Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 3 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilungen zur judischen Volkskunde. Organ der Gesellschaft für jüdische Volhshunde in Hamburg und der Gesellschaft für Sammlung und Konsenrierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums in Wien. Heft XXVn. Jahrg. 1908, Heft 3. Fahrende Leute bei den Juden. Von Albert Wolf ges. And. Aus dem Nachlaß des Verfassers auf Wunsch der Witwe herausgegeben von Dr. M. Grunwald.i) Die Vorsehung hat den Juden ein glückliches Temperament verliehen. Trotz aller Bedrückungen und Verfolgungen brach bei ihnen die Lebensfreudigkeit immer und immer wieder durch, auf die sie ja schon durch drei ihrer Feste: Simchath Thora, Chanucka und Purim hingewiesen wurden. Mehr noch kam sie aber infolge der besonderen Innigkeit ihres Familienlebens bei den Familienfesten zur Erscheinung. Besonders lustig ging es bei den Hochzeitsfesten zu. Musik, Tanz und Possen aller Art durften da nicht fehlen. Wenn auch Talmudweise der Musik abgeneigt waren, schon das Anhören verboten und das Anstimmen von Melodien nur dann gestatten wollten, wenn es zu Gebetszwecken geschah, — eine Anschauung, die auch noch Maimonides teilte, — so hatten die späteren Rabbinen doch gegen die Musik bei Hochzeitsfesten nicht nur nichts einzuwenden, vielmehr hielten auch sie die Musik bei Hochzeiten für ein so unbedingtes Erfordernis, daß, wie berichtet wird, Maharil (1365—1427) einst eine Hochzeitsgesellschaft vor der Trauung über die Grenze des Gerichtsbereiches der Obrigkeit hinausführte, welche die Verwendung der Spielleute verboten hatte.2) Ebensowenig hatten sie Einwendungen gegen den Tanz bei solchen Gelegenheiten zu erheben, wenn dieser zwischen den Männern und dem Bräutigam, und den Frauen mit der Braut stattfand. Im Gegenteil galt ein solcher Tanz als ein gottgefälliges Werk, da es eine religiöse Vorschrift war, Braut und Bräutigam am Hoch- *) Die Beisätze in [] stammen vom Herausgeber. 2) Jew. Encyclop. [Am Hofe Alhakems stand der jüdische Musiker Manser in hohem Ansehen. Vgl. Ersch u. Grruber Art. Juden 207. Im AUg. s. Löwr Lebensalter 307.] Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. Heft XXVII. Jahrg. 1908. Heft. 3. 1