Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 4 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 160 — Die kaukasischen Bergjuden. Von Dorothea Weissenberg, Elisabethgrad. (Schluß.) Interessant sind die Frühlingsfeste der Bergjuden. In einigen Dörfern gehen die jungen Leute und Mädchen am ersten Frühlingstage in den Wald, um „Scham-Agaschi" (Tannenbaum) zu suchen. In der Nacht machen sie einen Scheiterhaufen aus diesen Bäumen, zünden ihn an urd springen über das Feuer, indem sie ein Lied singen. Die Mädchen feiern den Frühling vor dem Wochenfeste. Sie machen eine Puppe, der sie wie einer Braut, das Gesicht verhängen. Mit dieser Puppe gehen sie von Haus zu Haus und sammeln Geschenke. Gewöhnlich werden sie mit einem tüchtigen Wassergnß empfangen, wobei sie ein Lied von „Gogil" anstimmen. In der Stadt Kuba sammeln sich vor dem Anfang des Frühlings die Mädchen und gehen in den Wald, wo sie wahrsagen, Veilchen und andere Blumen aufsuchen und Kränze machen. Dann sammeln sie Strauchholz und tragen es mit Hilfe der hinzugekommenen Jünglinge in die Stadt, was von verschiedenen Tänzen und Liedern begleitet wird. Abends wird das Strauchholz angezündet, und die Jünglinge springen über den brennenden Scheiterhaufen. Dasselbe tut man in anderen Gegenden vor dem russischen Osterfeste in dem Glauben, daß der Geist Jesu Christi diese Nacht in der Welt umherirre und den Juden Unglück bringen könnte. Der Scheiterhaufen hat den Zweck, Jesus von den Häusern zu entfernen. Deshalb sieht man in allen Dörfern vor Ostern brennende Scheiterhaufen. Einige Bräuche während der jüdischen Feiertage erscheinen ebenfalls als Überreste des Heidentums, von den Nachbarvölkern entlehnt. Die Nacht vor dem siebenten Tage des Festes „Sukkoth", „Arawo" genannt, wird von den Männern unter Beten und Lesen der Psalmen verbracht1), während die Mädchen sich versammeln und bis zum Morgen tanzen und singen und sich mit Wahrsagerei über den künftigen Bräutigam beschäftigen. Nach dem Glauben der Bergjuden wird in dieser Nacht das Schicksal des Menschen bestimmt. Außerdem glauben die Bergjuden noch, daß um Mitternacht dieses Tages die Flüsse auf einen Moment zu fließen aufhören, und wer in diesem Moment eine Bitte an Gott richtet, sieht sie in Erfüllung gehen.% Die Hauptfeiertage sind das Passahfest und das Fest von Esther und Mardochai. Die Vorbereitungen zu diesen Festen dauern zwei oder drei Monate, wobei die Frauen am meisten arbeiten. Die Zeit während der Feiertage vergeht meistens unter Beten und Essen. Des Morgens gehen die Männer in die Synagoge und die Frauen bleiben zu Hause, um die Festmahlzeiten vorzui) Allgem. Brauch. D. Red.