagsu der Oasterneichisc'hen Partei. — Seil Rudel: Poale Zion in Oesterreich während des-Kriegej| M. S.: Meilensteine. — Verbandsbüro Poale Zioi Aufruf zum zehnten Todestage Bor Boroch'ows. — Mendel Singer: Zehn Jahre ohne Borochow. — Dr. Leo CroL Ii a mm er: Erinnerungen an Ber Borochow. — Cheirl •Hoffmann: Aron .Liebermann in Wien. — Dr. S. II Landau: Bernhard Lazare, der jüdisch-nationale Sozialist I. Zar: Syriern als Mensch und Denker. — K. L.: -Mal Bosenfeld zum Gedächtnis. — M. S.: Leon. Chasanowitscll Die am Wege blieben... Die Festnummer, die irr schönem Format und ar gutem Papier erschienen ist, ist zum Preise von S 1.— ii| Sekretariate und bei den Vertrauensmännern zu haben. Lebens versicher ungs* Gesell schaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Riemergasse Nr. 2 Voll eingezahltes Aktlenkapital: 8 4,000.000'— Versicherungsbeatand 30. Juni 1927: 8 1,300,000.000'- Prämien-Einnanme i. Jahre 1926: 8 54,000.000'- TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bulgarien,Griechenland.Türkei, Aegypten, Palästina. Pensions-Versicherung ||g||« mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früheier BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unveifallbarkeit.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs** Aktien** Gesellschaft frUher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe| Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 Eigentümer, Verleger, Herausgeber u. verantworte Redakteur: Josef Goldstaub, Handelsangestellter, Wien, IL, TabDrstraße 61. — Druck: „Adria", Wien!, II., Taborstraße 52b.

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