Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 31/32 (1929)
- Issue
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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PURIM IN DER COMTADINISCHEN LITERATUR 7 lekt nachzuahmen, um desto besser ihre Nachbarn, die Hebräer, verhöhnen zu können. Als Beweis: ,,Lou Sermon di Jusiou*4^, so wie man es von Zeit zu Zeit in Carpentras am Aschermittwoch aufzusagen pflegte: eine weitschweifige Satire des jüdischen Gelüstes nach Weltherrschaft, in die Form eines großen biblischen Ulkes gekleidet. Im letzten Jahrhundert hat sich ein aus Carpentras stammender Israelit den Spaß gemacht, eine judäocomtadinische Posse zu schreiben: „Harcanot und Barcanot oder die Mefila aus Carpentras im 18. Jahrhundert", in der eines der populärsten Themen jener allen Schwanke widerhallt, das wahrscheinlich durch mündliche Überlieferung bis auf den Autor gekommen ist: Der Besuch der Juden beim Hauptmann von Carpentras, um ihm in Sachen der vielen Diebstähle, die die Christen täglich das Ghetto erleiden lassen, eine Billschrift vorzulegen. Der Bischof war ein päpstlicher Beamter und man kann deswegen an einen anderen Titel des Bildes denken: Abordnung einer bestimmten Art von Einheimischen im Schlosse der Residenz. Endlich die Plutim, gepfefferte Stücke, wo ein hebräischer Vers mit einem comtadinischeh abwechselt. Sie zählen zu den authentischen und ältesten Zierden der jüdäo-comtadinischen Literatur. Es sind dies Gelegenheilsgedichte, die bei religiösen Festen, wie Beschneidung, Ablösen des Erslgeborenen, Hochzeit, und am Feiertag Esthers, komponiert wurden, und die man meistens nach den Melodien gesungen hat, die dazumal Schlager waren: ,*Als ich in die Galeere stieg'*, „Im Kriege dienend", „Leise, Frau Wirtin", „Die Mädchen aus Tarascon". Es genügte, das Tempo zu verlangsamen, um ihnen den gewünschten Ernst zu verleihen. Die provengalischen Weihnachtslieder schämten sich auch nicht, ihre Musik profanen Liedern zu entlehnen. Auf ihre Art ausstaffiert, entsprechen ihnen die Piutim in Israel. Manche von diesen Weihnachtsliedern haben, durch die Wirkung der Nächbarschaft, *) Die Predigt eines Juden. Darstellung eines Purimspieles Aus Leusden: JPhilologus Hebraicus 1657 einige Ausdrücke des hebräisch-comtadinischen Vokabulars angenommen. Das sind jene Worte, die im Werk von Saboly oder de Peyrol, des Tischlers von Avignon, an die Juden aus dem Ghetto gerichtet sind, um ihnen die Geburt des Messias mitzuteilen: Mourdacai, veici Ion Messio... Frusten, esfato tei roupitlo .. .5) und das berühmte Reveilion te, Nanan.. .8). ein köstlicher Dialog, an dem zwei Juden teilnehmen. Der eine, voll des Eifers Neubekehrter, will sich den Hirten von Bethlehem anschließen, der andere, widerspenstig und grämlich, bleibt dem Gesetze treu. Alle diese Stücke stammen aus einer Zeit, als Judentaufen die große Angelegenheit der Kirche im Comtat waren. Die Juden wurden angehalten, regelmäßig Predigten beizuwohnen, deren Kosten sie trugen. Vergebliche Mühet Die Bestechung zeitigte bessere Erfolge, wenigstens mit einigen Unglücklichen, die man *) Älonlechaj, siehe, ist der Messias ... Dummkopf, zerreiß deine Lumpen. Wache auf, .Nanari .. .