Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 376

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 376 (sequence 394)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2638044-2638085-2638086--2871-2640245
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

376 Marmorstein, Beitr. z. Religionsgesch. u. Volkskunde. die Aufmerksamkeit gelenkt1). Dieses Mal wollen wir zwei größere Texte der Öffentlichkeit übergeben, die unseres Eraehtens sowohl für die Religionsgeschichte, wie für die Volkskunde von ziemlicher Wichtigkeit sind. Der erste Text will einen Ersatz bieten für die Prüfung der Ehebrecherin. R. Chaninah aus Sura sagt: Ein Mann sage nicht in unserer Zeit zu seinem Weibe: Gehe nicht heimlich mit N. N., denn nach R. Jose b. Jehuda wäre sie auch in diesem Falle verpflichtet, die Wasserprobe zu bestehen, und in unseren Tagen gibt es kein Sotahwasser, um sie zu prüfen2). Das Beispiel von der Sotah wird von den Agadisten in ihren Parabeln öfters zitiert. R. Josua ben Levi3) erwähnt den Fall einer Sotah, die das bittere Wasser getrunken und rein befunden worden ist. Ein zweiter Agadist, dessen Name nicht angegeben ist, spricht von einer Sotah, die den Vorhof betreten hatte, um geprüft zu werden: Der Priester geht daran, ihr das Bitterwasser zutrinken zu geben. Er schaut sie an und entdeckt zu seinem Entsetzen, daß das Weib seine eigene Mutter sei; er schämt sich und tritt zurück, er schreit und weint über seine Mutter4). Wir finden die Vorstellung, daß die Probe denjenigen Frauen, die unschuldig waren, zum Segen gereichte5). Unser Text zeigt, daß man noch im Mittelalter diese Probe vorgenommen hat. Es ist recht lehrreich zu beobachten, daß der Text mehrere Abweichungen von den landläufigen Vorstellungen zeigt, die in den Anmerkungen klargelegt werden sollen6). Es wäre auffallend, wenn in talmudistischen Kreisen solche der Agada wie auch der Halachah widersprechende Meinungen zum Vorschein kommen sollten. Es darf wohl angenommen werden, daß der Text aus ketzerischen Kreisen hervorgegangen ist, obwohl auf eine talmudische Autorität hingewiesen wird. 1) s. Beiträge, Jahrb. I, pp. 294—298. 2) b. Sotah 2 B. 3) Pesikta r. 186*. 4) Midr. Cant. 2 ed. Buber p. 134. 5) b. Ber. 31 B. R. Eleazar u. a. 6) s. Anmerkungen nr. 4 Seite 377 fg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.