Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 14 (Dezember 1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der' jüdische1 Arbeiter Seite 23 Dr. Rudolf Glanz; Die erste Zeitschrift des Man verlegt gewöhnlich die Anfänge de» proletarischen Zionismus in die Zeit, die der Gründung1 der Poale-Zion •unmittelbar, vorangeht. Es . ist dies die Periode, .wo die Anhänger. einer territorialen Lösung der Judenfrage in der Arbeiterschaft-dem.bis dahin die jüdische Arbedterwelt fast allein beherrschenden „Bund" organisiert entgegengetreten. Wie weit die Vorgeschichte proletarischer Einzelorganisationen, im Osten zurückreicht, die dem zionistischen Ideal in der Arbeiterschaft den Weg bahnten, ist noch fast zur Gänze unerforscht. Jedenfalls liat der „Bund" im Osten das erste Jahrzehnt der jüdischen Arbeiterbewegung nicht nur praktisch' beherrscht, sondern ihr auch das geistige Gepräge gegeben. Die, Unterströmungen des werdenden-proletarischen Zionismus blieben in dieser Zeit fast ohne jeden literarischen Ausdruck.*) Demgegenüber muß es als ein kaum faßbares Wunder praepoalezionistischer Existenz begriffen werden, wenn uns schon aus den Anfängen des politischen Zionismus, aus seiner Wiener Erstlingspei'iode, ein in seiner Art vollendeter Versuch einer vollständigen Entwicklung der proletarisch-zionistischen Idee vorliegt und in' einer in deutscher Sprache in Wien herausgegebenen Zeitschrift seine literarische Vei'körperung gefunden hat. „Der jüdische Arbeiter" beginnt am 1. August 1898 zu erscheinen. Erscheinungsort und Druckort ist zunächst Wien. Doch ist die Nummer vom 1. November 1898 in Krakau/ die vom 1. Juni 1899 in Preßburg hergestellt worden. Herausgeber war Dr. Saul Rafael Landau in Wien. Aeußeres Gelingen war dem ersten „Jüdischen Arbeiter" nur;in geringem Maße beschieden. Es erschienen: im Jahre 1898 vier Nummern, am 1. August, September-, Oktober, November, im Jahre 1899 nur mehr drei Nummern, 1. Jänner, t. März und 1. Juni. Für das Vorhandensein einer Dezenibernummer des Jalrres ^898 spricht ein gewichtiges Anzeichen. Im Briefkasten der Nummer vom 1. Jänner 1899 heißt es nämlich: „An mehrere Einsender von C h a n u k a h - G e d i c h t e n. Mit Rücksicht auf die Veröffentlichung des Gedichtes von Perez konnten wir leider von Ihren Einsendungen keinen Gebrauch machen." Ein Gedicht von Peroz erscheint aber in keiner der uns vorliegenden Nummern, die Chanuka-Zeit weist übrigens auf den Monat Dezember als einzig mögliche Ersoheinungszeit dieses Gedichtes von Perez hin. Eine Dezembernummer habe ich aber nirgends feststellen können. Anderei'seits fällt es schwer, an einen so wichtigen zufälligen Irrtum der Redaktion zu glauben. Doch mehren sich in seinem zweiten Erscheinungsjahr die äußeren Unregelmäßigkeiten des Blattes so sein-, daß wir schließlich an einen solchen Redaktionsirrtum glauben müssen. Das Blatt enthält sonst regelmäßig 16 Seiten Großoktav. Das '/weite Heft des Jahres 1899 erscheint am 1. März 1899, bezeichnet sich als Nr. 2—3 des Blattes undhat auch nur dieselben 16 Seiten des gleichen Formats. Der Versuch1, das Erscheinen des Blattes zu strecken, ist hier schon unverkennbar. Das nächste Heft erscheint wieder erst am 1. Juni 1899 und trägt bezeichnenderweise gar keine Nummer mehr. Es war ein letzter Versuch1, die Zeitschrift in eine bessere Zukunft hinüberzuretten, die aber sobald nicht anbrechen sollte. Mit 1, Juni 1899 hat „Der jüdische Arbeiter" zu erscheinen aufgehört. Inhaltsverzeichnis. Nr, l. (1. August' 189S.) Was wir wollen! (Gez, Die Redaktion.) — Abonnement-Einladung. — Zionismus. Von Salomon Rubinstein (Wien). Der' Verfasser ist als der er.s to *) Das jüdische wissenschaftliche Institut besitzt in seinem Wilnaer Archiv einen Programmentwurf einer proletarisch-zionistischen Gruppe Rußlands aus dem Jahre 1901 in, , jiddischer Sprache. „Der jüdische Arbeiter" dieser Periode fehlt in allen öffentlichen Bibliotheken Oesterreichs. Herr Dr. S. R. Landau hat komplette. Exemplare dem Parteiarchiv der Poale-Zion der jüd. Gemeindebibliothek in Wien und dem Jüd. Wissenschaftlichen Institut gewidmet, wofür ihm a,n dieser Stelle gedankt sein möge. proletarischen Zionismus. Begründer jüdisch-sozialistischer Organisationen in Galizien bekannt. Er hat aucih Palästina bereist und kennt die. dortigen Verhältnisse aus eigener Anscihauung. Wir freuen uns daher, seinen Ausführungen über den Zionismus in unserem Blatte. Raum geben zu können. Die Redaktion." — Zionistische Arbeiter-Organisationien. Referat, erstattet auf der Zionistenkonferenz von Stanislau am 26. Juni 1898. Von Leo Koffler, — Vom jüdischen Arboiterleben. Zu daü wenigen Männern (Lob . des Fabrikanten Leopold Werde in Czenstocihau, der jüdische Arbeiter zusammen: mit christlichen beschäftigt und seine IG jährigem Erfahrungen mit jüdischen Arbeitern in einem Leitartikel der Waa-schauer „Izraelita" erzählt. „Die Herren Poznamski und Silberstein in Lodz, die unter ihren 5000 resp. 3000 Ai'beitern keinen einzigen Juden beschäftigen, sollten sich diesen sch.lich.ten Mann zum Muster nehmen.") Die Baron. Hirsciische Stiftung für Galizien. (Siebenter Jahresbericht für die Zeit vom 1. September 1896 bis 31. August 1897. Bemängelt wird' die Vernachlässigung des Hamdwerksiinterrichtes.) — Vereins- und Versammlungsberichte. Wien. (Tätigkeit und Vortragsprogramm der „Achwah". Erwähnung einer am 14. Mai von „sich „Sozialdemokraten" nennendem Burschen" gesprengten Diskussionsversammlung1 über den Zionismus.) Wiem. (Bericht über eine am 26. Juli abgehalten© Versammlung des „Sozialdemokratischen Wralrlvoremes für den. II. Bezirk", in der Dr. Ellenbogen über die „Exzesse in Galizien" referierte. „Nach1 ihm verlangt© Dr. S. R. Landau, der in Gesellschaft mehrerer zionistischer Arbeiter erschienen war,, das Wort, um. als Zeuge der galizischeni Ereignisse die Ausführungen des Vorredners zu vervollständigen und demgemäß seine Sqhlußbetraehtungen mitzuteilen." Die „Vervollständigung" besteht in einer Kritik der Haltung der polnischen Sozialdemokraten in den Ereignissen, die „Schlußbetrachtungea" gipfeln darin, da<ß Selbsthilfe -Zionismus heißt.) Brünn. (Bericht über die erste öffentliche Versammlung der „Emunah", Vereines zionistischer Angestellter in Brünn, zu der Rnbinstein. aus Wien, gekommem. war. In dieser Versammlung erschien eine Opposition von Sozialdemokraten. „Ihr Sprecher, Herr Zelimka, meinte auch, daß man warten müsse, bis in Galizien melilr Bildung sein, werde, dann müßten die Exzesse von selbst aufhören, und kam dann auf sein Steckenpferd, die „Brünner Tuchjuden" zu sprechen.") — Krakau. (Bericht über die G ründungs - Versammlüng des „Bildungs- und Unterstützungs-Verein' der jüdiscihen Arbeiter und Privataugesteilten." Referent Dr. S. R. Landau aus Wien.) — Lemberg. (Tätigkeitsbericht des „Ivri".) Feuilleton. Anläßlich' der galizisohen Exzesse. (3 Gedichte. I. „1898. Gebet eines polnischen Groß-Juden,41 Schließt „Laß mich leben und erleben den' — Orden!" II. „Gedenket der „irregeleiteten" Exzedenten!" III. „Zerstreuung".) Literatur. Im „Colon Orainais". (Besprechung des im genanntensozialistischen Organ in Algier als Leitartikel veröffentlichten Schreibens Jacques Bahars über die Antisemitem'hetze in Algier. „Das Interessante für uns in' Oesterreich ist aber folgendes: Jacques Biliar ist ein bekannter Zionist und zugleich auch ein. Sozialist. Kein: Sozialist in Frankreich macht ihm den Zionismus zum Vorwurf* und seine Abhandlungen über die Judenfrage erscheinen in den sozialdemokratischen Parteiblätteru als Leitartikel. Aber in Oesterreich werden unsere Versammlungen von Sozialdemokraten gesprengt, unsere Gesinnungsgenossen werden im Namen.der Sozialdemokratie als Gegner verfolgt und angegriffen. ..") — Sprechsaal. — Preßfonds! (Der jüdische Arbeiter soll mindestens zweimal monatlich' erscheinen.) Die letzte Seite bringt die Anzeige: „Soeben erschienen: „Unter jüdischen Proletarier n." Reisesohilderan- gen aus Ostgalizieu und Rußland. Von Dr. S. R, Landau," / Nr. 2. Wien, 1, September 1898. „Patentierte" Arbeitei'füh'rei-. (Gez. L.) — Abonnement* Einladung.: (Verzeichnis der Mitarbeiter, „Auch John Dyche, der Schneidergehüfe von Leeds, und Morris Rosenfeld* der Schneider von New»York/dessen Jiddisch-Verse die gatize