Mannheim
Compact Memory

Der Jüdische Arbeiter · 1927-08-16 · Heft 9 (16.8.1927) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 9 (16.8.1927)
Date
1927-08-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2641551-2641552-2641561--046-2641953
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 4 Der jüdische Arbeiter Nr. $. Der Rechenschaftsbericht zur dritten Histadruth- Konferenz. T>er dritten Konferenz der „Allgemeinen Jüdischen -Arbeiterorganisation Palästinas" legte der Wand* ITapoel (Exekutive) einen ausführlichen, gedruckten Rechenschaftsbericht für den Zeitraum von bis l',)2T vor. I>*r Ileclien- »cliaftsbericM berichtet auf zirka 700 Druckseiten über alle (iebiete der weitverzweigten Arbeit: der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation. Der Kcclienschaftsbericht zerfällt in vier Teile. Der erste umfaßt folgende Kapitel: I. Verwaltung und Organisation; 2. das Wachstum der Histadruth; 3. Einwanderung; I. professionelle Organisationen; 5. Arbeitsamt; (>. Arbeitslnxlinguiigen; 7. Arbeitskonflikte und streike; 8. innere Konflikte u:nd Schiedsgericht: 9. Arbeiterschutzgesetzgebung: 10. Verbindungen mit der arabischen Arbeiterschaft; Ii. Arbeitsl>esoha.ffung und Arbeitslosigkeit; 12. Arbeiterjugend; 18. Arbeiterinnen: II. Kibuzzim (kollektivistische (.nippen im Landesmaßstalhi) Kwuzoth (örtliche kollektivistische (frnppen) und Chavnroth (Gruppen, die sich auf die Ansicdlung vorbereiten); lö. industrielle und Handwerker-Kooi>erativen; 1(5. die Konsumgenossenschaft „Maschbir"; 17. Arbeit.erba.uk; 18. Spar- und Leihkassen; 19. Lebensversichenuigsgesellschaft; L'O. städtische Kolonisation (Arbeitervorstädte); '21. die Tätigkeit in den nationalen autonomen Institutionen und in den .Stadtverwaltungen; 22. Kulturabtcilung; 23. Lohnskala für die Histadruth'-Beamten; 21. (Jenossengericht und Streitigkeiten in der Histadruth; 2ö. Arbeilersportverband ,,ilapoel" („Der Arbeiter"); 2(5. Paliislina,-Arl.>eiter-.Kondsi (Kapay); 27. „Komitee für das arbeitende Palästina"; 28. üechaluz und Jugendbewegung; 29. die-Verbindungen'mit den jüdischen Arbeitern Amerikas; 30. die professionelle und kooperative Internationale; 31.. die Verbindungen mit der britischen Arbeiterbewegung; 32. die Delegation nach Rußland. 1; ,; ■ Der zweite Teil umfaßt den Bericht: der Organisation der Landarbeiterschaft: 1. die landwirtschaftlichen Arbeiter-Wirtschaften; 2. die neue landwirtschaftliche Kolonisation; 3. die Arbeit in den privaten Kolonien; I. Arbeüterunternehmungsamt für landwirtschaftliche Arbeiten und .5, die Verträge zwischen den Arbeileransiedlern und der Zionistischen Organisation. '■! '; Der dritte Teil umfaßt die Arbeiterkrankenkasse und der vierte Teil die große Arbeiterbaugilde „Solel-Boneh". Der Bericht stellt eine wahre Enzyklopädie des arbeitenden und aufbauenden Palästina, dar. Der Verband der Post- und Eisenbahnarbeiter Haifas. Die Haifaer Lokalorganisation des Landesverbandes der Post- und Eisenbalrnarbeiter ist die größte und tätigste des Verbandes. Sie stellt gleichzeitig gewissermaXiea das Barometer dar, nach dem man die Tätigkeit, die Entwicklung und die Perspektiven dos ganzen Verbaindos beurteilen kann. In Haifa, dem Sitz der Zeüti?i.'lVerwaltung des palästinensischen Eisenbahmvese&is,• befindet sich die Zentrale des Verbandes, aber gleichzeitig' auch du.s Zentrum der Elemente, die sich bemühen; die Entwickluiug der Organisation zu stören. Die Stellungnahme der Eisenbah'nzentralverwaltung zur Arbeiterorganisation hat sich' in letzter Zeit etwas gebessert. Auch die Arbeitstage« hat sich leicht gebessert. Während in den letzten acht Monaten nur fünf Tage in der 'Woche gearbeitet wurde, wird jetzt volle sechs Tage gearbeitet (Wochentags 8,5 Stunden' und Samstags ö,ö Stunden). Auch erfüllte mau endlich die Eordernug der Arbeiter, den Arbeitslosen stets am l. des Monats auszuzahlen. Die Verbesserungeu zeigten, da.ß nur oi:ne starke Arbeiterorganisation die Eorderungon der Arbiter bei der Zentraldirektion der Eisenbahner durchsetzen latiun. Viele Forderungen sind noch durchzusetzen. N'och immer verschwendet z. .13. die Zentralleitung der Eisenbahnen große Summen dadurch, daJ3 sie Lokomotiven ins Ausland'• zur lleparatur schickt uud hohe Beamte mit, sehr hohen (<ehälteru ans England anfordert. An den Wahlen der neuen Leitung der Organisation beteiligten sich 80 Prozent der (.ieuossen. .\ene Kräfte wurden in die Organisation hineingezogen uud mit erhöhter Energie wurde die Arbeit erneut aufgenommen. Es wurde eine vom Internationalen Trakrsportarbeitevverband zugunsten der streikenden Arbeiter Indiens proklamierte Geldsammluug durchgeführt. Die kommunistischen Kadarimaoher agitierten zwar gegen diese Sammlung, aber ohne jede Wirkung. Die ganze Energie dieser kommunistischen Sektierer, der „Eraktionäre", richtet sich' darauf, die arabischen Arbeiter zu veranlassen, aus der professionellen Organisation auszutreten. Zu diesem Zweck verbreiten sie Verleumdungen aller Art gegen die Histadruth, versuchen Haß gegen die jüdischen Arbeiter zu säen und die Einigkeit zwischen jüdischen-und arabischem (Ieuossen zu zerstören. Das hält aber die führenden, aktiven (ieuossen nicht ab, ihre verantwortliche und ergebene Arbeit fortzusetzen. Es wurde eine Protest-Versammlung: gegen die Eisenbahnvenvaltung abgehalten, weil sie nicht für medizinische Hilfe Sorge trägt. Ein Memorandum mit -100 Unterschriften fordert von der Eisenbalmverwaltung, einen Arzt für den Arbeitsplatz zu bestellen. Die Organisation beteiligt sich an allen Institutionen der Haifaer Arbeiterschaft und ihre (Ieuossen erhalten alle Unterstützung von Seiten der Allgemeinen Arbeiterorganisation. Regelung der Arbeitslosenunterstützung. Schon vor einiger Zeit l>eschloß der Haifaer Arbeiterrat, die Verteilung von Arbeitslosenunterstützung einzustellen. Er forderte, daß die Zionistische Exekutive eine nicht sehr große Summe zu den Unterstützungsgeldern zulegen solle, wodurch der Beginn einer Reihe von Arbeiten ermöglicht wurde, die alle Arl>citslosen in Haifa während <> Monaten beschäftigen könnten und die Verteilung von rnlerstützuugsgeldem überflüssig machen würden. Die Zionistische Exekutive war im Prinzip damit einverstanden und die Exekutive von Histadruth bewirkte, daß der Haifaer Arbeiterrat den Beschluß, die Verteilung der Unterstützung niederzulegen, aufhob, bis die Zionistische Exekutive gewisse Schwierigkeiten beseitigt hälto und die Arbeiten beginnen würden. Die festgesetzten Termine -verflossen aber, ohne daß mit irgendwelcher Arbeit begonnen wurde. Infolgedessen teilte der Haifaer Arbeiterrat am 23. Juni derZ ionistischen Exekutive mit, daß er nun endgültig die Verteilung der Arl>eitslosengelder einstelle und übergab ihr die Arbeitsloseulisten, damit die Zionistische Exekutive rechtzeitig allein die Verteilung der Arbeitslosenunterstützung organisieren könne-. Arbeiterzählung. Bei der Zählung an den Arbeitsorten, die der Tel- A:wiwer Arbeiterrat unter den jüdischen Arbeitern, die in Tel-Awiw— .Java beschäftigt sind, durchführte, wurden über 5.000 Arbeiter registriert. Da die Hegistrierung nicht an allen Orten durchgeführtwerden konnte, so läßt sich annehmen, daß in Tel-Awiw—-Java, sich heute 0.000 beschäftigte jüdische Arbeiter befinden. Nach Berufen verteilen, sich die Registrierten in folgender Weise: MC) Bauarbeiter iu 17 Baininternehmungen, 251 Chaussearbeiter, 290 Holzarbeiter, 181 .Druckereiarbeiter, 315 Schneider, K!l. Lederarbeiter, -18 Bäcker, 503 Mctallarlxuter, 393 Transportarbeiter, 785 Bürouud Handelsangestellte, 121 Regierungsangestellte, .19-1 Textilarbeiter, 81 Kartonageaa-beiter, 131 landwirtschaftliche Arbeiter (Gärtner, Agronomen., Milchproduktion usw.), 55 Techniker, 323 Hausangestellte, Kellner, Bedienstete usw., 210 Lehrer und Kindergärtnerinnen, 1 GS Aerzte,K rankenschwestorn, Angestellte in. Krankenhäusern usw., 28 Friseure, 218 Sehwarzarueiter, ferner noch Arbeiter verschiedener Gebrauchsartikel, Uhrmaoher, Tapezierer, 75 Zigarettenarbeiter usw. Landwirtschaftliches. Es wird angenommen, daß von der diesjährigen Traubonerute in. Palästina außer dem "Verbrauch des Landes selbst, ungelahr 2.500 t. Weiutrauben bleiben werden, die man ins Ausland versenden kann. Die landwirtschaftliche Abteilung der Konsumgenossenschaft „Maschbir" in Haifa, verkauft täglich -JJJ0O Liter Milch von den landwirtschaftlichen Arbeiterwirtschaften. .tu der Gärtuerei der Pica, in Saronah' neben Benjaminah, bereitet mau (5.000 EueaJvptuspfluuzen vor, um die Bewaldung der Sandfly oben von Oäsarea, mit der man dieses Jahr begonnen hat, fortzusetzen. Nach einer Verordnung der Pa.lüstiuaregieru'ng sind die Arbeitgeber der Unternehmungen,, für die das Gesetz der Entschädigung bei Unglücksfällen zutrifft, verpflichtet, an einem ins Auge fallenden Orte am Arbeitsplatz die Einzelheiten des (leset-/es anzuschlagen, damit jeder Arbeiter daraus ersehe, was er bei einem Unglücksfall zu tun habe. In der Jerusa-lemar Arbcitcrjugciulschule lernten im Winterseminar 150 Jugendliche. S-l von: ihnen arbeitein hei Handwerkern und in privaten Hüiisern. Guter ihnen befinden sich Juden aus verschiedenen Ländern: Kurden, Perser, Babylonier, Kaukasier, Bucharen -usw. Das internationale Arbeitsamt über Palästina. Im Berichte des Direktors des I. A. A. an die zehnte internationale Arbeitskonferenz finden sich folgende Ausführungen über die Arbeitsverhältnisse iu Palästina: „Die Arbeitsgesetzgebung in Palästina steht noch in den Anfängen. Große Schwierigkeiten bei Lösung aller Arbeits fragen verursachen die Unterschiede zwischen der jüdischen und arabischen Bevölkerung. Die Araber sind an primitive Lebensbedingungen gewöhnt; im allgemeinen erhält ein Araber, der bei einem anderen Araber in Dienst steht, oinen viel niedrigeren Lohn als ein Jude, der von einem •Juden beschäftigt, wird, (deiche ArlKÜtsbcdingungen für beide Bevülkeriuigsteilc würden wahrscheinlich vieles zur Besserung des gegenseitigen Verhältnisses beitragen. Es besteht die Hoffnung, daß die, insbesondere bezüglich der ArbeitslKidingungen, gemeinsamen Interessen der jüdischen uud der arabischen Bevölkerung sich als ein mächtiger Faktor in der Anbahnung der Zusammenarbeit der beiden Bevölkcrungsteile bewähren werden. In diesem Zusammenhange soll das im Dezember 1920 veröffentlichte Programm der A c h d u t h A vodah, der bedeutendsten Ai'beitei;- organisation Palästinas, erwähnt werden, in dem die Verpflichtung der Allgemeinen Organisation der jüdischen Arheiter zur Fördei-ung gemeinsamer Aktionen der jüdischen und arabischen Arbeiter betont wird. Die Regierung hat in der letzten Zeit 2vvei Verordrmi gen, betreffend Arl>citsvcrhältnissc, veröffentlicht: , ine Ve Ordnung vom 10. .Januar 1927 verpflichtet den Uuternehme; iu dessen Diensten ein Arbeiter einen Arbeitsunfall erlitte hat. zur Zahlung einer Entschädigung an denselben odt an seine Angehörigen. Kino andere Verordnung, ebatifall vom 10. Januar 1927-, bedroht mit Strafe Personen, di Eiusehüehteruugsakte int Verlaufe gewerblicher Stroit! keiteu begehen. Ks verdient erwähnt zn werden, daß da engli.sche Parlament während der Beratung der Gesetze vorläge, der gemäß die Regierung ermächtigt werden sollti eine Garantie für bestimmte Anleihen für Palästina un andere Territorien zu übernehmen, am 10. Dezember 192» einen Zusatzantrag beschlossen hat, der den Stautssekret; für Kolonien verpflichtet, sich Gewißheit darüber zu ve: schaffen, daß Ihm der Durchführung aller Arbeiten, dieim den in Anwendung des gegenwärtigen (Jeselzes anfgonom menen Anleihen eine Finanzierungerfahren, ango messen« Arbeitsl)ediiigungon beobachtet werden. Der Bericht behandelt dann die Arbeitslosigkeit Palästina und bemerkt dazu, daß „die Wirtscha ftskrise eins Abwanderung der städtischen Arbeiter in djj Landbezirke verursacht, hat. Die in den Städten verblichenen. Arbeiter finden Beschäftigung bei den in dein Zentren stärkerer Arbeitslosigkeit unternommenen öffentlichem Arbeiten. Du organisierten Arbeiter .selbst haben sich bemüht, Abhilfe zu. schaffen, indem sie mit den aus Beitrügen der Mitglieder gesammelten Kapitalien, Uidei-uohmnagen gegründet und Arbeitslose iu denselben beschäftigt haben. Trotz der herrschenden -Schwierigkeiten bleiben dio palästinensischen Arbeitsorganisationen tätig unil ihre tfn ternehniungen machen das Land zu einem unvergleichlichen Beobachtungsfeld, für soziale Versuche. Die allgemeine, Organisation der jüdischen Arbeiter hat mehrere technische Abteilungen und Institutionen für soziale Fürsorge gegründet. Diese beruhen auf dein < <'nmdsa,tze der - gegenseitigen Hilfe, wie z. B. die Versicherung gegen Arbeitsunfälle und gegen Krankheiten, im allgemeinen: zeigen (Iii Lebens- und Arbeitsbedingungen der jüdischein Arbeiter die Tendenz, sich den. entsprechenden Bedingungen im Westen anzupassen, wUsS im besonderen für den. Standard of lifo, den Durchschnittslohn und die Arbeitszeitgilt. Jüdische, in der Industrie beschäftigte Kinder, .-scheinen unter schlechten Bedingungen zu arbeiten. In vielen Unternehmungen ist die Arbeitszeit der Kinder ungebührlich hoch, in manchen .'Kälten länger als die der erwachsenen Arbeiter. Die Löhne dieser jugendlichen Arbeiter sind sehr niedrig; die hygienischen Zustände ihrer Arbeitsstätten lassen viel zu wünschen übrig.'1 Parteiliteratur. Protokoll der f ü nften Konferenz der „A c h d u t h - H a a w o d a h" (h o b r ä i s c h), T e 1- A v i < 1927. Enthält eine ausführliche Wiedergäbe der Referate Diskussionen und Beschlüsse der führenden. Arbeiterpartei •Palästinas über die politischen wirtschaftlichen und kolonisatorischen Probleme Palästinas und des Zionismus, über die Eormen proletarischer Siedlung und industrieller Kooperation, jüdisch-arabische Beziehungen, u. a. m. Das Protokoll erscheint, demnächst in jiddischer Sprache im Verlage des Welt Verbandes. Fabriksniederlage in Herren- und Damen- Modestoffen Meister Wien, I., Salzgries Nr. 7. Telephon Nr. 69-402 Leb ensversi eher ungs^G es ellschaft PHÖNIX Zentrale: Wien, I., Rieraergasse Ni\ 2 Voll elngeiahltes Aktienkapital: » 4.000.000'- Veraicherungsbestand Ende 1926: 900 Millionen Schilling Prämien-Einnahme i. Jahr« 1926: 46 ,, „ TÄTIGKEITSGEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavien, Bulgarien, Grlechenland.Törkel, Aegypten, Palästina. Pensions-Versicherung |]£U* mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früherer BERÜFS-UNFAHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unveifallbarkeif.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs^Akt ien^Geseilschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel/ Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 Eigentümer, Verleger, Heransgeber u. veiuntw. Redakteur: Josef Goldstaub, Handelsangestellter, Wien, XIX., Grinzingar Allee 7, B. 33. — Druok: „Adria", Wien, II., Taborstr. 52b.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.