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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 417

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 417 (sequence 437)
Language
German
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Grunwald, Mattersdorf. 417 der Weiberschül befindliche Teil des Tempels war an der Breitseite in zwei ungleiche Teile geteilt. Die Ostseite des rechten (kleineren) Teiles war durch die Stirnwand der Weiberschül abgeschlossen. An der linken Wand war eine Verbindungstüre zur Polischen und rechts von dieser Türe in einer Ausbauchung ein Guckfenster angebracht. Die Polische selbst war gewölbt und in ihr rechts und links einige kleine Bänke angebracht, auf denen die Balebattim „Tefillin legten." An den hohen Feiertagen wurden diese Bänke vermehrt und so dem stärkeren Tempeibesuche Rechnung getragen. Außerdem stand in der Polischen noch ein mächtiger Mohelsessel und für den Schammes ein riesiger Kasten, der bis zur Decke reichte und einen großen Raum der Polischen einnahm. Der Kasten ruhte auf einem gebauten Sockel. Im Kasten befanden sich die religiösen Bedarfsgegenstände. Von der Polischen führte keine Tür in den Tempel. Die Stelle der Tür ersetzten schwere grüne, verschiebbare Vorhänge, welche an den hohen Feiertagen durch weiße ersetzt wurden. Der Rahmen des Einganges war beiderseits von Säulen flankiert, über welchen sich ein schwacher Bogen wölbte. In der Polischen, ungefähr in der Höhe des Einganges zum Tempel, konnte man an der Wand die Worte lesen: „Ad poh gabru hamajim" („Bis hierher stieg das Wasseru). Diese Inschrift soll sich auf eine Überschwemmung beziehen, die 70 Jahre vor der Renovierung des Tempeis (1875) sich ereignete. Der Fußboden des Tempels, ebenso die Weiberschül und sonstige Räumlichkeiten waren mit roten Ziegelsteinen belegt. An Festtagen wurden auf dem Fußboden Teppiche ausgebreitet, an den hohen Feiertagen und Tischo beow Heu gestreut. Sofort beim Eintreten in den Tempel fiel der große Almemor auf. Rings um den Almemor liefen Bänke, vor denen Betstühle standen. Zum Almemor führten rechts und links mehrere Stufen hinauf. Er war so geräumig, daß auf der rückwärtigen Bank sämtliche Domestiken Platz nehmen konnten. An den vier Ecken des Almemors hatte man hohe, roh behauene viereckige Steine angebracht, welche durch ein lanzenartiges Gitterwerk miteinander verbunden waren. Um das Grunwald, Jahrb. f. jüd. Volksk. II. 27

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