Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 30 (1927)
- Issue
- 1 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JIDDISCHE THEATER IN NEW YORK 13 Jacob Adler in einigen Hauptrollen (in der Mitte Josef Weintraub ,,~ßarkochbail) Kessler ihn zum Bleiben zu überreden suchten. Doch da ihm die jüdischen Schauspieler im allgemeinen nicht sehr freundlich gesinnt waren, kehrte er nach London zurück. Dort suchten ihn im folgenden Jahre vier jüdische Theaterdirektoren aus Amerika auf, um ihn zu engagieren, und im Jahre 1889 trat er zum erstenmal im Germania- Theater in New York auf. Die Reklame hatte ihn als Künstler allerersten Ranges ausgeschrien und man hatte für sein Debüt ,,Uriel Acosta" bereits angesetzt, als Adler darauf bestand, zuerst in einem Lustspiel, dem noch heute im Ghetto beliebten ,,Lumpensammler" aufzutreten. Das Publikum, das doch ein Trauerspiel zu sehen erwartet hatte, nahm die Posse ernst auf und wollte durchaus nicht lachen, so daß die Direktion nach Schluß der Vorstellung vor der Rampe die Mitteilung machte, Adler sei ein armseliger Schauspieler und habe sie getäuscht. Adler ließ sich aber nicht mehr entmutigen. Nach einiger Zeit ging die Direktion des Germania-Theaters in seine Hände über; gleich darauf begann er den Kampf für den Naturalismus auf der jiddischen Bühne. Bald genügten ihm die Übersetzungen aus anderen Literaturen nicht mehr, er suchte nach einem Dichter, der ihm Originalstücke liefern sollte. Er fand ihn eines Abends in dem Russen Jakob Gordin. Gordin hatte sich bis dahin noch nie als Dramatiker versucht. Ein Sohn reicher Eltern, hatte er eine sorgfältige Erziehung genossen, schon als Kind häufig das Theater besucht und sich, wie Adler, zum leidenschaftlichen Kritiker entwickelt. Er wurde Schullehrer, dann Journalist, schrieb für russische Tagesblätter und Wochenschriften in Odessa Skizzen und kurze Novellen. Der Wunsch, auf einem Bauerngute zu leben und die Ideen Tolstois zu verwirklichen, trieb ihn 1891