Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 13 (1910)
- Issue
- 1 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 115)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2638044-2638092-2638093--0953-2640800- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 91 — Bücherschau. Joachim Jörg, König Saul. Schauspiel. Dresden 1909, Rud. Kraut. Wie die Tragödie des ersten Königs von Israel zur Dramatisirung geradezu geschaffen ist, beweist dieser gelungene Versuch, der zweite in diesem Jahre. Das Werk kann auf der Bühne seine Wirkung nicht verfehlen. Es ist zu wünschen, daß alle die zahlreichen biblischen Stoffe so liebevolle Einkleidung in modernes und doch dem Geiste getreues Gewand finden. L. E. N. Adler, Von Ghetto zu Ghetto. Autorisierte Übersetzung aus dem Englischen. Stuttgart 1909, Strecker und Schröder. 213 S. Mk. 3.50, schön gebunden Mk. 4.50. Hat das Schicksal mit der einen Hand die Juden in alle Welt zerstreut, so hat es mit der anderen ihnen geist- und herzbegabte Männer bestimmt, die »hinausgehen, um nach ihren Brüdern zu sehen«; und von dem Leben der fernsten Judengemeinden Kunde in die Heime bringen, wie sie andererseits jenen durch ihr Erscheinen und ihren Eifer den Beweis liefern, daß ihre Blutsgenossen sie nicht vergessen und die alte Stammesgemeinschaft sich nicht lockert. An eine ehrwürdige Reihe von Vorgängern schließt sich mit diesem prächtig ausgestatteten Wanderbuche ein Sohn unserer Zeit an, in dem sich Sachkenntnis und gesundes Urteil j Synagoge »Ascher Rofe« in Teheran. mit meisterhaftem Erzählertalent in glücklicher Harmonie zusammengefunden haben.; Neuartig im Vergleich mit den jüdischen Weltreisenden früherer Zeiten sind nicht allein seine Reisemittel, sondern auch sein eigentlicher ReisezWeck: Alte Manuskripte und seltene Drucke zu finden, ist er in diesen zwanzig Jahren so und so oft ausgegangen und während er so nebenbei «ine lebendige Kenntnis der Gegenwart alier möglichen exotischen Juden gewinnt, hat er in Verfolgung seiner ursprünglichen Aufgabe ganz neue Quelleh ihrer älteren Geschichte aufgestöbert und dadurch „bisher unbekannte ^Gebiete der "jüdischen Wissenschaft ^erschlossen. Die-Überraschung durch die Funde in Jemen wurde zum großen. Teil durch Adlers Verdienst bald durch die Entdeckungen in der Gsniza in Kairo und diese durch die Auffindung einer persischen Literatur der Juden überholt. Auch auf die sagenumwobene Gestalt David Reubenis fällt aus seinen Forschungen (s. S. 187) ein neues Licht. Von modernen Marranen und vielem Anderen