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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1927-01-01 · 1 (1927) · p. Seite 28

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
30 (1927)
Issue
1 (1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 28 (sequence 34)
Language
German
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28 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE wärts liegt ein Ort, heisst Barass. Dort wächst eine Wurzel, heisst auch darum Barass. Sie ist feuerfarben bei Tag, u. wenn man bei Nacht dazu kommt, so leuchtet sie wie ein Blitz. Sie lässt sich aber nicht so bald ausgraben, sondern sie weicht zurück u. bleibt nicht an einem Orte stehn, bis man das Sekret einer Frau darauf giesst. Wer sie aber dann ausgräbt, muß stracks sterben. So gräbt man denn nur so weit, daß noch ein klein Bissel in der Erde stecken bleibt. Dann bindet man einen Hund daran. Der reisst sie heraus, stirbt aber sofort. Wenn man auf keine Weise sonst einen Geist aus einem Besessenen austreiben kann, so beräuchert man mit der Wurzel den armen Menschen, dann geht der böse Geist stracks heraus. Und mit dieser Wurzel macht man auf alle Schlösser und zerbricht alle eisernen Ketten u. s. w. 13. Die ganze Welt ist nicht grösser als 5800 Meilen. Das ist für den, der die Gesetze der Sphären (Galgalim) versteht, so klar, daß man es daraus schliessen kann. Wenn du wirst fragen, ob die Sternseher so etwas wirklich wissen, das steht fest: sie kennen alle die Hauptsterne u. ihre Gesetze (Halakhoth) und haben ein Buch Ibronoth dazu ohne Irrtum, und all ihr Prophezeien besteht darin, daß sie in ihrer Chronik (sefer sikhronoth) haben, wenn z. B. das oder jenes Sternbild herrscht, so kommt erfahrungsgemäß Hungersnot oder Pest u. s. w. Doch das ist blosse Annahme und Gott macht doch, was er will. Die Arzneikunst hat sich allmählich entwickelt. Wie kam man darauf, zur Ader zu lassen? In Wälschland ist ein Tier vorhanden, das hat so viel Blut in seinen Adern, daß es bald keinen Atem kann schöpfen. Im Monat Mai kriecht es zwischen alle Dornen, bis es sich in eine Ader sticht, daß ihm viel Blut entgeht, dann ist ihm wieder besser. Davon hat der Mensch gelernt, weil alle Krankheiten von bösem Geblüt kommen, wenn er tut purgieren oder schwitzen oder Ader lassen, so treibt er das bös Geblüt aus dem Leib. Schließlich kommen alle alten wie neuen medizinischen Bücher darin überein, es ist dem Menschen besser, wTenn er überhaupt keine Heilmittel gebraucht, denn die machen den Menschen schwach. Nu, du armer Mensch, du gibst Geld dem Arzt u. wer weiss, ob er dir nicht mehr dein Leben verkürzt als verlängert. Geh' zu dem Arzt Israels, zu Gott, der wird dir helfen u. Wohltun rettet vom Tode, damit basta. 14. Die Erde steht u. die Gestirne wandern. Sie wird dadurch, obwohl freischwebend, festgehalten, daß beide Himmel, der obere, wie der untere sie mit gleicher Kraft halten. Bewegte sich die Erde, so wäre es unmöglich, daß man ebenso lange seinen Weg hin wie zurückgeht In einer Richtung müsste ihm doch die Erde davonlaufen u. der Weg länger werden. So heisst es in der Schrift: „Ein Geschlecht geht u. ein Geschlecht kommt, doch die Erde bleibt ewig stehen." Daß an verschiedenen Punkten der Erde zu verschiedenen Zeiten Sabbat u. Festtag ist, mag ein Grund dafür sein, daß wir den Sabbat ausdehnen u. im Galuth 2 Tage statt eines Festtag halten. 16. Von den Hundsköpfen. Es ist etwa 200 Jahre her, dass die Spanier haben ausgefunden die neue Welt in Ostindien und die Länder, wo König Salomo hat das Gold mit seinen Schiffen holen lassen.

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