Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 30 (1927)
- Issue
- 1 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE BRÄUCHE IM COMTAT VENAISS1N 17 spielten als heute, wo der Lulab bestimmt nicht als das geeignete Symbol für das jüdische Leben als Ganzes betrachtet werden könnte. In den jüdisch-lateinischen Grabmonumenten der ersten Jahrhunderte nach der gewöhnlichen Zeitrechnung aber ist er das häufigste Symbol auf Grabschriften, mit alleiniger Ausnahme der Menorah3). Was den Sessel des Elia betrifft, liegt der Fall allerdings dunkler. Indessen existierte in Rom in den ersten Jahrhunderten nach der gewöhnlichen Zeitrechnung eine Synagoge E1 e i a. Man hat den Versuch gemacht, dies als V e 1 i a zu deuten, nach dem Namen eines Stadtviertels in der Nähe des Palatins4). Es hat aber mehr Wahrscheinlichkeit für sich, dies als, einen Personennamen aufzufassen, besonders wenn man den berühmten Brief Gregors des Großen an Libertinus, den Präfekten von Sizilien, danebenhält. In diesem Briefe befiehlt nämlich Gregor, gegen den Juden Nasas vorzugehen, der viele Christen verführt habe, am Altare des Elia zu beten, einem Altar, den Nasas selbst errichtet habe5). Die Meinung der einen geht dahin, dies beziehe sich bloß auf einen verballhornten Bericht über eine Beschneidung, zu der Nasas seine christlichen Freunde eingeladen hatte und bei der wie gewöhnlich der Sessel des Elia benützt wurde. Andere meinen, der Name beziehe sich nur auf die vorerwähnte Synagoge6). In einer späteren Zeit fand sich eine Synagoge des Propheten Elia auf Kreta7). Etwas weiter östlich, in Syrien, also nahe der ursprünglichen Heimat der jüdischen Tradition, gab es bis vor kurzer Zeit eine Reihe von Synagogen mit ähnlichen Namen, die alle legendäre Verbindungen mit dem Leben des Propheten hatten8). Vielleicht ist die Sitte von hier aus in die Diaspora gedrungen. Ohne auf diese Polemik einzugehen, können wir ruhig behaupten, daß in den ersten Jahrhunderten der gewöhnlichen Zeitrechnung die Darstellung des Palmzweiges und der Name des Elia viel engere Beziehungen zum jüdischen Leben hatten als später. Der Zusammenhang zwischen Lulab und Sessel des Elia als dem Mittelpunkt der Syn- Die Synagoge in Cavaülon agogen des Comtat sind also wohl kaum bloßer Zufall, sondern gehen vielleicht auf uralte Zeiten zurück. Das Neujahrsfest Der Ausdruck Seder war im Cumtul nicht auf den häuslichen Gottesdienst am Vorabend des Pessachfestes beschränkt. Am Vorabend der Simchath Thora, vor dem Kiddusch, wurden ausgewählte Kapitel aus der Thora gelesen, manche von ihnen mit dem entsprechenden Targum9). Der Seder am Vorabend des Neujahrsfestes war mehr den Tafelfreuden als der Literatur gewidmet. Die acht symbolischen Gerichte, wie sie bei den Sephardim üblich waren, wurden unter den entsprechenden Gebeten verzehrt10). Außer diesen wurden noch zwei besondere Schüsseln vorbereitet; in der einen befand sich