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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1908-01-01 · 2 (1908) · p. Seite 41

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
11 (1908)
Issue
2 (1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 41 (sequence 1)
Language
German
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Mitteilungen zur jüdischen VolRshunde. Organ der BisellsGhaft für jüdische Volkshunde in Hamburg und der Gesellschaft für Sammlung und Honseruierung von Runst- und historischen Denkmälern des Judentums in Kien. Heft XXVI. Jahrg. 1908, Heft 2. Das Kind bei den Juden. Von Regina Liliental, Warschau. Aas den „Materyaly antropologiczno-archeologiczne i etnograficzne" der Akademie der Wissenschaften in Krakau, VII. Bd. 1904, übersetzt. (Schluß.) Je jünger das Kind ist, desto mehr wird es gehätschelt, mit um so größerer Zärtlichkeit behandelt. Bis zum zweiten oder dritten Jahre spielt die Mutter damit und belustigt es, indem sie es Icozi lapki (Patschhändchen) machen läßt107), ihm miau Ketzelem) oder tju tju tju jagele vormacht109), oder es auf die Schultern hebt und ruft: „A Schepsele zi verlcoifen!" Darauf fragt ein »Anderer: „Wie teier?" „A Dreier". „A Mekach?" (Preis) „A Schtik Lekach" (Kuchen). „A Schate?' (Schätzung) „A Patsch". Darauf läuft sie mit dem Kinde davon und der Andere verfolgt sie110). Einem älteren Kinde bezeigt man keine Zärtlichkeit, denn das würde es verderben, dagegen weist man es oft zurecht. Es darf nicht mit den Füßen nach hinten ausschlagen, denn damit verflucht es seine Eltern, und zwar den Vater, wenn es den rechten, die Mutter, wenn es den linken Fuß bewegt111). Aus demselben Grunde verbietet man ihm, Speisen hinter sich zu werfen. Es darf nicht rücklings gehen, denn soviel Schritte es dabei macht, so viele Jahre müssen die Eltern in der Hölle bleiben112). Es darf nicht mit seinem Schatten spielen, sonst wird es dumm, oder dem Schatten drohen, sonst bringt es Unheil über sich113). Es darf nicht mit Feuer spielen, sonst fängt es des Nachts Fische114), und nicht vor dem Feuer in die Hände klatschen oder tanzen. Man verweist es ihm, wenn es mit einem unbeschuhten Fuß einhergeht, denn es wird, wenn es ein Knabe ist, in Zukunft mehrere Frauen, wenn ein Mädchen, mehrere Männer haben115). Seinem Spiegelbild darf es nicht die Zunge zeigen, sonst fällt sie ihm ab. Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. Heffc XXVI. Jahrg. 1908. Heft. 2. 1

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