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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 566

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 566 (sequence 590)
Language
German
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566 Flesch, Der Pinax von Austerlitz. nago genordnung, Festlegung neuer Statuten, Anstellung des Rabbiners oder Gemeindebeglaubigten. Die Opfer, welche der Gemeinde durch den österreichischen Erbfolgekrieg 1740—42, durch den Krieg Österreichs mit Napoleon (1809) auferlegt wurden, sind getreulich verzeichnet. Selbst die Marodeure1) aus der Völkerschlacht von 1813, welche im jüd. Spitale in Austerlitz gestorben, sind darin verewigt. Steuerabgaben, Geschenke an die Gutsherrschaft und ihre Beamten, Spenden für die Armen des heiligen Landes, für von Brandschäden heimgesuchte Gemeinden, dies alles ist vom Gemeindebuche festgehalten. Auch der Staatskrach von 1812, die minderwertig gewordenen Bankzettel, die Inflation, das Valutageld haben im Gemeindebuche ein Plätzchen gefunden. Das Gemeindebuch ist bis um 1820 hebräisch geführt, doch sind einzelne Protokolle auch in deutscher Sprache abgefaßt und in hebr. Buchstaben niedergeschrieben, in späteren Jahren bedienten sich die Gemeindesekretäre auch der deutschen Schrift. Ich bezeichne mit ,,h" die hebräisch, mit „j" die jüdisch-deutsch und mit „d" die deutsch geschriebenen Urkunden. I. Steuern und Abgaben. Weihnachts- und Ostergeschenke. S. 4a h. Dem Oberamtmanne: 3/4 Pfeffer, 3/4 Ingber, 2/4 Reis, 2/4 Weinperl (= Weinberl-Gorinthen), % Lot Safran, y2 Lot Nägerl (Nelken), y2 L. Blüh (Muscatblüte), 2 Nüsse (Muscatn.), 4 Limonen. Dem Kastner: 2/4 Pf., 2/4 Ingb., 2/4 Reis, 2/4 Gorint., 1 y2 Quentel Safran, 1 y2 Qu. Nelken, 1 y2 Blüh, 2 Nüsse, 2 Limonen. Dem Burggraf: wie dem Kastner. 1) Gb. S. 424b „j": „Im Jahre 574 ( 1813/14) hatten wir in unserer Gemeinde ein Spital für Soldaten und es starben verheiratete Juden ihren Frauen; damit diese nicht (verlassen) bleiben, wurden ihre Namen, Wohnsitz und Geburtsland laut Totenschein verzeichnet: I. HirschLöb aus Kaliger, Ostgalizien, 30 Jahre alt,gest.4.Decemberl813, Krankheit: Ruhr. Vom Fuhrwerk. II. Aron Grug aus Nesbi, Galizien, vom Fuhrwesen, 50 Jahre alt, gestorben den 26. Jänner 1814 an Nerven."

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