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Der Jüdische Arbeiter · 1927-07-28 · Heft 8 (28.7.1927) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 8 (28.7.1927)
Date
1927-07-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. 99 yofct®t®&* u tfßlt**0 its* >>».. ^Vfji«»' JUDISCHE ARBEITER Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, H., Blamauergaase l/ll Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig . . ,2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 8. Wien, 28. Juli 1927. 4. Jahrgang. An alle Freunde des arbeitenden Palästina! Seit nahezu zwei Jahren befindet sich Palästina in einer schwierigen wirtschaftlichen Krise. Zum großen Teile ist die Krise in Palästina darauf zurückzuführen, daß die vierte Aliijalr Einwanderer ins Land brachte, die sich' den Verhältnissen in Palästina nicht anpassen konnten. Die Leitung der zionistischen Bewegung ist van dieser der Zahl nach wahrhaft imposanten Einwanderung berauscht worden, die Arbeiterschaft allein erhob ihre warnende Stimme und rief zur Regulierung dieser Wanderung zur Produktivierurig der einwandernden Massen im Lande. Ihre warnende Stimme wurde nicht beachtet. Die Krise im Lande lastet am schwierigsten auf der Arbeiterschaft .und trotzdem steht die jüdische Arbeiterarmee im Lande unerschüttert auf ihrem Posten. Beseettt vom großen Idtale, getragen von der 'Hoffnung auf das Erwachen des gesamten Volkes] zu neuem Leben, gestählt durch den unbeugsamen, Willen, die Bahn für die nationale und soziale Befreiung unseres Volkes zu brechen, harren unsere; treuen,. mutigen Brüder auf ihren bedrohten Positionen aus. Unverantwortliche Elemente hielten es für angebracht, diesen Verteidigern unseres Aufbauwerkes in den Rücken zu fajlen und die jetzige schwierige Situation benützen sie ajs Anlaß gegen die jüdische Arbeiterschaft in Palästina scharf zu machen. .Wir wollen und können nicht hier auf alle die unbegründeten Angriffe und Verdächtigungen erwiedern. Wir wollen nur folgendes zu bedenken geben: Ohne die arbeitende jüdische Bevölkerung in Palästina gibt es und kann es 'niemals einen Palästinaaufbau geben. .Wer den Aufbau Palästinas ernstlich erstrebt, muß die Bestrebungen der jüdischen Arbeiterschaft innerhalb der zionistischen Bewegung unterstützen. Mit welchen Forderungen treten die Vertreter des arbeitenden Palästina an den XV. Zionistenkongreß heran? Bezüglich' der w i r t s c h a f 11 i c h e n u n d kolonisatorischen Tätigkei t der zionistischen Organisation verlangen wird die Festlegung eines umfangreichen Aufbauplanes für eine Reihe von1 Jahren, mit dem Zwecke der 'Herstellung einer kräftigen landwirtschaftlichen Grundlage und der Ausnützung und Erweiterung aller Möglichkeiten Von Industrie, Handwerk und Handel durch eine stets wachsende, arbeitende, jüdische. Bevölkerung. Zu diesem Zweck . erachten wir als notwendig: 1. Die Stärkung der nationalen Fonds der zionistischen: Bewegung (Keren Hajessod und Keren Kajemeth). 2. Die Frage einer inneren nationalen Anleihe als ein zentrales Problem der. zionistischen Finanzpolitik zu behandeln. J 3. Einen systematischen Kampf gegen die schädliche Bodenspekulation zu eröffnen, die energischesten Mittel zur Durchführung des Prinzipes der Nationalisierung des Bodens und der Konzentrierung größerer Bodenreserven, die für Zwecke der Kolonisation durch den Keren Kajemeth vorbereitet werden sollen, zu ergreifen. 4. Es sollen alle Vorbedingungen für eine normale Entwicklung aller bisjetzigen Formen der Arbeiterkolonisation geschaffen werden, insbesondere soll ihre rechtzeitige und volle Budgetierung, die gleichmäßige Behandlung 'der kollektivistischen mit der individualistischen Siedhingsform und die Anerkennung der Gesellschaft „Nir" als kollektive Vertretung der Arbeiterkolonisten gesichert werden. 5. Die Anwendung aller Mittel, um das Eindringen jüdischer Arbeit in den privaten Kolonien bei Sicherung eines entsprechenden Lebensstandards in großem Umfange zu ermöglichen; Bau von Arbeiterwohnungen: schaffen Möglichkeiten von Hilfswirtschaften für einzelne und Gruppen von Arbeitein1 in den privaten Kolonien selbst und in ihrer Umgebung, insbesondere durch die Zuweisung der notwendigen Bodenflachen und der Investitionen; Unterstützung für die Arbeitergenossenschaften im deni .Kolonien; Anerkennung des- Rechtes der Arbeitsämter der „Hißtadnutltf4 bei der Arbeitszuweisung in den Kolonie^'; die Sicherung der Gleichberechtigung der Arbeiter in der Verwaltung der Kolonien. 6. Schaffen die notwendigen Bedingungen für die Investieru'ng priivaten Kapitals in den hiefür geeignete^ Zweigen der Industrie und der Plantagen; nationale Hilfe und Kontrolle für die Einwanderer mit mittlerem und kleinem Kapital, wie auch' für die proletarische Einwanderung. 7. Finanzielle und moralische Unterstützung für die Produktions- und Konsumgenossenschaften der Arbeiterschaft (Solel-Boneh', Hamaschbir u. a.) bei voller .Wahrung ihrer Autonomie. 8. Be: den Arbeiten* der zionistischen Organisation und ihrer Institutionen muß das Prinzip der organisierten Arbeit strenge gewahrt werden. Dieses! Prinzip muß als Vorbedingung für jede Gewährung von 'Kredit und Unterstützung an private Unternehmungen seitens der Zionistischen Organisation aufgestellt werden. 9. t!s soll ein Wirtschaftsrat und eine Ueberwach ungsinstanz, die die Tätigkeit der zionistischen; wirtschaftlichen und finanziellen Institutionen überwachen und. ihre Richtlinien festsetzen soll, gebildet werden. 10. Die „Histadnuth" soll von der Zionistischen Organisation als. die einzige Vertretmng der Arbeiterschaft Palästinas anerkannt werden. >■ IL Die Organisation' „Hechähiz" soll als' das organisierende, vorbereitende [und erzieherisdh'e Organ der 'Arbeitereinwanderung anerkannt werden und sie soll die größte Unterstützung der Zionistischen 'Organisation erhalten. Die Bewahrung des chaluzistischen Geistes in den Herzen tapsender und abertausender junger Juden, denen die Krise die Tore* Palästinas verrammelt hat und die Vorarbeit für einen neuen Aufschwung des Chaluzismus in der jungen! Generation, ist eine der zentralsten zionistischen Aufgaben im jetzigen Moment. Deshalb ist auch unbedingt notwendig: 12. In der allernächsten Zeit mindestens' eine teilweise .Wiederaufnahme der Chäluzistischen Einwanderung zu ermöglichen. ,Wii waren stets und sind uns auch jetzt darüber klar, wie schwer die Aufgabe des Palästinaaufbauesist, wir haben uns deswegen niemals der Notwendigkeit der Zuziehung neuer und großer Kräfte für das Aufbauwerk verschlossen. Wir traten nur stets jedem Versuch' der Etablierung einer bureaukratischplutokratischen Diktatur entgegen. Das wollen wir auch künftighin1 tun. Im jetzigen Stadium der Agency- Frage wollen wir insbesondere warnen vor der Illusion, als »ob die neu gewonnenen Kräfte die Veränfc wortung und Verpflichtung der zionistischen Bewegung Palästina gegenüber erleichtern könnte, als ob' uns die Fimanzmagnaten und Experten den einzig richtigen Plan für den Palästinaaufbau bringen) könnten. Ohne eime mächtige zionistische Bewegung sind alle Versuche der Erweiterung der Macht und der Leistungsfähigkeit der Jewis'h Agemcy vergebens. Auf dem Gebiete der politischen Tätigkeit werden unsere Vertreter verlangen: 1. Die Wiedervereinigung Ostjordaniens mit Palästina und das Freigeben dieses Teiles des Landes! für die jüdische Einwanderung und Kolonisation. 2. Zuweisung freien Bodens für die Zwecke der jüdischen 'Kolonisation. Befreiung der neuen) Kolonisten für ein,e Reihe .von Jahren von den drückenden Steuern. 3. Entsprechende Beteiligung der Regierung an den Ausgaben für das Gesund heits- und Bildungswesen unter vollständiger .Wahrung der Autonomie; des jüdischen Schulwesens. 4. Energische Betätigung der Regierung an der Entfaltung der ökonomischen Möglichkeiten des Lan> des; Ausbau der Verkehrsmittel, insbesondere die Be-- schleunigung des Hafenbaues;; Aufhebung der Einfuhrzölle für Rohprodukte, Erleichterungen für die Industrie,, für die Warenausfuhr; Erteilung der Konzessionen nach einer Verständigung mit der jüdischen Agentur und in Uebereinstimmung mit den Interessen der Kolonisation.; 5. Entsprechende Beteiligung der Regierung im' Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit, sowohl' durch direktes beitragen zur Unterstützung an die Arbeitslosen,, als auch durch1 einen umfassenden Plan öffentlichjer Arbeiten; die Gewährleistung der. Beschäftigung einer entsprechenden Zahl jüdischer Arbeiter bei allen Regierungsunternehmen, wie Eisenbah'n, Post, Telegraph und bei öffentlichen Arbeiten zu erträglichen Arbeits- und Lohhbedingungen. 6. Die Einführung moderner Arbeitersch'utzgesetze, betreffend Arbeitszeit, Lohnminimum, Schützvorkehrungem für Leben und Gesundheit des Arbeiters, Einschränkung der Frauen- und Kinderarbeit, Hilfe in Fällen von Krankheit, Invalidität, Arbeits-, losigkeit; gesetzliche Sicherung des Rechtes1 des Arbeiters auf Koalitionsfreiheit und auf den wirtschaftlichen 'Kampf. 7. Erringung eines mitentscheidenden Einflusses der „Jüdischen Agentur" auf die Einwanderungsgesetzgebung und Politik. 8. 'Gesetzliche Anerkennung der Selbstverwaltung ties „Jusch'uwo", der Steuerhoheit des „Waad Har.umi" für innere nationale Erfordernisse. Genossen und Freunde! Der 'Moment ist schwer und verantwortungsvoll! Das Palästina der Arbeit und der Erneuerung!! st in! Gefahr! Seid auf der Hut! Reiniget die Atmosphäre vom Gifte der Verdächtigungen und Angriffe^gegen die Arbeiterschaft Palästinas! Rettet den sozialen und Volkscharakter des Zionismus! Stärket unsere Avantgarde, die Arbeiterklasse in Palästina im Kampfe gegen seine, unsere Gegner! Bereitet eine; widerstandsfähige Front auf dem Kongresse vor! Alle zur .Wahl! .Werbet und stimmet für die Listen der Gruppen des arbeitenden Palästina!

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