Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 17 (1914)
- Issue
- 2 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem geistigen Leben der echtorientalischen Juden in Vorderasien. (Fortsetzung) 2. Die Juden Persiens. Von A. Z. I d e 1 s o h n in Jerusalem. Wie uns die Bibel berichtet, gab es in Persien bereits nach der Zerstörung des ersten Tempels Juden in grosser Anzahl. Sie blieben auch trotz der Aufforderung Esras, mit ihm nach Jerusalem zurückzukehren, in ihrer neuen Heimat wohnen, und es ist anzunehmen, dass sie den Boden Persiens auch später nie verliessen; wenigstens ist von einer Vertreibung der Juden aus Persien nichts bekannt. Vielmehr erfreuten sie sich Jahrhunderte hindurch vollständiger Frei' heit1) und erst in den letzten zweihundert Jahren begann eine von dem schiitischen Klerus hervorgerufene systematische Judenverfol" gung. Ihre Lage ist immer unerträglicher geworden, wie dies „Benjamin der Zweite"2) in seiner Reisebeschreibung ausführlich schildert. Der Fanatismus wuchs bis zur Tyrannei. Aus mehreren Städten, die aus irgendwelchen Gründen von den Mohammedanern heilig genannt werden, wurden die Juden verjagt. In der heiligsten Stadt Persiens, Mesched, existierte eine ansehnliche, reiche jüdische Gemeinde. Anfangs des vorigen Jahrhunderts brachte es der schiitische Klerus dahin, dass die Juden aus dieser Stadt ausgewiesen wurden, wenn sie nicht Mohammedaner Werden wollten. Ein Teil der jüdischen Bevölkerung wanderte aus. Die reichen und charakterschwachen Juden verstanden sich zu einer Scheinbekehrung. Seitdem, es sind nun bereits etwa hundert Jahre verstrichen, leben diese persischen Marannen vor der Aussenwelt als fromme Mohammedaner, im Hause aber beobachten sie aufs Strengste die jüdische Religion. Auch heiraten sie nur untereinander. Es ist bei den frommen Muselmännern Sitte und heilige Pflicht, wenigstens einmal im Leben nach Mekka und Medina zu pilgern, wer aber dieses heilige Gelübde wiederholt erfüllt, wird hoch gepriesen und selbst zum Heiligen gestempelt. Damit kein Verdacht gegen die Marannen auftauche, pilgern sie oft gen Mekka und Medina. Die frommen Mohammedaner machen auf ihrem Weg nach dem Grabe des Propheten einen Abstecher in Jerusalem,3) „der Heiligen" (Stadt) *) Wie Binjamin aus Tudela und Petachja aus Regensburg gelegentlich berichten. 2) Vgl. Maase Jisrael, Lyck 1859, Kap. Persien ff. 3) Auch für die Mohammedaner ist Jerusalem heilig.