Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 11 (1908)
- Issue
- 1 (1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 5 — Am besten ist es, wenn es am Dienstag auf die Welt kommt; wird es am Freitag geboren, so wird es fromm, wenn am Samstag, ein Schlächter oder Käuber (nach anderen wird es immer Not leiden), wenn am Jörn Kippur, lebt es nicht lange, wenn am Tische b'Ab, dann steht ihm ein trauriges Los bevor. Gut ist es, wenn es zur Zeit des Vollmondes zur Welt kommt20), ein Glück, wenn in einer „Haube"21); reich wird es, * wenn es behaarte Hände hat22), es lebt nicht lange, wenn es einen blauen Streifen über der Nase hat23), es stirbt bald, wenn es mit Zähnen zur Welt kommt24), (nach anderen kann es am Leben bleiben, wird aber ein schlechter Mensch. Im Volke lebt noch die Erinnerung, daß man vor alters solche Kinder getötet habe). Zahlreiche Segenswünsche begrüßen die Geburt. Sie sind sehr verschieden, der typische Wunsch lautet jedoch immer gleich: D^nitt D^tO^übl minbl fiölfib „Zur Ehe, zum Thorastudium und zu guten Werken". Die erste Windel wird in aller Eile aus einem alten Hemde verfertigt25), da man vor der Geburt des Kindes nichts vorbereiten soll26); es ist sogar gut, wenn das Kind das ganze erste Jahr nur aus alter Wäsche angefertigte Hemden trägt. Sofort nach der Geburt badet die Hebamme das Kind in einer neuen Mulde. Sie taucht den Arm bis über den Ellbogen ins Wasser und legt das Kind, wenn sie die Temperatur angemessen befunden hat, in die Windel gewickelt, hinein27). Mit der linken Hand den Kopf des Kindes emporhaltend, benetzt sie es mit der Kechten. Mund und Augen werden mit der um den Zeigefinger gewundenen Windel ausgewaschen. Manchmal wird dem Badewasser Milch zugesetzt, damit das Kind eine weiße Farbe bekomme, man drückt ihm auch die Nase zusammen, damit sie eine schöne Form erhalte28). Häufige Bäder fördern das Wachstum, doch wird das Kind nur in der ersten Woche und nur zweihöchstens dreimal gebadet. Später wird auch die Mundhöhle vollständig vernachlässigt, was die Entstehung von Schwämmchen auf der Zunge zur Folge hat, welche die Mutter mit rotem Tuche abwischt. Sie werden auch mit Tinte bestrichen. Im Bade drückt die Hebamme dem Kinde den Milchsaft aus den Brustwarzen29), das wird einigemale wiederholt, weil sonst die Smore (poln. Zmora-Drud) diese Milch aussaugen und die Brust des Kindes sich mit Geschwüren bedecken würde. Wird es aus dem Wasser gehoben, so haucht man ihm die Ajin-hore, den bösen Blick ab, was manche jedoch nicht tun, um es nicht dadurch gegen die Wirkung des bösen Blicks noch empfänglicher zu machen. In den ersten vier Wochen wird das Kind „gewickelt", indem man ihm Arme und Beine fest einbindet und den Kopf mit einem Mützchen (BogiwU) bedeckt. Ist das Köpfchen unförmlich, länglich, so wird es um die Stirne fest eingebunden, .um die runde Form zu erlangen, die allein für schön und richtig angesehen wird30).