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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1926-01-01 · Heft 1 · p. Seite 580

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
29 (1926)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
Seite 580 (sequence 38)
Language
German
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580 M E N O R A H Jordan, heißt es Josua (4, 19). Das Neujahr am zehnten des Monates bei Ezechiel (40, 1) bezieht sich auf den Assor des Nissan, jenes Monates, der bis zur mazedonischen Zeit als Jahresanfang galt. Der Dekadenendtag, und nicht der Dekadenbeginn, als Jahresanfang, findet seine Parallele darin, daß die Römer das Fest des Janus im Januar nicht am Neujahrstage, sondern nach Schluß der bei ihnen geltenden Achttageperiode des ersten Monates, nach der ersten Nundine, am 9. Januar feierten, obwohl sie auch den 1. Januar feierlich begingen. Nach der altrabbinischen Fastenrolle (Megillath Thaanith, Kap. 13) soll am 10. Nissan wegen des Todes der Miriam, der Schwester Moses, gefastet werden. Noch lange im Mittelalter lebte bei den Juden eine günstige Erinnerung an den althebräischen Assor des Nissan. Der zehnte Tag des Monates Nissan, so hieß es, fiel zur Zeit des Auszuges aus Ägypten auf einen Sabbat, daher nennen die Juden den Sabbat vor Pessach den großen Sabbat (Schabbath haggadol). Die Benennung „der große Sabbat" kennt weder der Talmud, noch die Massekheth Sopherim, noch die Pessiktha in der Einteilung der Wochenlektionen, wahrscheinlich deshalb, weil die im Orient ansässigen Juden wußten, welchen Sinn die Bevorzugung des Sabbats vor Pessach hat. Der erste, der den großen Sabbat unter den Juden erwähnt, soll, nach einer Vermutung, der Piutimdichter Jannai gewesen sein, dem eine auf diesen Tag sich beziehende liturgische Dichtung zugeschrieben wird, eine von den Erstgeborenen handelnde Keroba. Für Raschi ist die Bezeichnung „der große Sabbat" bereits feststehende Tatsache. Erklärungen für diese Bezeichnung finden sich bei verschiedenen mittelalterlichen Autoren, so im Kolbo (47), im Schibbole Halleket (205). Der Sabbat vor Ostern, der aber immer Vortag des ersten Ostertages ist, trägt in der griechischen Kirche bis heute den Namen „der große Sabbat", ist Trauer- und Fasttag wegen des Todes Jesu und wird höher als der Karfreitag gehalten. Ursprünglich wurde die ganze Woche vor Ostern in der griechischen Kirche als „große Woche" (hebdomas megale) bezeichnet. Die ältesten Zeugen dafür sind: die abendländische Pilgerin Egeria in ihrem Reisebericht, der sogenannten Peregrinatio Silviae (c. 27), und Chrysostomos, wenn nicht vielleicht die Stelle Constit. Apost. (8, 33, 3) noch älter ist. Jedenfalls war dies im 4. Jahrhundert eine geläufige Bezeichnug. Im Westen erscheint die Benennung „die große Woche" für die Karwoche (hebdomas major) erst im 12. Jahrhundert1). Der lateinische liturgische Name des Ostersabbats ist „sabbatum sanctum".

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