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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1926-01-01 · Heft 1 · p. Seite 554

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
29 (1926)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
Seite 554 (sequence 10)
Language
German
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554 MENORAH und Medad, als sie im Lager weissagten (Nu 11, 26). Er sah auch nicht scheel auf Josua, als dieser seine Würde übernahm8a). Jonathan, Sohn Gerschoms, Sohn Menasses (Ri 18, 30), versah den Priesterdienst bei einem Götzen und doch erwarb er sich große Verdienste um den jüdischen Glauben, weil er den Götzen mit bösem Auge behandelte, in dem Sinne: er beneidete ihn um die ihm dargebrachten Opfer. Es wird auch ausführlich erzählt, worin sein böser Blick bestand. Wenn man dem Götzen ein Opfer darbrachte, klärte er den Opfernden auf, daß dieser Gott nicht sehe, nicht höre, nicht esse und nicht trinke. „Was ist da zu tun?" fragte der andere. „Bringe eine Schüssel voll mit Mehl,'4 antwortete der kluge Priester, „gib zehn Eier hinein und bereite daraus eine Opferspeise/4 Der einfältige Spender gehorchte und der Priester ließ sich das Opfer gut schmecken9). „Reichtum, als Gegenstand des Neides, ist auch dann schwer zu hüten, wenn er den Göttern gehört", sagt Strabo. Der heilige Sänger preist Gott, weil er ihn den Untergang derer sehen läßt, die ihm auflauern (92, 12), worunter die Frevler gemeint sind, die ihn mit bösem Blick ansehen, oder die ihn beneiden10). Manchmal wird ausführlich erklärt, was man unter dem bösen Blick zu verstehen habe: Sieben Dinge gibt es, die Krankheiten, besonders Schäden an Häusern, verursachen. Das letzte ist das böse Auge. Wodurch entstehen Krankheiten (Aussatz)? Durch das böse Auge. Es lehrt R. Jizchak: Wenn nach der allgemeinen Sitte einer zu seinem Nächsten sagt: „borge mir dein Beil, damit Holz zu spalten; borge mir dein Sieb", er aber erwidert mit bösem Auge, er habe keines, obwohl er es hat, so überfällt sein Haus ein levitisch verunreinigender Schaden. Er muß alles räumen, was sich im Hause befindet, da kommen auch das Beil und das Sieb zum Vorschein, worauf die Leute bemerken: „Sehet sein böses Auge! Er wollte nicht borgen, was er besaß, er hatte ein böses Auge, daher muß er jetzt sein Haus räumen"11). In einer Geschichte wird uns der Geizhals mit dem bösen Blick dargestellt. Ein Gutsbesitzer ließ vor dem Tode seinen Sohn rufen und sagte ihm: „Meine Felder werfen jährlich so und so viel Nutzen ab, davon entfällt der zehnte und das übrige genügt für den Lebensbedarf". Den Sohn aber überfiel ein böser Blick und er zwackte von dem einzuliefernden Maß ein Zehntel ab. Dementsprechend warfen die Felder jährlich um zehn Zehntel weniger ab, bis endlich der ganze Ertrag nur ein Zehntel ausmachte. Als ihn die Freunde besuchten, machte er ihnen den Vorwurf, sie freuten sich über seinen Ruin. „Nein," sagten sie, „wir freuen uns mit dir. Denn bis jetzt warst du der Eigentümer und Gott der Priester, jetzt bist du der Priester und Gott der Eigentümer"12) Auch das Opfer des Kalbes, dem nach Vorschrift der Thora das Genick gebrochen wird, wurde nur für die Geizhälse gebracht. Denn die Alten der Stadt wuschen ihre Hände und sagten: „Unsere Hände haben dieses Blut nicht vergossen und unsere Augen haben die Untat nicht gesehen." Wem fiel es denn ein, diese Leute des Mordes zu beschuldigen? Es sind aber Pflichten der Wohltätigkeit damit gemeint. Sie sagten: Wir entließen niemals einen Armen ohne Speise und ohne Begleitung. Denn Hunger und Vereinsamung haben letalen Ausgang13). Eine

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