Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 1 (12.1.1927)
- Date
- 1927-01-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2641551-2641552-2641553--003-2641902- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
■■ i'-^L- ORBEITER Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redafctioo und Administration: Wien, II., Blömanergasse i/U Postscheckkonto Nr * 38.042 Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig . . „2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 1. Wien, 12. Jänner 192jr 4. Jahrgang. „Der jüdische Arbeiter". Mit ihrem vierten Jahrgang erscheint „Unsere Tribüne" fortan unter obigem Namen. Unsere Zei- Hmg hat in den vergangenen Jahren alles getan, um las1 Verständnis für die allweltlichen Bestrebungen der organisierten jüdischen Arbeiterschaft auch in jiklische Bevölkern ngsteile Wiens zu tragen, die nationalen! 'Leben und Streben der jüdischen Arbeiter bisher ferne standen. Die. Erfolge-■werden nun sichtbar. Unser Blatt ist nicht mehr das Sprachrohr einer bestimmten Gruppe allweltlich' organisierter jüdischer Arbeiter, sondern der geistige Ausdruck alles jüdi- •chen sozialistischen Strebens in Wien. Wo nur ernstlenfeende jüdische Sozialisten sich mit den nationalen ragen der jüdischen Bevölkerung befassen, sind die .eitgedanken, die unser Organ zur grundsätzlichen Betrachtung jüdischer Fragen angewendet hat, ganz HgeTnein anerkannt. In den Reihen der jüdischen lozialisten begegnen diese Gedanken keiner prinipiellen Gegnerschaft mehr. Vielmehr werden sie nmer mehr zum Gemeingut der gesamten werktätige« jüdischen Bevölkerung. Dies bringen wir zum Ausdruck, indem wir unser Blatt fortan als „Der jüdische Arbeiter" erscheinein Jansen. Die gedanklichen Gegensätze mit anderen so- "äalistischen Kräften in der Wiener jüdischen Bevöl-' ierung sind überwunden. Ueberwunden ist jedoch mch die Kraft der Gedankenlosigkeit in allen jüdischen Dingen, die in vielen Kreisen dieses Landes finge geherrscht hat. Die die sozialistische Bewegung [erkörpernden Teile der jüdischen Bevölkerung werjen auch in ihren Auffassungen über jüdische Fragen himer einheitlicher, zielstrebiger. Dieser neu entgehenden Einheitlichkeit der jüdischen Bestrebungen jnter den jüdischen Sozialisten dieser Stadt soll „Der üdische Arbeiter" in erster Reihe dienen, er ist ein Ausdruck unserer einheitlichen Auffassung von jüdijchen Arbeiterfragen nach innen. Aber ebensosehr juch nach außen. Er dokumentiert die Einheit der jrbeitenden jüdischen Bevölkerung unseres Landes fett ^er gesamten arbeitenden Bevölkerung und ihrer folitischen Organisation, der österreichischen Sozial- Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich der imie sansla! Ii Feuer- und EinbruchversicherungfürWohnungen — Unfall- und Haftpflichtversicherung - Glasbruchversicherung — Lebensversicherung ohne ärztl, Untersuchung bis zu 4000 Schilling oder in jeder ge« wünschten Währung- Pirektion: Wien, I., Tuchlauben 8 j Telephon 67-540 Serie demokratie. ,,Der jüdische Arbeiter" wird in alle Schichten der jüdischen Bevölkerung dringen, deren Wohl und Wehe mit dem Los der organisierten) Arbeiterschaft dieses Landes verbunden ist. Unsere Zeitung wird wie bisher alle diese Zusammenhänge aufzeigen und damit unermüdlich die notwendige Aufklärungsarbeit unter der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs leisten. „Der jüdische Arbeiter" wird aber vor allem auch das Verständnis für die Zusammensetzung der jüdischen Bevölkerung, der Interessengemeinschaft der überwiegenden Mehrheit derselben mit dem Siegen des österreichischen Proletariats, zu erwecken und zu befestigen haben. Hinter uns steht die organisierte Meinung der allwaltlichen jüdischen Arbeiterschaft, hinter uns aber auch die" offen kundgegebene Meinung der jüdischen Sozialisten Wiens. „Der jüdische Arbeiter" wird diese wertvollen Güter zum Wohle der jüdischen Arbeiterbewegung ebenso wie zum Wachsen und zur Entwicklung der internationalen, völkerbefreienden Sozialdemokratie gebrauchen. I üchad ■ IMäm-i msmmm p> i Der große Theoretiker des „geistigen Zionismus" lebt nicht -mehr. Achad Haam war eine bedeutende Persönlichkeit. Schon sein Stil war eigenartig, er hat die erste hebräische Publizistik bedeutend beeinflußt. Aber noch größere Wirkung hatte sein Denken. Als Achad Haam in der hebräischen Literatur erschien, herrschte in ihr das Bestreben der „Europäisierung". Es ist sein Verdienst, die hebräischen Schriftsteller gezwungen zu haben, sich zunächst auf sich selbst zu besinnen. Er zwang sie zu ergründen, wieviel Knechtschaft in dem, das sie Freiheit nennen, vorhanden ist. Seine Popularität erwarb sich '„Achad Haam" durch die Theorie des „geistigen Zionismus", die ungefähr so lautete: eine Lösung für die wirtschaftliche Not der Juden ist nicht gut möglich, zumindest in Palästina, dagegen kann Palästina die geistige N o t der Juden lösen, es kann ein geistiges Zentrum des Judentums werden, aber auch nicht mehr. Für die modern Denkenden, insbesondere für Sozialisten ist eine Auseinandersetzung mit dieser Theorie müßig. Für uns gibt es diese Zweiheit von Körper und Geist fast "nicht. Zugegeben soll aber werden, daß die Gedanken „Achad Haams" befruchtend auf die verschiedenen Gruppierungen der jüdischen Renaissance gewirkt haben. Auch in sozialisti-. sehen Kreisen haben seine Schriften, wenn auch oft im gegnerischen Sinne, zu bedeutenden Auseinandersetzungen angeregt. Dr. Edwin Bad tri Unsere Stellung in der Kultusgemeinde. (Aus der Heile in der Budgxitclobatto.) l>ie heutige Budgetdebatte ist die dritte in dieser Wahlperiode, die dritte, an der wir teilnehmen und es komm! uns so vor, als ob es .schon die dreißigste wäre. Denn alles ist genau so, wie in all den vorhergegangenen Budgetberatungen: Der Firianzreferent überschüttet uns mit. einem «Niagarafall von Zahlen, die, aus dem Entwurf unerbittlich der Reihe nach verlesen werden. Kein Wort der Erklärung, das nicht schon im Entwurf stand, wird hinzugefügt Vergebens garten wir nun schon zwei Jahre darauf, daß der Sprecher xcler Majorität sich prinzipiell über da* vergangene Juhr und über das kommende äititoru werde, .so wie es überall der Fall ist. wo sielt die? regie.rtm&o Majorität dem Plenum der Vernummlung und der üeffentlichkeit verantwortlich fühlt. Eine souveräne Verachtung: spricht sich darin aus, daß uns die Ziffern hergewetrfen werden, die wir akzeptieren sollen und damit Schluß, freilich nach genauerem Hinsehen verstellen wir das Schweigen als durchaus begründet. Die Gemeinde iü allen ihren Verwaltungszweigeu ist so geführt worden, wie schon jahrelang vorher. Es tritt höchstens nur eine quantitativ** Termehrung oder Verminderung einzelner Posten ein. js> nach Bedarf, von einer prinzipieilen Aendenuag war, ist und wird keine Rede sein, solange diese Majorität. regiert. Daher erklärt sich auch ihr Schweigen: \si© hat nicht» zu sagen. Während .ringsum das jüdische Leben pulsiert, vorwärtsstrebt und immer neue Probleme auf wirf t, stagniert in dieser tromeinde an offizieller Stelle alles. In ihrer. Mentalität erinnert die Majorität allzusehr an Fafner in' „Siegfried", der dem Ruhestörer zuruft: ./Ich lieg' nucV besitze, laß mich schlafen". Ja, che Majorität besitzt diji, Macht, im übrigen will sie schlafen und nicht gestört;- werden. t Und so betrachtet, können die Ergebnisse des vergangenen Jahres nicht Wunder nehmen. Das Jahr kaxm wohl nicht anders, als da« der versäumten Gelegenheiten bezeichnet werden. Ks sind Probleme an die Wiener Kul- Lusgemeinde herangetreten. Nicht der Kultus vorstand hat sie aufgeworfen. Sie wurden, von draußen gebracht, aber dank der Majorität hut der -Kiiltusvorstaaid sdoh ihnen uioht gewachsen, gezeigt. Die jüdischen Gemeinden Oesteneich^ haben sich zu einem Gemeindebund zusammengeschlossen und die W. K. G. zum Beitritt aufgefordert, unter Bedingungen, die eine Majorisierung der Gemeinde Wien gänzlich unmöglich machten. Es ,war die Möglichkeit gegeben, eine Generalvertretung der österreicliischeh Judensöhaft zu schaflou, die allen Behörden gegenüber ein bedeutendes! Wort zu sprechen gehabt hätte; eine Generidvcrtretung, die auch die Solidarität aller österreichischer Juden bedeutet liättef Dieser historische Moment ist 'versäumt wor-^ OGJ*a«C*JHa*i3^tti^^ fi 6 g 8 OebensversiiheFungssGesellsdiaft Phönix L Riemergasse 2 Telephon 79=5:65 Serie Telephon "29:5=65 Serie Aktien-Kapital S 4,000.000. — Versicherungsstand am 1. Jänner 1926 über 600 Millionen Schilling. Sämtliche Arten uon fiebens« und teentenuersicherunsen, UnfalU, flutü: und HalipHimtoersirherungen* eimpräfftien- Versicherurtg ohne ärztaiche Untersuchung Tagesprämle: 20 droschen Lei 20iä*hriger Uersimerungsdauer, 30 Grossen bei 15jßhFigcr Uerslcherüngsdaittr. Leistungen der Gesellschaft: Im flblebcnsfalle sofort nash dem Tode: 1000 S oder 5 Viertel (125 Prozeß) der insgesamt entrichteten Prämien, je nachdem, weicher Betrag höher ist. Im Erlebensfälle: 1750 S bei 20jähriger Dauer, 1850 S bei 15jähriger Dauer. Kostenloser Einschluß der Prämienbefreiung im Invaliditätsfalle. Kostenlose Unfallversicherung auf die doppelte Todesfallssumniß. Kostenlose Ausfolgung einer Heimsparkasse! ProspeMe und nähere flushlinüe bei Oer Direktion oder bei jeder Geschäftsstelle. c^»iiÄ^«cyre*^iM»>«e«o«otfi<.* CJSO« Clffd« vjtzv *>