Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 2 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 41 — Mendel Satanower der Verbreiter der Haskalah in Polen und Galizien. (Ein Kulturbild aus dem jüdischen Polen an der Wende des XVIII. Jahrhundertes.) Von N. M. Gelber (Wien). I. Der erste Popularisator der Haskalabewegung auf polnischem Boden gehört schon heute zu den vergessenen Persönlichkeiten. Keiner unserer Historiker, die sich mit der Geschichte der Haskala befassten, von Grätz bis auf Bernfeld und Katz, hat sich näher mit ihm beschäftigt.2) Mit einem Worte, seine Persönlichkeit ist von unserer Historiographie so gut wie totgeschwiegen worden; und doch gehört er zu den interessantesten Charakterköpfen der ersten Haskalabewegung. Ist er ja der erste Maskil in Polen, der es mit grossem Eifer unternommen hatte, die in Berlin gepredigten Haskalaideen hier zu popularisieren und Jünger für die neue Schule zu erziehen. Diese Aufgabe hat er auch mit glänzendem Erfolge ausgeführt; denn so manchen geistreichen Jünger führte er der Haskala zu, und aus seiner Schule gingen die tüchtigsten hebräischen Schriftsteller der galizisch-russischen Haskala hervor. Wir wollen seinen Lebenslauf) schildern und speziell seine Ideen über die Judenreform. 0 Er darf nicht mit Mendel Satanower verwechselt werden, der in der zweiten Hälfte des XVI5L Jahrhundert Rabbiner in Satanow (Podolien) gewesen ist und an der Disputation mit den Frankisten in Kamieniec podolski mit Beer, Rabb. in Jasrowce, als Vertreter der Talmudisten, teilgenommen hat. (Grätz, Frank und Frankisten, Breslau 1868 S. 36). 2) Bernfeld tut seiner Erwähnung in seiner Monographie: Toledoth Schir (S. J. Rappaport) S. 10, indem er sehr kurz seinen Streit mit Toblas Feder erwähnt. Katz in seinen vortrefflichen Skizzen zur Geschichte der jüdischen Aufklärung in Russland (Toledoth Haskalat Hajehudim b' Russia), Hazman Bd. I, St. Petersburg 1903, kennt ihn überhaupt nicht. Satanowers Polemik mit T. Feder streifte auch kurz in letztEr Zeit M. Stanislawsky in seiner biographischen Skizze: Tobia Feder in „Jewrejskaja Starina", Dezemberheft 1912 (russisch). 3) Die biographischen Daten entnehmen wir A. Qottlobers Mitteilungen im Hammaggid, seinen „Erinnerungen", gedruckt im „Heasif", hgb. von N. Sokolow, Bd. I S. 6—7, und seinen Aufzeichnungen in dem von ihm herausgegebenen „Boker or", Jg. 1878 p. 640—642, in Ha-gisra wehabnuja, M. Letteris' Memorien „Sikkaron basefer", Wien 1868, S. 38—40, Papirnas „Lebenserinnerungen" im Heasif, Jg. 1900 S. 60, M. Letteris' Toledoth N. Krochmal (hebräische Beilage zum „Centraiorgan", Wien, Jg. 1848, S. 4—5).