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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1910-01-01 · 1 (1910) · p. Seite 166

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
13 (1910)
Issue
1 (1910)
Date
1910-01-01
Page
Seite 166 (sequence 190)
Language
German
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- 166 - 4. Ech bin schojn gewejn wat af der Welt In Bejfall hat inen mir gegeben, Ech hub derbei vardient Geld, Mit Vargnigen hot mech mir getin leben. Ech hub roech of dem gar nischt gerecht, Ech hub gemeint, es wet mir schlecht gejn, Ech dank Gott, es is mir nischt schlecht, Ech soll nor beschulen! [in Frieden] kimmen ahejm. 5. Ihr mejgt mir glejben, as ech hub es allejn gemacht, Wus ihr hejrt vin mir a Lied, As mane Gedanken hub'n es ousgetracht, Ech schwejr ach, asoj wie ech bin a Jid. Nor dus ane tit mech krenken, As ech well nuch eich bangen. Var Zures [Schmerz] schlugt mech der Schwejss. Gott soll eich geben a glicklich Leben, Ech well ach sugen dem letzten Adjes. Adje, Adje, Hejrt man Geschrej, Ech gesegn mech mit ach vin grojss bis klejn, Adje, Adje, H"j"b [Gott] soll ins helfen, As mir selln sech noch amul sejn! Eine jüdische Beschwörungsformel gegen den bösen Blick. Von I>r. S. Weissentoerg, Elisabethgrad. Steht auch das jüdische Volk in .Rußland kulturell höher, als seine Nachbarvölker, so ist es doch von diesen nicht unbeeinflußt geblieben, was sich besonders auf dem Gebiete der Volkskunde feststellen läßt. So ist mancher jüdische Aberglaube russischen Ursprungs und das meiste, was sich auf Volksmedizin bezieht, ist entlehnt. Begegnet man auch jüdischen „Sprechern" oder „Sprecherinnen", die die Krankheit besprechen oder beschwören, so war mir doch keine originell jüdische Beschwörungsformel bekannt, indem alle hierhergehörigen Formeln entweder russisch^ gesprochen wurden oder aus dem Russischen übersetzt waren. Übrigens ist die Zahl der Juden, die sich mit Besprechung der Krankheiten beschäftigen, sehr gering, weshalb man im Notfall eher zu einem Russen oder sogar zu einem Tataren seine Zuflucht nimmt. Ich war deshalb nicht wenig überrascht, als ich in eioem Gebetbuehe für Frauen aus dem Jahre 1901 (A neie Schaß Techinoh, Wilna, Maz) eine Beschwörungsformel gegen den bösen Blick fand, die einen echt jüdischen Charakter trägt. Ob sie alt oder vom Zusammensteller des Gebetbuches verfaßt ist, kann ich nicht sagen.

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