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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1926-01-01 · Heft 1 · p. Seite 579

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
29 (1926)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
Seite 579 (sequence 37)
Language
German
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Die Dämonisierung fremder Feiertage Von Matthias Mieses Zweites Kapitel (vgl. Jahrbuch für jüdische Volkskunde 1924/25) Die Umkehrung heidnischer Dekadenendtage durch die Hebräer ie allen Griechen kannten keine Siebentagewochen. Sie teilten ihre J_ß Zeit in Abschnitte zu je zehn Tagen, die gleichzeitig Monatsdrittel waren. Der zehnte Dekadenendtag war immer gleichzeitig der zehnte Monatstag. Da aber die Griechen nach dem Monde zählten, umfaßte die dritte Dekade recht oft nur neun Tage. Diese griechische Zeiteinteilung ist sehr alt. Die Troer betrauerten Hektor neun Tage lang. Am zehnten bestatteten sie ihn. So lesen wir in der Ilias (24, 664). Diese Wochenart entlehnten die Griechen wie das Alphabet und eine Unzahl anderer Kulturgüter den Westsemiten, den Phöniziern. In der Genesis (24, 56) spricht ein Aramäer von einem Zehntageabschnitt. So wie die monotheistischen Hebräer den Endtag der Siebentagewoche als Festtag ansahen, dürften die polytheistischen Aramäer und Phönizier den Endtag der Dekade als analogen Feiertag behandelt haben. Ähnlich wie diese semitischen Heiden scheinen auch die Hebräer in ihrer vormosaischen Zeit orientiert gewesen zu sein. Es lassen sich zahlreiche Spuren einer ehemaligen Bevorzugung des Dekadenschlußtages in Israel nachweisen. Die Hebräer, die heidnische Götter als Dämonen ansahen, mußten dann zwangsläufig auch den heidnischen regelmäßigen Dekadenfeiertag als dämonisch, als bösen Erinnerungstag, als Tag des Fastens ansehen, so wie die Polytheisten den Sabbat der Hebräer als Ferialtag behandelten. Für diese aus der ganzen Sachlage sich ergebende Schlußfolgerung lassen sich zahlreiche Belege erbringen, die aber samt und sonders nur den ersten Dekadenendtag der meisten Monate betreffen. Der Assor des Nissan behielt am zähesten bei den Hebräern seinen ehemaligen altheidnischen kultischen Charakter. Der Dekadenendtag des ersten Monates war nach Exodus (12, 3) jener Tag, an dem vor dem Auszuge aus Ägypten das Lamm für das Pessachfest geholt wurde. Am zehnten des ersten Monates überschritten die Kinder Israels den Der 10. Nis san.

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