Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 4 (1908) · p. Seite 145

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
4 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 145 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2638044-2638087-2638091--0674-2640657
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 145 — der für Zarncke ein besonders ehrenhafter und frommer Autor zu sprechen scheint, wogegen man jedoch die kurze Biographie über Äemilius bei Gosche1) vergleichen wolle, so ist folgendes zu bemerken: Wir haben Aemilius schon als, gelinde ausgedrückt, Bearbeiter, um nicht zu sagen Abschreiber, einer jüdisch-deutschen Pentateuchübersetzung kennen gelernt. Wie geduldig ist nicht das Papier und noch dazu für einen so platten Skribenten seiner Gilde! Dennoch wagt er es nicht im mindesten, weder in der Vorrede noch auf dem Titel des Ingolstadter Druckes, sich als Originaldichter aufzuspielen oder zu nennen. Was aber überhaupt diesen ganzen literarischen Streit anbetrifft, so bedeutet er, wie wir gesehen haben, für die eigentliche Untersuchung über das Samuelbuch keinen wesentlichen Fortschritt. *) Gosche, Sendschreiben, S. 14f. Es verlohnt sich, die Biographie, welche Gosche von Aemilius entwirft, hier anzuführen: „Da nahen Sie einen Juden aus dem fränkischen Bödelsee (nicht aus dem klassischen Kom, wie die gangbaren literarischen Hilfsmittel sagen); er scheint sehr wenig hegaht, denn er lernt nicht einmal, was seine Pflicht war, seine Nationalsprache ordentlich; er lungert dann nach der Vagantenmanier seiner Zeit, aher ohne literarische Spuren zu hinterlassen, überall umher, ja er redet nicht ohne Stolz von Paris, Löwen und anderen Universitäten; Widmannstadt hat ihn 1588 als Schreiber bei sich in Kom, wo er schon, um sich einigermaßen zu helfen, vieUeicht auf Veranlassung des nachherigen Augsburgischen Bischofs Otto katholischer Christ geworden war und sich daher Komanus nennt; für Widmannstadt kopiert er hebräische Handschriften, welche Kopien er mit fehlerhaften und beschränkten Unterschriften versieht; 1544 finden wir ihn als Buchdrucker in Augsburg, wo er die vorhin erwähnte, nach seinem eigenen Zeugnis „vor vielen Jahren" entstandene fremde jüdisch-deutsche Übersetzung der alttestamentlichen Hauptbücher einfach abdruckt und mit einer platten Vorrede versieht; 1547 wird er zwar Professor der hebräischen Sprache in Ingolstadt, aber nur als protegierter Neophyt, nicht als Kenner seines Faches, denn seine erste literarische Leistung in dieser SteUung, die Widerlegung vnd ablainung etlicher fürnemster Articul, vnd vrsachen darumb die Juden .... Jesum Christum nit annemen von 1548 ist ebenso voU von Unverstand als Glaubenshaß; 1562 sucht er durch die Verdeutschung des poetischen Samuelbuchs mit einer philiströsen Dedikation sich die Gunst seiner Herrin, der Herzogin Anna, zu sichern; 1574 katalogisiert er die hebräischen Handschriften in München, aber auch wieder (wie ich durch Steinschneider erfahre) mit größter Unwissenheit; 1575 stirbt er als Vater von sechs Söhnen und elf Töchtern." — Über Paulus Aemilius vgl. Steinschneider, Die hehr. JELss. der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek in Mimchen (Sitzungsberichte d. philos.-philologischen u. hist. Klasse d. Kgl. Bayrischen Akademie d. Wissenschaften 1875), S. 185; Prantl, Gesch. d. Ludimg-Maximilians-Universität H, S. 495; Bleger-Vogelstein, Gesch. d. Juden in Born II, S. 114. Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. Heft XXVm. Jahrg. 1903. Heft 4. 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.