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Der Jüdische Arbeiter · 1927-12-01 · Heft 14 (Dezember 1927) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 14 (Dezember 1927)
Date
1927-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 2 Der jüdiscWe Arbeiter Nr. 14 Dr. Saul Sokal: 20 Jahre I I. . Der Poale-Zion-Verbänd feiert das Jubiläum seines 20 jährigen Bestandes. Doch vor ihm war die Poale-Zion-Bewegung, und als er geschaffen wurde, waren in den wichtigsten Ländern die Poale-Zion- Parteien schon konstituiert. In wenigen Jahren waren überall, wo jüdische Arbeiter litten und kämpften, elementar, ohne Zusammenhang miteinander, poalezionistische Gruppen entstanden, die in ihrem dunklen Drange nach sozialer und nationaler Freiheit sich des rechten Weges nicht bewußt waren und nur schwer bewußt wurden. Wohl können wir heute darauf hinweisen, daß mancher Denker und Kämpfer unseres Volkes schon früher es versucht hat, eine Synthese zwischen beiden Idealen zu schaffen, daß Moses 'Heß schon in den Sechzigerjahren seine auf religiös-philosophischen Grundlagen beruhende Idee der Wiedergeburt des jüdischen Volkes im jüdischen Lande mit der sozialistischen Befreiung der Menschheit unlösbar verband, daß . seit der Wende des 19. und 20. Jahrhunderts Nachmann Syrkin für den Gedanken eines sozialistischen Zionismus unaufhörlich warb, daß der noch heute wirkende Chajim Shytlovsky vom Anbeginn seiner Tätigkeit den arbeitenden jüdischen Massen und insbesondere der jüdischen Intelligenz das Ideal eines weltlichen nationalen Judentums auf sozialistischer Grundlage predigte, und mit Recht nennen wir diese Denker und manche anderen die geistigen Ahnen unserer Bewewegung; dennoch' haben die Massen sich ihr Programm selbst erarbeiten müssen, das Antwort auf alle ihre Nöte und Bedürfnisse geben, das eine befriedigende Analyse ihrer Lage und Entwicklungsmöglichkejten liefern wollte. Als der Zionismus in die Reihen der Arbeiter eindrang, entstanden die poale-zionistischen Gruppen, erfüllt noch ganz von seiner Ideologie. Die Organisationen der Arbeiter- Zionisten in Rußland, die jüdischnationalen Handelsangestellten-Vereine in Oesterreich, die proletarischen Gruppen in Amerika waren ursprünglich nur zionistische Vereine, wenn auch selbständige proletarische Organisationen. Aber bald begann der Sozialismus mit seiner-magnetischen Kraft ihre Seelen zu gewinnen und nun rangen sie um eine Synthese zwischen beiden Idealen. Doch nicht schlechthin um eine Vereinigung der damals herrschenden zionistischen Ideologie mit dem Sozialismus handelte es sich, denn diese Ideologie war an sich unbefriedigend, und versagte auch in nationaler Beziehung, ebenso wie die damals unter den jüdischen Arbeitern wirkenden sozialistischen Parteien. Der Zionismus hatte seit dem von Theodor Herzl im Jahre 1897 organisierten 1. Zionistenköngresse breite Schichten des jüdischen Kleinbürgertums, des Mittelstandes und der Intelligenz ergriffen, aber aus ^ale Zion. zwei Gründen war ihm jeder politische und nationale Kampf ferne. Er war hauptsächlich eine kleinbürgerliche Bewegung, die weder gegen den Zarismus sich aufzulehnen getraute, noch um politische Rechte in Rußland oder Oesterreich ernstlich zu kämpfen, gewillt war. Liegt die Erklärung hiefür schon im kleinbürgerlichen Wesen, so kam andererseits dazu, daß der Zionismus in der ganzen Herzischen Zeit ebenso wie in der Vor-Herzlschen Zeit im jüdischen Leben nur die Pogrome, die Unterdrückung, die Hilflosigkeit und Auflösung aller Art und nirgends aufbauende Tendenzen sah. In seinen Augen war ja der ganze Golus der Vernichtung preisgegeben. Die jüdischen Massen sollten ihre Kraft, ihre Begeisterung nur für Palästina fruchtbar machen. Die poale-zionistischen Gruppen, die vom Anbeginne eine gewerkschaftliche Tätigkeit geführt hätten, wurden bald auch' von den politischen Kämpfen mitgerissen. Es war die Zeit, da nach der Niederlage der zaristischen; Waffen im japanischen Kriege die Völker Rußlands wachgerüttelt wurden, während die vorwärtsstürmende russische Revolution in Oesterreich' ihr Echo fand und hier die Kämpfe um das allgemeine Wahlrecht auslöste. In jenen stürmischen Tagen wurde die neue Ideologie der Poale-Ziongruppen geschmiedet. Sie kämpften in Rußland an der Seite des ganzen revolutionären Proletariats gegen den Zarismus, sie benützten in Galizien die Wahlrechtskämpfe zu einer Aufrüttelung der jüdischen Massen aus der bisherigen Lethargie. Damals wurden die Poale Zion zu aktiven Sozialisten, die den Sozialismus nicht mehr auf die Zeit nach Realisierung des Zionismus verlegten, sondern in seinem Geiste schon in der Gegenwart zu kämpfen lernten. So trennte sie nunmehr ein Abgrund vom bürgerlichen Zionismus. Doch blieb die Gegnerschaft gegenüber den bestehenden sozialistischen Organisationen aufrecht. Im selben Jahre 1897 war der „Allgemeine jüdische Arbeiter-Bund in Litauen, Polen und Rußland" entstanden. Der „Bund" sammelte die jüdischen Arbeiter unter seiner Fahne zu wirtschaftlichem und politisch-revolutionärem Kampf gegen den Zarismus. Wenn der bürgerliche Zionismus an einen Aufstieg der jüdischen Massen im Golus überhaupt nicht glaubte, so erklärte der „Bund", daß alles Heil aus 'der Zerschmetterung des Zarismus und dem Sieg der Revolution kommen werde. Die Judenfrage schien ihm nur in den Ausnahmsgesetzen des Zarismus zu bestehen. So war er groß in seiner revolutionären Erziehung der jüdischen Arbeitermassen, stand aber verständnislos der nationalen Frage gegenüber. Schon vor dem „Bund" war in Amerika, wohin bedeutende Teile der jüdischen Volksmassen gewandert waren, seit den Achtziger jähren eine ansehnliche jüdische Arbeiterbewegung entstanden. Sie erzog wie

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