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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1926-01-01 · Heft 1 · p. Seite 559

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
29 (1926)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
Seite 559 (sequence 15)
Language
German
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DER BÖSE BLICK 559 durch den bösen Blick berichtet, demzufolge neue Verordnungen religiöser Natur getroffen werden mußten48). Es wird sogar eine Ansicht vertreten, wonach die 42 Kinder, die bei der Mißhandlung des Propheten Elischa zugrunde gingen (2 Kö. 2, 24), Opfer des bösen Blickes waren49). Und wie der Prophet die Strafe an den Kindern mit Hilfe des bösen Blickes durch Bären vollziehen ließ, so tat es auch R. Eleazar, der mit R. Chijja auf der Straße ging und von Räubern überfallen wurde. R. Eleazar blickte sie an, da kamen zwei Schlangen und töteten sie50). Wenn aber die Frommen und Gelehrten mit ihrem Blicke töteten oder anderes Unheil anstifteten, so geschah dies weder aus Neid noch aus Bosheit, sondern es wurde dadurch ein größeres oder geringeres Verbrechen bestraft. Die Todesstrafe war oft zu hart und stand nicht im Verhältnis zum begangenen Fehler, aber für die Folgen ihres Blickes trugen sie keine Verantwortung; diese gehörten schon nicht in den Bereich ihres Willens. Es war nur allgemein bekannt, daß der Blick der Weisen entweder Tod oder iVrmut nach sich ziehe, dies aber bestimmte nicht der betreffende Weise51). Als Ausnahmefall ist anzusehen, daß R. Jochanan (3. Jhdt.) auch ohne jedwede Absicht mit seinem Blicke tötete. Er hatte große Augenlider, die seine Augen ganz bedeckten, und wenn er sehen wollte, hob er das Augenlid mit einer silbernen Zange in die Höhe. Als er sich einst mit einem Kinde — es war der Sohn seiner Schwester — unterhielt, wollte er das Augenlid emporheben, um das Kind anzusehen; aber kaum hatte es die Mutter, die zugegen war, bemerkt, als sie das Kind schnell hinausführte, damit es ihm nicht so ergehe wie seinem Vater,

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