Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 431 (sequence 451)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2638044-2638085-2638086--2928-2640302- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Grunwald, Mattersdorf. 431 liege, da ja frische Kerzen erst nach Borchu angezündet werden dürfen, am Freitag eine große Kerze angesteckt, die den ganzen Sabbat brennt. Diese Kerze wird „Ner Schabbos" genannt. Die Kerze wird nicht von Zedokogeldern bestritten, sondern als Spende von privater Seite aufgebracht. Am Sabbat Bereschith zu Mincha wird das Ner Schabbos versteigert, und der Ersteher hat die Kerze für das ganze folgende Jahr zu bestreiten. Aus dem gleichen Anlaß werden versteigert: das Ner Thora, die Wachskerzen, die an Wochentagen bei den Thoravorlesungen angesteckt werden, das Ner Thefillah, ferner das Ner hawdalah, der Jajin l'Kiddusch sowie Pessuke d'Simra an Sabbat und Festtagen. — Als historische Reminiszenz ist auch zu erwähnen, daß in M. allabendlich vor dem Tachnungebete die Widduj (Sündenbekenntnis) gesagt wird. Diese Sitte besteht seit dem Jahre 1867 und hat sich als Überbleibsel der Bußgebete während der Cholera erhalten. Ganz vorübergehend bekleidete nach R. Issachars Tode das Rabbinat in M. R. Harsch G h a r i f, nicht zu verwechseln mit dem bekannten Gelehrten gleichen Namens. Eine Gemütskrankheit setzte seinem Wirken ein Ziel. 1798 wurde R. Moses Ssofer (Schreiber) aus Straßnitz nach M. berufen. Es war die Glanzperiode in der Geschichte der Gemeinde. Einer der Größten, die das Judentum hervorgebracht, zierte den Rabbinersitz der kleinen Gemeinde Mosche Ssofer wurde i. J. 1763 in Frankfurt geboren. Aus derselben Stadt, die später in der deutschen Orthodoxie eine führende Rolle übernehmen sollte, ging der Mann hervor, der bis auf den heutigen Tag als die größte rabbinische Autorität Ungarns gilt. Mose Ssofer hatte unmittelbar nach dem Abschluß der Verhandlungen mit M. einen Ruf nach Proßnitz erhalten, wo er früher bereits als Leiter der Jeschiba gewirkt hatte. Er hielt aber den Mattersdorfern seine Zusage. Kurze Zeit nach seinem Amtsantritt in M. im J. 1799 wünschte ihn die Gemeinde Trietsch zum Rabbiner. Er lehnte ab und M. erhöhte sein Gehalt. 1801 trat die Gemeinde Strassnitz1) (Dresnitz) an ihn mit der Bitte heran, an ihre 1) Jüd. Ortsbezeichnungen (vgl. Mitteil. V, S. 12): Greiditz Grätz (vgl. die jüd. Bezeichnungen für Ortschaften bei Löwenstein, Abbre-