Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 1 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mohel 1× ep/1006163
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— 6 — Nach dieser Zeit, oft schon früher, bekommt das Kind ein Hemdchen, dessen Schnitt dem eines Mantels ähnlich ist31). Überzeugt, daß das Kind, so lange der Nabelschnurrest nicht abgefallen ist, nicht ersticken kann, auch wenn es bis über den Kopf zugedeckt würde, deckt es die ängstliche Mutter übermäßig zu, was ihm nur schädlich ist. Außerdem behält sie es durch acht Tage (ein Mädchen kürzer) bei sich im Bette und wendet ihm immer das Gesicht zu, damit es keine gelbe Farbe bekomme. Diese Vorsicht muß besonders bei Knaben beobachtet werden. Dann muß das Kind und auch die Wöchnerin noch mehr vor unreinen Geistern behütet werden. Um beide vor diesen bösen Mächten zu bewahren, werden folgende Mittel angewendet. a) In der Wochenstube werden über dem Bette, den Türen, Fenstern und dem Ofenrohr Schutzbriefe, L'mafel-tow-Kwitlech, wie der (S. 7 u. 8) folgende angeklebt. Sie sind für Knaben und Mädchen verschieden, da jedoch die Unterschiede sehr gering sind, so wird bei der Anwendung nicht streng darauf gesehen32). b) In der Wochenstube wird das Ofenrohr abgesperrt und ein Besen hineingesteckt33). c) Unter das Kopfkissen der Wöchnerin legt man ein eisernes Messer und ein Gebetbuch34). d) Des Abends muß in der Wochenstube immer Licht brennen35). e) Die Wöchnerin darf nicht allein bleiben, man darf auch in die Stube weder Hund noch Katze hineinlassen, weil die Malice Schwu, die Königin von Saba, in Gestalt eines solchen Tieres das Kind vertauschen, oder ihm das Blut aussaugen, oder auch ihm die Brust geben und es dabei erdrücken könnte36). Den größten Gefahren ist ein Knabe ausgesetzt, bei einem solchen werden daher noch besondere Vorsichtsmaßregeln angewendet, und zwar a) In der ersten Woche verrichten jeden Abend Chederschüler in der Wochenstube das Nachtgebet. b) Während der ganzen WachnacM, der Nacht vor dem Beschneidungstage, wacht ein Minjen, zehn Mannspersonen bei Wöchnerin und Kind, betend und „lernend". c) Am Vorabend dieses Tages legt der Mohel das Beschneidungsmesser unter das Kopfkissen des Kindes, um ihm das Erschrecken zu benehmen37). d) Aus Furcht vor den überall lauernden Gefahren wagt man es nicht einmal, das Kind in das anstoßende Zimmer zu bringen38). Bei Mädchen findet die Namengebung an einem beliebigen Tage, gewöhnlich an dem dem Geburtstage folgenden Samstag, während des Morgengottesdienstes statt, worauf ein bescheidener Imbiß die Feier beschließt. Bei Knaben erfolgt der Bris, die Beschneidung, am achten Tage nach der Geburt und ist von vorausgehenden und nachfolgenden Gastereien begleitet. Am Abend des vorhergehenden