Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 565 (sequence 589)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2638044-2638085-2638086--3066-2640440- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
F1 e s c h, Der Pinax von Austerlitz. 565 D^HD^K) wird der Austerlitzer Rabbiner Juda Lob genannt1). Chajim b. Isak Meling (= Melnik) lebte im 16. Jahrhundert in Prag und war vormals Rabbiner in Austerlitz2). Schon in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts finden wir eine Anzahl von Austerlitzern in Wien und Prag3). Der alte Friedhof, der wohl spätestens in der Mitte des 12. Jahrhunderts angelegt wurde, ist ein Raub des Indifferentismus geworden. Das ganze Urkundenmaterial ist verschwunden, erhalten hat sich nur der Pinax, welcher einen Zeitraum von 150 Jahren — von 1710—1865 — umfaßt und eine reiche Fülle historischen, insbesondere aber kulturhistorischen Materials darstellt. Aber auch das Wirtschaftsleben dieser Zeit bietet viel des Interessanten. Das Gemeindebuch —475 Blatt Kleinfolio -—(— 950 Seiten) schildert getreulich all das, was die Juden jener Zeit bewegte; das ganze jüdische Leben von der Wiege bis zum Grabe und darüber hinaus spiegelt sich darin ab. Die Eidesformel für die D^NDty Schätzer, die Berdoner, die Vorsteher der Gemeinde, die Selbsteinschätzer, ist in diesem Buche niedergelegt. Verpachtung der „Taz" KtD Taxe), Briefelgelder (Fleischkreuzer) genannt, vom Jahre 1725 bis 1765 sind hier verzeichnet. Desgleichen sind die Bedingungen, unter welchen die Verpachtung des Tauchbades (mpö) von 1726—1810 und des Ostermehles (NnDIH KJlDp) von 1725—1785 abgeschlossen wurden, im Gemeindebuche eingetragen. Ausgleiche (mit^S), Jahresrechnungen, Verlassenschaftsabhandlungen, Vermögensverwaltungen, Verwaltung von Mündelgeldern, Kauf und Verkauf von Häusern, Synagogensitzen, all dies fällt in die Kompetenz der Gemeinde und des Rabbinates und fand so gut einen Platz im Gemeindebuche, wie die Sy- 1) S. Jahrbuch des traditionstreuen Rabbiner-Verbandes in der Slovakei, Sitz Trnava, 1923: M. Stein, Beiträge zur Biographie der mähr. Rabbiner, S. 86ff. 2) S. K. Lieben, Gal-Ed No. 14; Hock, Die Familien Prags, herausgegeben von D. Kaufmann, Preßburg 1892, S. 216. 3) S. B. Wachstein, Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil, Wien und Leipzig 1912, S. 107 u. a. v. a. St.; s. Hock, Die Familien Prags, S. 5ff.