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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 65

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
31/32 (1929)
Issue
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 65 (sequence 65)
Language
German
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ZUR VOLKSKUNDE DER GEORGISCHEN JUDEN 65 wir*d. Das Hemd ((die Glückshaube) wird aufbewahrt. Wenn .das Kind viel schreit, so wird es ein Gelehrter oder ein Sänger werden. Die Geburt mit Zähnen ist ein schlechtes Zeichen, es bedeutet baldigen Tod. Zum Unterschied von den weiß- und kleinrussischen Juden kennen die georgischen keine ,,Wachnacht" (das heißt Nacht der Wache vor der Beschneidung, indem im Hause des Neugeborenen sich die Jeschiba- Jungen versammeln und Psalmen und Talmud lesen, um den bösen Geist zu verjagen, dessen Angriff in dieser Nacht besonders stark ist. Die Beschneidung wird in der Synagoge vollzogen. Bevor das Kind' in die Synagoge gebracht wird, nimmt die Mutter es auf den Arm und sagt zum Manne: „So wie ich dir das Kind gesund übergebe, lass' es auch während der Beschneidung sein!" Bevor das Kind aus dem Hause in die Synagoge gebracht wird!, gibt man ihm eine Mischung aus rotem Kandiszucker und Wein zu trinken, damit das Kind keine Schmerzen bei der Beschneidung fühle. Dann kleidet man es in das vom Sandek genähte Hemd, legt es darin auf ein Kissen und bindet Kissen und Kind mit Bändern zusammen. Dann wird das Kind mit neun verschiedenen farbigen „Bagdadi" (seidenen Tüchern) überdeckt. Das Kind darf nicht vom Vater in die Synagoge getragen werden. Wenn das Kind in «die Synagoge gebracht wird, singt der Kantor: „berukim attem khal emunai" und „hodu l'Ad. ki leolam chassdo." Nach Beendigung des Gesanges wird das Kind dem Vater übergeben, welcher sich ans Volk wendet: „Volk, schalom alekem!" Sodann übergibt der Vater das Kind dem Mohel (Person, welche die Beschneidung vollzieht), der dabei folgendes Gebet vorträgt: „berukim hajoschbim wchaomdim." Wenn das Gebet beendet ist, reicht der Mohel das Kind dem Sandek, der ihm gegenüber auf einem Stuhle sitzt. Das anwesende Volk spricht dabei mit lauter Stimme: „nisbah b'tub betheka kedosch hekaleka." Hiernach sagt der Mohel den allgemein üblichen Segen über die Beschneidung, er vollzieht die Beschneidung, saugt dabei Blut aus und wäscht sich die Hände mit Wasser, das ihm vom Schammasch gereicht wird. Während dieser Zeit liest der Vater: „ascher kidschanu" (den allgemein üblichen Segen) und das Volk singt: „jhi dam hanimmal bikhal emunai k'reach nichoach ascher l'Aclonai." Sodann spricht der Vater: „ascher kiddescho b'beten immo" und gibt dem Kinde den Namen. Das Volk läßt von Hand zu Hand wohlriechende Kräuter (Nelken) gehen, die Alten erhalten W/ein und das Kind wird von denselben Personen, die es hergebradht haben, nach Hause gebracht, wo man das Festmahl veranstaltet. Beim Verlassen der Synagoge nach der Beschneidung wirft man vom Dach der Synagoge auf den Kopf des Kindes Süßigkeiten. Die Beschneidung und Namengebimg sind eng miteinander verbunden, sie dienen als Zeitpunkt, seit welchem das Kind als durch eine religiöse Formel und einen religiösen Ritus geweiht gilt. Von diesem Moment an ist es für den bösen Geist unerreichbar. Die Namensgebung geschieht bei Knaben am Tage der Beschneidung, bei Mädchen am ersten Sabbat nach der Geburt. Das erste Kind erhält den Namen nach der Familie des Vaters. Das Kind bekommt nicht mehr als zwei Namen, Schwache Kinder, überhaupt Kinder, die man besonders in Acht nimmt, nennt man: Isak, Abraham, Chajim. Wenn ein Teil von den Eltern des Kindes vor dessen Geburt gestorben ist, so gibt man diesem den Namen des Verstorbenen. Zum Schlüsse möchte ich die angenehme Pflicht erfüllen, Herrn Professor Eugen Kagarow für seine methodologischen Ratschläge hiermit meinen Dank auszusprechen. Für die Übersetzung ins Deutsche bin ich dem Fräulein Erna Siebert zu großem Dank verpflichtet.

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