Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 12 (9.11.1927)
- Date
- 1927-11-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite $ Der jüdische Arbeiter Mr. 12. nicht verlassen würde, so lange die Angelegenheit nicht erledigt sei. Die Büromaschine könne nicht arbeiten, solange man mit solchen Mitteln dem Hunger von Tausenden von Menschen gegenüberzutreten! gewillt sei. Da am nächsten und übernachteten Tage Feiertage seien und die Büros geschlossen seien, müsse die Angelegeinheit noch am selben Tag erledigt werden. Die Exekutivmitglieder würden nicht nach Hause gehen und die Delegierten vor leerem Tischen lassen. Erst daraufhin beschloß die Exekutive, unter dem Druck von Dr. Weizmann, ehtsprecheaid' den Forderungen des Arbeiterrates, 1000 Pfund wöchentlich nach Tel Aviv m überweisen. Weitere "Verhandlungen über die Umwandlung der Arbeitslosenunterstützung in Arbeit werden am 21. Oktober auf einer gemeinsamen Sitzung, der „Zionistischen Exekutive" mit der Exekutive der „Allgemeinen. Arbeiterorganisation" unter Beteiligung von Dr. Weizmann stattfinden. Herr Stricker und seine „Neue Welt*. An Stelle der sanft entsclilafenen1 „Wiener Morgenzeitung" erscheint seit einiger Zeit eine Wochenschrift „Die neue Welt" unter Leitung des Herrn Oberbaurates Robert Stricker. Es wird gut tun, dieses neue Organ der bürgerlichen Zionisten Oesterreichs (einige Zionisten wehren1 sich! zwar dagegen, dieses Organ als das ihrige anzuerkennen, aber solange das LaJideskomitee dieses Wochenblatt nicht abgeschüttelt hat, muß man, da dooh alle führenden Zionistön dort mitarbeiten, es als Organ der Wiener Zionisten bezeichnen) zu kennzeichnen. Wh* wollen heute unseren Leseita eine kleine Auslese - aus den1 Nummern 1—6 dieser „neuen Welt" auftischen: Die Sozialdemokraten sind! an allem söh,ul'd! Jede Nummer dieser Wochenschrift strotzt von wil- Jfliem Haß gegen die Sozialidemokratie. Die Prediger des Klassenkampfes leben davon, daß sie Haß erzeugen (Nr. 1). Das letzte Ziel der Sozialdemokraten! sei der bols che wikische Staat (Nr. 1). Die gegenseitige Verbitterung ist durch' die Fehler der SoziaMemokrateni .herviorgea-ufen worden (Nr. 2). Die Sozialdemokraten; wie die Bürgerlichen sind Radaupolitiker (Nr. 2). So gehtt) es1 im gleichen Tone in allen! Nummern fort. Gegen diese Einstellung, zu polemisieren, erachten wir jetzt als überflüssig, aber die arbeitende jüdische Bevölkerung) wollen wir nur darauf aufmerksam machen,' daß die Feinde der Arbeiterschaft in unserem jüdischen Wien ihre Tätigkeit unter'.einer anderen. Maske fortsetzen. Wer ist an die Austritte aus der Kultusgemeinde schluld? Herr Stricker denkt nicht lang© nach, er hat die Antwort zur Stelle — die Sozialdemokraten. Beweise: die Sozialdemokratie führt eine Aktion für den Austritt aus Öer Kirche und! — höret und' staunet! — die „Arbeiter- Zeitung" berichtet über die Tagung des „Verbandes der jüdisch-sozialistischen Arbeiterjugend", der unter dem Einfluß der Poale Zion) steht. ..Wir glauben kaum, daß denkende Sozialdemokraten die. Kultusgemeinde mit der katholischen Kirche identifizieren, das muten wir schon! eher detn kommunistischen ^Jinglech*" zu. Aber wenn ein solcher Versuch unternommen wird und Erfolg, hat, so sind dafür" die Machthaber der Israelitischen Kultusgemeinde. — die Partei des Herrn Stricker inbegriffen — moralisch1 vea*antwortlich. Es gibt heute in Wien tauseinde Juden, denen die Beligion zumindest gleichgültig ist (obwohl Herr Dr. Plaschkes Mitglied der rituellen- Kommission ist, erlauben! wir uns auch! an die strenge Religiosität der Herren Zionisten1 zu zweifeln), die aber in der Kultusgemeinde eine Institution) sehen, die berufen ist, die besondere^ sozialen und kulturellen! ' Bedürfnisse der Juden zu! befriedigen. Die Machthaber der Kultusgemeinde wollen dem nicht Rechnung tragen. Und das wenige, das die Kultusgemeinde auf diesen! wichtigen Gebieten heute bereits leistet, bleibt der breiten jüdischen Öffentlichkeit Unbekannt, da jene Herren alle Vorschläge, die imstande wären, die jüdischen Massen für die Kultusgemeinde zu interessieren, beharrlich ablehnen. Was Wunder, daß Juden sich! durch einige Phrasen dazu verleiten lassen, dieser Kultusgemeinde den Rücken > zu kehren? Aber Herr Striekel' und «seine Parteigänger belieben nicht solche Erscheinungen au eargründen, sie haben ja stets den Sündenbock zur Hand: die rote Assimilation, die Sozialdemokratie! Und abermals die Sozialdemokratie! Im Oktoberlieft des „Kampf" erschien ein Aufsatz über die Krise des Zionismus. Dieser Aufsatz enthält sehr .viel unrichtige und übertriebene Behauptungen. Der Verfasser (Genosse Hannak) scheint sich zum ersten Male mit dieser Frage zu befassen und tappt noch im Dunkeln (herum, aber man kann laicht bestreiten', daß er sich beimüht hat, die Materie zu erfassen. Es ist zweifellos notwendig, diese Behauptungen und Meinungen zu berichtigen (wir ihaben einen! Versuch' taach' dieser Richtung! hin bereit« unternommen), aber was tut Herr Stricker? Statt sich mit dem Verfasser auseinanderzusetzen, sehlägt er wieder Alarm: die rote Assimilation gegen den Zionismus! Dagegen hält er es für richtig, den Genossen Hannak als Beweis der Schädlichkeit der Politik der Erweiterung der Jewish Agcncy anzuführen. Das gehört zur Methode dieser Herren. Ein Organ d er Arbe i ter f ei nde. In der Nummer 6 der „Neuen Welt" schreibt Herr Stricker einen Artikel über die Krimkolonisation, der als Beweis angeführt werden kann, wie engstirnig und unverantwortlich großtuende Politiker solche schwierige Probleme behandeln. Die Kolonisation in der Krim ist ein letzter Rettungsanker für da-s zerstörte Judentum Rußlands, die Juden Rußlands, ohne .Unterschied ihrer sonstigen Einstellung zur Sowjetpolitik, bejahen, diese Tätigkeit. Herr Stricker aber, von seinem Haß gegen den Bolschewismus geleitet, sieht darin „ein Verbrechen am jüdischen Volke!" Es soll gewiß jedem Versuche, die Krimkolonisation als Konkurrenzunternehmen gegen den Zionismus auszuspielen, energisch entgegengetreten werden, aber man muß sich! hüten, den russischen Juden in den Rücken zu fallen. Aber Herr Stricker darf keine Gelegenheit verstreichen lassen, um jede positive Erscheinimg in Sowjetrußland zu diskreditieren. Das ist ihm wichtige!' als die Wahrung der Interessen der schwer bedrängten Juden Rußlands. In derselben Nummer wird ohne jeden Widerspruchs über einen Vortrag der Frau Anitta Müller-Cohen, in welchem sie gegen die Arbeiterschaft Palästinas im Tone der ärgsten Scharfmacher sprach, berichtet. Frau Müller, die sich einst zu den sozial denkenden zählte (wir haben iha* soziales Getue nie sehr ernst genommen), wetterte also genau wie ihr Gatte, der Großkapitalist, gegen die kommunistischen Experimente in Palästina und wiegelt die Frauen gegen den Beschluß der zionistischen Frauenorganisation, eine Arbeiberinnenkolonie auf kollektivistischer Grundlage zu errichten, auf. Um den neuen Kurs im Zionismus scheinen sich alle „Nepleute" zu scliaren. Schorn gut. Und die „Neue Welt" ist auch ihr Sprachrohr. So wirkt Herr Stricker für den Klassenfrieden in Oesterreich' und im jüdischen Volke. Wie steht's mit dem jüdis eihen Patriotismus? Man1 sollte meinen, Herr Stricker und seine Freunde versäumen niemals die Pflicht wie Patrioten sich! in die Schanze zu werfen, wenn Juden Unrecht geschieht. Dem ist aber nicht immer so. Manchmal ist man gezwungen, Rücksicht zu üben. Wir haben schon bei einer anderen Gelegenheit darauf (hingewiesen, daß Herr „Stricker (Die neue Welt Nr. 2) übei' die Sozialdemokraten ungehalten ist, daß sie ihren Elan in der Hauptsache, gegen die Polizei richten. Wir' haben auch damals die Vermutung ausgesprochen, daß Herr Stricker und seine Freunde mit den Herren Schober und Seipel in sehr freundschaftlichen Beziehungen leben. Nun haben wir noch einen. Beweis für diese Behauptung: Die Wiener -Behörden haben, ohne dazu gezwungen zu sein, einen Akt über eine Vorstrafe S"chwaa-zbards ausgeliefert. Einige fortschrittliche Blätter und auch die „Arbeiter- Zeitung" liaben der Regierung diese Böswilligkeit, die Schützenhilfe für den Pogromhäuptling zum Vorwurfe ge- /macht. Herr Stricker aber schweigt sich über diese ganze Affäre gründlich aus. Die armen, verfolgten Seipel und Schöber müssen auch von einem jüdischen Patrioten geschont werden. Wenn man als jüdischer Patriot über die „rote Assimilation" herfallen kann, das macht einem bürgerlichen Zionisten Freude, aber die Herren Seipel und! Schober anzugreifen, ist zumindest peinlich. Da breitet man lieber den Mantel der Verschwiegenheit darüber. So sehen unsere bürgerlichen Zionisten in ihrem eigenen Spiegel aus. Aus den Beschlüssen der Verbandsberatung. Verbandssteuo r. Einen wichtigen Punkt der Verbandsberatung bildete die finanzielle Lag© des Verbandes. In diesem Zusammenhäng erinnert die Verbalndsberatung, daß die Verbandssteuer die wichtigste Grundlage der Finanzen des Weltverbandes bildet und daß alle Genossen unserer Bewegung zu ihrer regelmäßigen Zahlung verpflichtet sind. Das Verbandsbureau und die Zentralkomitees haben dafür zu sorgen, daß im Laufe des nächsten Jahres alle Genossen diese Pflicht erfüllen. Die Beratung erinnert auch', daß die Vertretung der Laaidesparteien auf der Woltkonferenz von der Zahl der Genossen abhängig ist, die die Verbalndssteuer entrichtet haben. Fraue norgani sa ti o u. Die Beratung begrüßt aufs (herzlichste' die jüngste Organisation innerhalb unseres Weltverbandes, die Frauenorganisation in Amerika'. Der erwähnten Organisation gelang es schon, zahlreiche jüdische Arbeiterfrauen für den Palästinagedanken au gewinnen und die Positionen der jüdischen Arbeiterinnen in Palästina zui festigen. Die Zentralkomitees der Landesparteien werden auf. gefordert, die Gründimgsmöglichkeiten solcher Frauonorganisationen in ihrem Lande zu untersuchen und deren Organisierung im Einvernehmen mit dem Verbandbureau sofort in Angriff zu nehmen. P a 1 ä s t i n a- A r b e i t e r f o n d und die Ligen für arbeitende Erez-Israel. Die Beratung begrüßt die Initiative unserer Parteien in Polen und' in anderen Ländern betreffs der Bildung von Vereinen für das arbeitende PJrez-Israel. Dies© Ligen vereinigen alle, ohne Unterschied der politischen Ueberzeugung, zu praktischer Arbeit für die Institutionen der Histadrnt, die sich solidarisch fühlen mit der organisierten. Arbeiterschaft in Erez-Israel. Die Verbandsberatung begrüßt den Beschluß der dritten Konferenz der Histadfut, durch' welchen der Palästina- Arbeiterfond1 xuin zentralen Fond der «organisierten Arbeiterschaft Palästinas proklamiert wird. Aber den' Uebergang des Arbeiterfondes aus unseren Händen in1 die der ganzen organisierten Arbeiterschaft Erez Israels vermindert keineswegs unsere Verantwortung für die weitere Entwicklung des Fondes und unsere Arbeit für ihn darf in der Diaspora nicht erlahmen. Mit Befriedigung unterstreicht die Beratung, daß die Mehrheit unserer Landespaxteien für die Idee" eines selbständigen proletarischen Aufbaufonds, durch' die rege Tätigkeit für den Palästina-Arbeiterfonds, demonstriert hat. Die Beratung muß aber gleichzeitig feststellen, daß einige Landesparteien ihren Pflichten gegenüber dem Arbeiterfond nicht in einem entsprechenden Maße nachgekommen sind. Diese Landesparteien werden an ihre Pflichten erinnert und aufgefordert, die Arbeit für den Arbeiterfonds unverzüglich aufzunehmen. Abendkurse. Arbeitsgemeinschaft für jüdische Geschichte (Anfänger und Fortgeschrittene) Freitag, den 18. November, um halb 8 Uhr abends. Leiter: Genosse Singer. Jubiläumsnummer „Der Jüdische Arbeiter". Gegen 10. Dezember erscheint die Jubiläumsnummer „Der Jüdische Arbeiter". Die Nummer wird enthalten Aufsätze von Dr. Rudolf Glanz, Dr. Leo Goldhammer, S. Kaplansky, Dr. S. R. Landau, B. Locker, W. Neustadt, S. Rudel-Adler, M. Singer u. a. , Ein Grabstein für Chaim Nagler. Nathan Dick! (Stanislau) 1 Dollar, M. Singer S 3.—, Fanny Schneider S 10.—. PI C K NÄHMASCHINEN mit kostenlosem Stickunterricht FAHRRÄDER 1927 Auch gegen Teilzahlung!! Reparaturannahme aller Systeme! 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Redakteur; Josef Goldetaub, HoaadelsaiigesteUter, Wien, XIX., Grinzingear Allee 7, B. 33. — Pruok: „Adria", Wien, II., Taborstr. 52 b. /