Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 14 (Dezember 1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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DER JÜDISCHE ARBEITER Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Redaktion und Administration; Wien, II., Blumauergasse l/II Erscheint zweimal monatlich Postscheckkonto Nr. 38.042 Einzelne Nummer 20 Groschen Bezugspreis; vierteljährig S 1.20, halbjährig S 2.40 Nr. 14 Wien, Dezember 1927. 5. Jahrgang Zum Geleite! Diese Blätter siud dein zwanzigjä.Irrigen Bestände des Weltverbandes I'oale-Zion und dem zehnten Sterbetage Ber Borocbows gewidmet. Die Vergangenheit verpflichtet! Im Jahre 1898 wurde in Wien bereits für den zionistisch-sozialistischen Gedanken geworben. In den kleinen Heftchen „Der jüdische Arbeiter" rangen unsere Vorläufer auf dem Boden Wiens mit dem Probleme der Herstellung einer Harmonie zwischen Sozialismus und Zionismus. Im selben Jahre warben in Pernerstorfers „Deutsche Worte" Dr. Syrkn und Dr. Shytlowsk'y für die zionistisch-sozialistische Idee Als in den ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts die Organisierung und Zusammenfassung der Poale- Zion des alten Oesterreich einsetzte, war eine lange Zeit hindurch Wien der Mittelpunkt dieser Bewegung gewesen. „Der jüdische Arbeiter", der dann in unserer Bewegung eine große Rolle spielte, wurde in Wien erneuert. Hier in Wien lebten und wirkten Jahre hindurch die größten unserer Führer: Borochow, Chasan o w i t s c h, R o s e n f e 1 d, K a p 1 a n s k y, L o c k er, Rubaschow. Durch Wort und Schrift haben sie in den Hirnen und Herzen der jüdischen Arbeiter und Angestellten den Oedanken des Poalezionismus gesät. Es wäre für uns beschämend, wenn diese Bemühungen für den sozialistisch-zionistischen Gedanken in Wien, die nunmehr drei Jahrzehnte andauern, fruchtlos blieben. Diese Vergangenheit verpflichtet! Unter Ber Borochows Banner! Unsere Aufgaben sind mannigfaltig. Als sozialistische Arbeiter müssen wir gemeinsam mit dem Proletariate dieses Landes den Kampf um Demokratie und Sozialismus mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln führen. Wir müssen alle arbeitenden 'Juden sammeln, um den Kampf für die Demokratisierung und nationale Ausgestaltung unseres jüdischen Lebens erfolgreich führen zu können. Wir dürfen auch bei alledem niemals an unsere Pflichten dem Aufbaue Palästinas, unseren dort schwer ringenden Brüdern gegenüber vergessen. Es ist wahrlich nicht leicht, Poalezionist zu sein, aber diese Mannigfaltigkeit unserer Aufgaben spiegelt nur die Kompliziertheit des jüdischen Lebens wider. Es bedarf großer revolutionärer Entschlossenheit, um sich an die Erfüllung all dieser Aufgaben heranwagen zu können. Es bedarf eines eisernen Willens, um alle Schwierigkeiten und Hindernisse, die sich uns entgegentürmen, zu überwinden. Das Bewußtsein allein, daß wir nur auf diesem ■Wege unser Ziel: als freies arbeitendes Volk a n d e r B e f r e i u n g der Welt v o m J o c \i e d e s K a p i t a 1 i s m u s m i t z u w i r k e n, erreichen können, stählt unseren .Willen, steigert unsere Widerstandskraft. In diesem Bewußtsein geloben wir anläßlich unseres Festes, unter dem Banner Borochows den Kampf für unsere Idee unermüdlich fortzusetzen.