Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 192)
- Language
- German
- Belongs to
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— 168 — 2) Wunde Körperstellen befeuchtet man gern mit Tau, indem man sieh davon Heilung verspricht. Beherzte Menschen suchen dadurch ihre Wunden zu heilen, ^daß sie dieselben mit der Hand eines Toten bestreichen. Gegen rheumatische Schmerzen in den Armen und Händen ^vird ein rotes Schnürchen angewendet, das man um das Handgelenk bindet. 3) Wenn jemandem plötzlich schlecht wird, sagt man: Ei (oder sie) hat ein Gitäug [= gutes Auge, statt böses Auge]. Es wird nämlich angenommen, daß der mißgünstige Blick eines anderen Menschen ihm geschadet hat. Daß ein solcher Blick schädlich wirkt, wird schon im Talmud als feststehende Tatsache betrachtet (vgl. Berachot 20a u. v. a.). Ein solches Unwohlsein wird durch das „Absprechen" geheilt. Dies geschieht gewöhnlich durch alte Frauen. Sie sprechen dabei so leise, daß man nur die Zischlaute hören kann. Nachdem sie so einige Minuten still'gesprochen haben, beginnen sie zu gähnen. Dieses anhaltende Gähnen steckt gewöhnlich auch den Patienten an. Er beginnt auch zu gähnen und erholt sich dadurch allmählich. Die hierbei angewandten Formeln werden von den „ Absprecherinnen" geheimgehalten. Jedoch kenne ich zwei solcher Formeln. Eine viel gebrauchte besteht hauptsächlich im Zählen. Die Frau sagt z. B.: Jankel ben Ruchel [Jakob, Sohn der RahelJ soll kein Gitäug nischt sein, nischt eins, nischt zwei, nischt drei, nischt vier, nischt fünf, nischt sechs, nischt sieben, nischt acht und nischt neun. Dieses wird so 9 mal wiederholt, und das Ganze wieder 3 mal hergesagt. Eine andere Formel ist folgende*. In der Midbar [Wüste] steht ein großer Stein, auf ihm sitzen drei Weiber, die eine sagt: Jankel ben Ruchel hat ein Gitäug, die andere sagt: nein, die dritte sagt: Von wannen es ist gekommen, dahin soll es gehen. Bücherschau. Dr. J. Gimzig". Rabbi Israel Baal-Schern, der Stifter des Chassidismus, Brünn, Max Hickl, 1908. 70 S. 86. Ein klar und populär geschriebenes Büchlein, das die Lehren des Chassidismus sowie das Leben seines Stifters in anziehender Weise schildert. Es wird gerade jetzt, 150 Jahre nacli dem Hinscheiden des Baal-Schein, viele aufmerksame Leser finden und wohl dazu beitragen, dem so oft verlachten und verkannten Ohassidismus zu seinem Rechte zu verhelfen. Der Verfasser steht dieser Sekte sympathisch gegenüber, was vom historischen Standpunkte auch sehr wohl begreiflich ist. Dr. Weissenberg. Grätz, Geschichte der Juden. Bd. V, 4. Aufl. Bearb. von Dr. S. Eppenstein, Leipzig 19U9, Ose. Leiner. mk. 10.2U. Der Herausgeber dieser neuen Aauflage war dazu um so mehr befugt, als er selbst neben Lewy, Harkavy, Bacher, Steinschneider, Epstein, Poznansky u. a. zu denen gehört, die seit Grätz das Eeich der jüdischen Geschichtswissenschaft gemehrt und darin tiefer gegraben haben. Ueber die Saburäer, die gaonäische -Zeit, über die Anfänge der Bibelexegrse und die Entwicklung der synagogalen